Werbung

Nachricht vom 26.02.2015 - 08:05 Uhr    

Bewerberregion Westerwald-Sieg stellte Leader-Projekte vor

Das Europa der Regionen soll mit dem Leader-Förderprogramm Konturen erhalten. Dieses Förderprogramm ist so konzipiert, das es eine Bürgerbeteiligung zwingend vorschreibt. Die Bürger aus den Verbandsgemeinden Hamm, Altenkirchen, Wissen, Betzdorf, Kirchen und Daaden-Herdorf hatten in Projektgruppen ihre Vorstellungen zusammengetragen. Die Region Westerwald-Sieg bringt jetzt die Bewerbung auf den Weg.

Christoph Dickmanns und Sebastian Dürr von den Planungsbüros fassten die Ergebnisse des bisherigen Leader-Bewerbungsprozesses zusammen und gaben einen Ausblick. Fotos: Daniel Pirker

Betzdorf/ Kreis Altenkirchen. Es geht um viel Geld für große Teile des AK-Landes. Rund 2,6 Millionen Euro an Fördergeldern für die verschiedensten Projekte zwischen 2015 und 2021 könnten herausspringen für die Verbandsgemeinden Kirchen, Wissen, Betzdorf, Daaden (eventuell inklusive Herdorf), Hamm und Altenkirchen. Sie hatten sich vor einiger Zeit dafür zu einer Bewerberregion zusammengeschlossen, die sich nun „Westerwald-Sieg“ nennt.

Das Ziel: Vom Förderprogramm „LEADER“ zu profitieren, der AK-Kurier berichtete. Die Chancen stehen gut. Im Spätsommer werden von einer Entscheidungskommission 15 von 20 Bewerberregionen in Rheinland-Pfalz ausgewählt. Und einige der Mitbewerber hatten in der Vergangenheit bereits von Leader-Fördermitteln profitiert, womit ihre Chancen erneut zu gewinnen eher gesunken sein dürften – im Gegensatz zur Westerwald-Sieg Region.

Bis Ende März müssen die beauftragten Agenturen cdi-Projekte und neuland+ ein Bewerbungsschreiben formuliert haben. Das erklärten die jeweiligen Vertreter Christoph Dickmanns und Sebastian Dürr auf einem Regionalforum in der Betzdorfer Stadthalle. Die Veranstaltung diente dazu, den bisherigen Weg zusammenzufassen. Und dabei wurde deutlich: Die Bewerbung gibt einen Vorgeschmack darauf, was das Leader-Programm wie wenige andere Förderprojekte auszeichnet, nämlich Bürgerbeteiligung.

Bürgerbeteiligung Voraussetzung für Leader-Förderung
Dem Regionalforum gingen einige Workshops unter Beteiligung der Bewohner der „Westerwald-Sieg“-Region voraus. Ihre Arbeit interpretieren Dickmanns und Dürr vor diesem Hintergrund als Spiegelung des Bürgerengagement für die Bewerbung. Und das scheint in den vergangenen Monaten stark ausgeprägt gewesen zu sein. Insgesamt haben 350 Bürger bereits rund 150 Projektideen gesammelt. Das Spektrum reicht hierbei von Backes-Bauten über Graffiti-Kunst an Jugendzentren.

Landrat Michael Lieber hatte bei einer Info-Veranstaltung im letzten November beispielhaft außerdem die ärztliche Versorgung oder die Umnutzung des Stegskopfes genannt. Grundsätzlich deckt das Leader-Programm zahlreiche Felder ab, unter anderem die Förderung von Kleinunternehmen, Tourismusprojekten, Naturschutzmaßnahmen oder Dorferneuerungsprojekten.

