Werbung

Region | - keine Angabe -


Nachricht vom 02.04.2015    

Der private Online-Handel boomt – aber ab wann ist er steuerpflichtig?

Allein in Deutschland nutzen – nach Angaben von eBay – 18 Millionen Menschen aktiv den Online-Marktplatz mit mehr als 50 Millionen Produkten, die von 5,4 Millionen privaten Verkäufern und rund 175.000 gewerblichen Anbietern bereitgestellt werden. Was oft im privaten Bereich mit wenigen Verkäufen anfängt, kann sich im Laufe der Zeit zu einer Tätigkeit entwickeln.

Region. Worauf sollten private Anbieter besonders achten, um eine eventuelle Steuerpflicht beim Verkauf über Internetplattformen zu vermeiden?

Als Privatperson handelt in aller Regel derjenige, der gelegentlich Waren seines eigenen persönlichen Gebrauchs verkauft, also nicht wie ein Händler auftritt. Dieser Vorgang wird der privaten Vermögens-verwaltung zugerechnet. So dürfen beispielsweise nicht mehr benötigte Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie Hausrat, Möbel, PC, Schreibtisch oder Fahrrad, normalerweise ohne steuerliche Kon-sequenzen verkauft werden. Aber Achtung: Wenn zwischen Erwerb und dem Verkauf der Waren we-niger als 12 Monate liegen, können auch Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften steuerpflich-tig sein (§ 23 Einkommensteuergesetz). Besonders Artikel mit Spekulationspotential wecken hier das Interesse des Fiskus. Dazu zählen u. a. Wertgegenstände wie Antiquitäten und Schmuck oder auch Briefmarken- und Münzsammlungen, die sich weniger als ein Jahr im Besitz des Verkäufers befanden. Wird mit ihren Verkäufen jährlich mehr als 600 Euro Gesamtgewinn erzielt, dürfte in aller Regel Steu-erpflicht – zumindest für den darüber hinausgehenden Betrag – vorliegen. Derartige Anbieter sollten nicht darauf vertrauen, dass sie unentdeckt bleiben. Denn die Finanzverwaltung ist u. a. befugt, sich die benötigten Informationen direkt vom Plattformbetreiber zu beschaffen, wie ein Urteil des Bundesfi-nanzhofes, BFH, vom 16.5.2013 belegt (Az.: II R 15/12).

Ein Gewerbebetrieb ist gemäß Einkommensteuergesetz dann gegeben, wenn eine Tätigkeit nachhaltig und selbstständig ausgeübt wird, eine Gewinnerzielungsabsicht und eine Teilnahme am wirtschaft-lichen Verkehr vorliegen. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn der Anbieter erkennbar auftritt, entweder mit Logo, speziellem Design oder durch das mehrfache Angebot gleicher Produkte. Ist ein Online-Anbieter als Gewerbetreibender einzustufen, so hat er diverse Pflichten sowohl in recht-licher als auch in steuerrechtlicher Hinsicht. Er muss sein Gewerbe grundsätzlich beim Gewerbeamt anmelden. Für die beim gewerblichen Handel erzielten Gewinne können prinzipiell Einkommensteuer, Umsatzsteuer und gegebenenfalls Gewerbesteuer anfallen.

Wichtig für die steuerliche Einordnung der Online-Verkäufer können auch der Vermarktungsaufwand und die Nachhaltigkeit sein, mit der der Verkauf betrieben wird, wie der BFH in seinem Urteil vom 26. April 2012 (Az. V R 2/11) entschied. Im fraglichen Fall ging es um ein Ehepaar, das in einem Zeitraum von etwa dreieinhalb Jahren auf eBay mehr als 1.200 Gebrauchsgegenstände aus seinem Besitz verkauft hatte. Damit erzielte es jährliche Erlöse zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Da es sich im Wesentlichen um Sammlerstücke handelte, die im Laufe der Jahre zusammengetragen worden waren, gingen die Eheleute davon aus, dass es sich hierbei um keine umsatz- und einkommensteuerpflichtige unternehmerische Tätigkeit handelt. Das sahen die zuständigen Finanzbehörden anders, denn in letzter Konsequenz, so der BFH, sei das Gesamtbild der Verhältnisse ausschlaggebend. Und dazu zählte der vermutlich erhebliche Organisationsaufwand, zu dem u. a. die Vorbereitung für die Präsentation der einzelnen Produkte, die Verfolgung der Auktionsverläufe und die Organisation von Bezahlung und Versand gehören. All dies lasse den Schluss zu, dass es sich hier um eine intensive und langfristige Verkaufstätigkeit handelte, die als nachhaltig eingestuft werden könne, also keine rein private Vermögensverwaltung mehr darstelle und folglich der Umsatzsteuerpflicht unterliege.

Umsatzsteuerpflicht trifft nur Inhaber des Kontos – auch bei mehreren Nutzern
Der 1. Senat des FG Baden-Württemberg hat am 19.12.2013 (Az.: 1 K 1939/12) entschieden, dass umsatzsteuerpflichtige Versteigerungen über eBay, die von mehreren Personen unter Verwendung nur eines gemeinsamen Namens ausgeführt werden, im Regelfall nur allein von demjenigen zu versteuern sind, der gegenüber eBay als Inhaber des Nutzerkontos aufgetreten ist. Im entschiedenen Fall waren Eheleute betroffen. Wenig erfreulich dürfte sich diese Regelung aber besonders dann auswirken, wenn über ein solches Konto „Gefälligkeits-Versteigerungen“ getätigt werden oder das Konto anderen Personen für ihre persönlichen Verkäufe zur Verfügung gestellt wird. Denn auch hier trifft denjenigen die Umsatzsteuerpflicht, der sich seinen Nutzernamen bzw. sein Pseudonym bei der Kontoeröffnung von eBay hat zuteilen lassen, auch wenn er vom Umfang der fremden Verkaufstätigkeit keine Kenntnis hatte.



