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Nachricht vom 03.03.2015    

Vernachlässigte Kinder - Großeltern melden sich zu Wort

Im Fall der beiden vernachlässigten Kinder aus dem Kreis Altenkirchen melden sich nun die Großeltern zu Wort, um ihr Entsetzen über die Vorgehensweise des Jugendamtes zum Ausdruck zu bringen. Die Großmutter der beiden Jungen, Britta M. (Name von der Redaktion geändert), sprach hierzu mit dem AK-Kurier.

In Deutschland sind fast 40.000 Kinder akut oder latent von Vernachlässigung und Misshandlung gefährdet. Symbolfoto: Kuriere

Kreisgebiet. „Ich hatte meine Enkelkinder nach der Trennung meines Sohnes von der Mutter der Beiden fast ein Jahr nicht gesehen, dann waren Sie plötzlich in unserer Obhut“, beschreibt die Großmutter der Jungen, Britta M. (Name von der Redaktion geändert), die Situation. Nach einer kurzen Besichtigung der Räumlichkeiten durch den Sachbearbeiter des Jugendamtes wurden beide Kinder direkt vom Krankenhaus aus in die Obhut der Großeltern gegeben und kamen nur mit dem, was sie am Leib trugen.

„Meine Gefühle in diesem Moment waren recht zwiespältig, denn einerseits war ich froh, die Kinder bei mir zu haben, doch waren wir nicht auf die Situation vorbereitet“, so die Oma der Jungen. Kleidung, Krankenkassen-Karten, Schlafmöglichkeiten – es fehlte praktisch an allem. Ein Reisebett, sowie Kinderkleidung wurden kurzfristig organisiert, zwei Tage später brachte eine Mitarbeiterin der Familie eine Reisetasche, Inhalt: Zwei Bodies und Schlafanzüge, den Rest mussten sich die Großeltern von Bekannten leihen. „Mit dem Jugendamt wurde vereinbart, die Kinder bis zum Gerichtstermin, welcher per Eilverfahren über das weitere Prozedere entscheiden sollte, bei uns zu lassen“, so die Großmutter weiter.

Ein paar Tage später wurde der Mutter wieder ein Umgangsrecht gewährt. Bereits beim ersten Termin kam es zu Problemen, so dass bei den künftigen Terminen eine Mitarbeiterin der Familienhilfe die Kinder abholte und zurück brachte. „Meine Enkel habe ich in einem aus meiner Sicht desolaten Zustand erlebt. Beide zeigten sich hochgradig aggressiv, schliefen schlecht und hatten diffuse Ängste. Einfachste Grundregeln der sozialen Interaktion, wie das man zusammen an einem Tisch isst, mussten wir ihnen erst mühsam beibringen“, beschreibt die Großmutter die Situation.

In den kommenden Wochen folgen beinahe täglich Arztbesuche, da beide Jungen an zahlreichen Allergien und Erkältungsbeschwerden leiden und entsprechend medikamentös behandelt werden müssen. „Als der Gerichtstermin dann feststand, war ich guten Mutes, dass Gericht und Jugendamt eine Lösung finden werden, die den Kindern einen Neustart erlaubt“, erläutert Britta M., denn so konnte es nach ihrer Auffassung nicht weitergehen. „Bereits acht Mal intervenierte der Kindergarten beim Jugendamt wegen Verdachtes auf Kindesmisshandlung, es musste eine schnelle Lösung gefunden werden“.

Am Tag vor der Verhandlung erreicht Britta M. um zehn Uhr morgens ein Anruf des Gerichts, der Termin wurde abgesagt, ein Richter war erkrankt. Kurze Zeit später meldet sich das Jugendamt, ein Vertreter des bisherigen Sachbearbeiters eröffnet der Großmutter, sie habe die Kinder am Nachmittag an die Mutter zu übergeben. Zahlreiche Interventions-Versuche scheiterten, dass Jugendamt blieb bei seiner Haltung.




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„Warum das Jugendamt die Kinder erst wochenlang in unsere Obhut gibt, weil ihre Sicherheit im Haushalt der Mutter nicht gewährleistet ist und dann plötzlich vor der Verhandlung zurückrudert, ist mir schleierhaft. Ich habe dann die Sachen der Kinder gepackt, denn ich kann mich ja nicht gegen eine Entscheidung des Jugendamtes stellen, so unverständlich sie mir auch ist“, führt die Großmutter weiter aus. Als am Nachmittag die Mutter erschien, wurde die Übergabe vorbereitet.

„Ich habe noch versucht, die Mutter über die Medikamentengabe zu informieren, dies scheiterte jedoch an ihrem Desinteresse. Dann rief plötzlich der Sachbearbeiter des Jugendamtes erneut an und wies mich an, die Kinder doch nicht an die Mutter zu übergeben“, schildert Britta M. den weiteren Verlauf. Spätestens da eskalierte die Situation. Die Großmutter muss die Kinder zurück ins Haus holen, gegen den Willen der Mutter. Da diese sich lautstark vor dem Haus ereifert, ruft Britta M. die Polizei hinzu. „Ich war mit der Situation und den widersprüchlichen Anweisungen des Jugendamtes überfordert und wusste nicht, wie ich mich verhalten soll“, erläutert die Oma. Als die Polizei dann erscheint, telefoniert diese ebenfalls mit dem Jugendamt und erhält die Weisung, die Kinder nun doch der Mutter zu übergeben. Ein erneuter Anruf des Jugendamtes bei den Großeltern zur Erläuterung des Prozedere erfolgt nicht.

Zurück bleiben Großeltern, die sich vom Jugendamt im Stich gelassen fühlen. „Wäre bei der Übergabe ein Betreuer des Jugendamtes vor Ort gewesen, wäre die Situation mit Sicherheit nicht so eskaliert. Die widersprüchlichen Anweisungen haben zu einer Situation geführt, die für die Kinder schrecklich war. Für meine Enkel wünsche ich mir, dass eine Lösung gefunden wird, die beiden erlaubt, in einem normalen und kindgerechten Umfeld aufzuwachsen, aber das müssen Jugendamt und Gericht entscheiden – hoffentlich bald“! Der neue Gerichtstermin wurde für den 4. März angesetzt. (Eva Klein)


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