Ziemlich klar skizzierte Dickmanns das größte Problem, das die Region im Rahmen des Förderprogramm anpacken müsse. Durch Sterbefälle und Abwanderung würde die AK-Bevölkerung innerhalb absehbarer Zeit um zehn bis 25 Prozent schrumpfen. Dabei habe eine Umfrage unter 40 Jugendlichen in Wissen ergeben, dass die jungen Leute zumindest perspektivisch der Heimat treu bleiben wollen – auch um Familien zu gründen, deren Kinder wie sie selbst in der Natur aufwachsen. Diesen Wettbewerbsfaktor müsse man noch stärker herausarbeiten. Denn durch die Naturverbundenheit steige auch der Bezug zur Heimat, was wiederum die Abwanderung senken könne.

Natur als Wettbewerbsfaktor
Durch das Herausstellen der grünen Landschaft verspricht sich Dürr von "neuland+" außerdem eine Ankurbelung der Tourismus-Branche. Dabei stelle sich aber immer die Frage: „Wo bleibt das Geld in der Region?“ Hier sieht der Experte noch Entwicklungspotential, das durch Leader besser ausgeschöpft werden könne. Die Zukunft der Westerwald-Sieg Region liegt für ihn der Etablierung als Outdoor-Marke, die alle Freizeitaktivitäten, die man in der Natur unternehmen kann, abdecke. Generell brennt das Thema Tourismus wohl auch den Bürgern unter den Nägeln. So viele Teilnehmer (rund 80 in Hamm) bei einem Tourismus-Workshop habe Dürr noch nie erlebt.

Ein Widerspruch zu einem Bekenntnis zur Industrie ist das in den Augen der beiden Planer allerdings keineswegs. Eine Hauptaussage der Bewerbung werde sein, dass der Wirtschaftsstandort in der Region gestärkt werden solle. Eine große Baustelle werde auch der Einzelhandel sein. „Der hat richtig zu kämpfen“, betonte Dickmanns.

Man darf gespannt sein, welche Projekte letztlich realisiert werden, sollte man als Leader-Region in einigen Monaten tatsächlich anerkannt werden. Bereits jetzt könne man mit guten Ideen auftrumpfen, hob Landrat Lieber hervor. Außerdem betonte er, dass neue Vorschläge jederzeit während der sechsjährigen Förderdauer eingereicht werden könnten. Immerhin, niemand könne alle Herausforderungen für 2021 voraussagen, sagte Dickmanns.

Eines steht aber bereits jetzt fest: Die verwirklichten Projekte wird es nicht zum Nulltarif geben. Bei den Fördergeldern würde es sich nur um Teilfinanzierungen handeln, mit Spannen zwischen 35 und 75 Prozent. Nur Qualifizierungs- und Informationsmaßnahmen würden komplett übernommen. Eine Leader-Region „Westerwald-Sieg“ müsste also auch genügend eigenes Geld in die Hand nehmen, um die Ideen der Bürger verwirklichen zu können. Zudem besteht natürlich die Gefahr, dass Projekte, die normalerweise über andere Fördertöpfe bezuschusst wurden, zukünftig dank Leader-Mittel realisiert werden – was die reale Fördersumme in einem anderen Licht erscheinen lassen könnte. (ddp)



Interessante Artikel



Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Betzdorf-Gebhardshain auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 