Kommentare zu: Der private Online-Handel boomt – aber ab wann ist er steuerpflichtig?

Es sind bisher keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

Beliebte Artikel beim AK-Kurier


Ein weiterer Corona-Todesfall im Kreis und 29 neue Infektionen

Das Kreisgesundheitsamt meldet am Sonntag, 17. Januar, im Zuge der Corona-Pandemie einen weiteren Todesfall: Eine 82-jährige Frau aus der Verbandsgemeinde Kirchen ist am Samstag verstorben.


DRK-Bilanz zur Impfung in Pflege- und Altenheimen

DRK-Präsident Rainer Kaul zieht erste Bilanz von aufsuchenden Impfungen und Testungen von Alten- und Pflegeeinrichtungen in Rheinland-Pfalz.


Neue Betzdorfer Hausarzt-Praxis: Bauarbeiten gestartet

Vor über einem Monat wurde der Vertrag unterzeichnet. Seit einigen Tagen entsteht nun nach und nach die neue Hausarztpraxis im TÜV-Gebäude. Der AK-Kurier war vor Ort – und erfuhr, dass auch hier die Pandemie zu Herausforderungen führt.


Strafen für Einreisende: Oberberg appelliert 15-Kilometer-Regel einzuhalten

Der Oberbergische Kreis ist derzeit von Corona-Neuinfektionen schwer betroffen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei über 200, das Land NRW hat den Bewegungsradius hier auf 15 Kilometer eingeschränkt. Nun ist man bemüht, die Besucherströme einzudämmen – das gilt auch für Ausflügler aus dem benachbarten Kreis Altenkirchen.


Winterwochenende im Westerwald konfliktfrei gestalten

Für das Wochenende sind wieder Schneefälle prognostiziert. Was den Einen freut, ist für den Anderen eine Schreckensvision. Freunde des Wintersports zieht es unweigerlich auf die schneesicheren Höhen der Region.




Aktuelle Artikel aus Region


Daaden: Eingeschlagene Frontscheibe und Unfall mit Leichtverletzten

Daaden. Damit hatte die Besitzerin eines Ford Fiesta nicht gerechnet. Zwischen dem 7. und 14. Januar hatte sie ihr Auto in ...

Neue Betzdorfer Hausarzt-Praxis: Bauarbeiten gestartet

Betzdorf. Man muss momentan nur seinem Gehör folgen, um sich den Fortschritt eines Pionierprojekts in der Betzdorfer Region ...

Ein weiterer Corona-Todesfall im Kreis und 29 neue Infektionen

Altenkirchen/Kreisgebiet. Zudem wurden seit der letzten Meldung am Freitag 29 neue Infektionen im Kreisgebiet nachgewiesen. ...

Nicole nörgelt – über die Freuden des Fernunterrichts

Region. „Ich muss Schluss machen“, piepst sie mit Grabesstimme. „Meine… ähm… Schüler nehmen anscheinend grade das Klassenzimmer ...

First Responder der VG Altenkirchen-Flammersfeld zogen Bilanz

Altenkirchen/Flammersfeld. Der Leiter der First-Responder-Gruppe, Holger Mies, der diese Aufgabe bereits für die Alt-VG Altenkirchen ...

Landessynode der Evangelischen Kirche tagte digital

Kreis Altenkirchen. Kirchenleitungswahlen, die künftige Gestalt der rheinischen Kirche in einer sich verändernden Gesellschaft, ...

Weitere Artikel


Zahl illegal gefangener und getöteter Greifvögel weiterhin hoch

Region. Eine der am häufigsten illegal verfolgten Arten ist der Habicht, Vogel des Jahres 2015. Er steht stellvertretend ...

Stromtrassenbau: Hoffnung auf Änderungen noch nicht aufgegeben

Mudersbach/Oberkreis. Ob sich der Landtagsabgeordnete Michael Wäschenbach (CDU) tatsächlich Hoffnungen machte, als er die ...

Platz 5 beim Hallenturnier in Siegburg

Kirchen/Siegburg. Im ersten Spiel des Tages traf der VfL auf die Mannschaft des TV Braschoss. Die Siegstädter erwischten ...

Hund Alfons sucht Zuhause

Kreis Altenkirchen. Dier Tierschutzverein Altenkirchen schickte eine Steckbrief des netten Hundes, der dringend ein neues ...

Wieder Europatag beim „marienthaler forum“

Hamm/Kreisgebiet. Das „marienthaler forum“ lädt ein zu seinem diesjährigen Europatag am Donnerstag, 23. April, 17 Uhr, im ...

Gründung von Seniorenbeiräten empfohlen

Kreis Altenkirchen. Kürzlich traf sich der Kreisseniorenbeirat mit dem Seniorenbüro des Kreises zu einer Klausurtagung im ...

Werbung