Kommentare zu: Bewerberregion Westerwald-Sieg stellte Leader-Projekte vor

1 Kommentar

Wieder einmal ein "Fördergelder-Projekt". Ich kann mich erinnern wie die Region vor einigen Jahren schon einmal heimgesucht wurde von Agenturen, Monitoringgesellschaften und (selbsternannten ?) Fördergesellschaften. Regional-, Bürger- und Stadtgespräche wurden scheinbar neu erfunden; dabei gab es sie in anderen Regionen schon lange vorher; nichts Neues also. Ich halte nichts davon. Oder haben etwa die breit getretenen Aktionen der letzten Jahre etwas gebracht? Um es vorweg zu nehmen: ja! Für die beteiligten Gesellschaften und deren Repräsentanten auf jeden Fall. Es ist schade, dass das Prinzip überall das Gleiche ist und niemand scheint es zu bemerken. Heißt es (ob von Land, Bund oder EU): "Es gibt Fördermittel", steigen diese Gesellschaften gleich auf den fahrenden Bus auf und sammeln Ideen. Ideen der Bürger, die sich viel Mühe machen. Ideen, die dann zusammengefasst und als Ergebnis der Arbeit der Beratungsunternehmen präsentiert werden. Deren Gratifikationen werden gezahlt. Von uns allen. Ob dann die Projekte, die Bürgerideen (!) wirklich auch realisiert werden, ist eher unwahrscheinlich. Hier sollte man mit Vorsicht agieren. Sich von schöngefärbten Powerpointpräsentationen und guter Wortwahl, dem Einbinden der Bevölkerung und dem Mammon "Fördermittel" blenden zu lassen könnte auch "in die Hose gehen". Ich bin jedenfalls sehr skeptisch. Ich wünsche, dass ich "Schwarzseher" bin, habe aber ein komisches Gefühl im Bauch. Das (Förder-)Geld könnte man besser anlegen.
#1 von Alfons A. Mohr, am 02.03.2015 um 17:18 Uhr

Aktuelle Artikel aus der Region


Alserberg-Brücke: Ausnahmen für Wissener Unternehmen geplant

Wissen. Auch die Stadt Wissen sowie die Verbandsgemeindeverwaltung Wissen sind von der Regelung des Landesbetriebs Mobilität ...

Druidensteig: Wer wandert mit von Elkenroth nach Betzdorf?

Elkenroth/Betzdorf. Die Tourist-Information der Verbandsgemeindeverwaltung Betzdorf-Gebhardshain lädt alle Interessierten ...

Gelungener musikalischer Abschluss des bekannten „Spack! Festivals“

Wirges. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge betraten die Festivalbesucher in diesem Jahr das altbekannte Gelände ...

Sparkassenstiftung bringt Bewegung: Kleinspielfeld gespendet

Pracht. Das Kuratorium der Stiftung der ehemaligen Kreissparkasse Altenkirchen hat sich in diesem Jahr besonders der Unterstützung ...

VG Wissen gratulierte langjährigen Mitarbeiterinnen

Wissen. Mitte August konnte Bürgermeister Michael Wagener gleich drei langjährigen Mitarbeiterinnen zu ihrem Dienstjubiläum ...

Der Wald ist krank: 84 Prozent der Bäume sind geschädigt

Seifen/Flammersfeld. Mit erschreckenden und besorgniserregenden Daten, Fakten und Entwicklungen hinsichtlich des Gesundheitszustandes ...

Weitere Artikel


Schlittschuhe an und ab aufs Eis

Hamm. Traditionsgemäß fuhren im Februar zahlreiche Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte der Integrierten Gesamtschule ...

Rollitennis-Verein beim internationalen Tennisturnier

Altenkirchen/Windhagen. Vom 14. bis 22. Februar fanden in Altenkirchen die 2. AK ladies open statt, ein Turnier mit Weltranglistenspielerinnen. ...

Claus Behner tritt als Vorsitzender der Stadt- und Feuerwehrkapelle zurück

Wissen. Bereits zum 24. Mal eröffnete Claus Behner als erster Vorsitzender der Stadt- und Feuerwehrkapelle Wissen die Jahreshauptversammlung ...

Kommunalwettbewerb HolzProKlima in Rheinland-Pfalz 2015 gestartet

Region. Die Botschaft der gemeinsamen Auftakt-Pressekonferenz der Initiatoren des Kommunalwettbewerbs HolzProKlima in Rheinland-Pfalz ...

Versicherungsschutz bei Hilfe für Flüchtlinge

Region. Auch Rheinland-Pfalz nimmt derzeit eine ständig wachsende Zahl von Flüchtlingen auf. Für die Städte und Gemeinden ...

Heringsessen der SPD Altenkirchen und Weyerbusch

Altenkirchen/Weyerbusch. Bevor man sich dem Genuss der eingelegten Heringe widmete, ging der Blick in die Vergangenheit. ...

Werbung