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Nachricht vom 12.05.2015    

Die 5. "NachtSchicht" im Kulturwerk erinnert an dunkle Zeiten

Die fünfte Auflage der "NachtSchicht - Industriekultur Westerwald-Sieg" am Pfingstsamstag, 23. Mai verbindet atemberaubenden LED-Tanz „Made in Wissen“, beeindruckende Chormusik, Berichte von Zeitzeugen, Otto Pankoks „Menschenbilder“, eine Ausstellung von Schülern des Kopernikus Gymnasiums zur Zwangsarbeit, Akrobatik, Feuer und Multimedia im unverwechselbaren Ambiente des ehemaligen Wissener Walzwerkes. Poesie und Unterhaltung, Nachdenkenswertes und Fröhlichkeit in einem besonderen Programm.

Ins Finale der 5. Nachtschicht entführen die Firedancers. Fotos: Veranstalter

Wissen. Es ist die Nachtschicht mit der bisher intensivsten Vorbereitung von und mit Menschen aus der Region. Sie will einen neuen Beitrag zur Kultur des ehemaligen Montanstandortes, zur Geschichte des "WERKS" und seiner Bevölkerung leisten. Zwangsarbeiterlager und Befreiung durch die Amerikaner, Untergang des Nazi-Regimes, viele Kriegsopfer und menschliches Leid: Wissen war mittendrin im Kriegsgeschehen.

„Keine bedrückende Erinnerungsveranstaltung ist die Nachtschicht, sondern aufklärerisch und nachdenklich zugleich. Aber vor allem poetisch, stimmungsvoll und auch fröhlich. Und sie zeigt, dass die Menschen an der mittleren Sieg nicht mit Groll und Zorn zurückblicken, sondern immer das Beste daraus gemacht haben, um zu überleben und nach vorne zu schauen“, so Berno Neuhoff von der Wissener eigenART.

An dieser künstlerischen Auseinandersetzung mit der Geschichte teilzuhaben, wird ein einmaliges Erlebnis sein. Sie ist die künstlerische Visitenkarte des "kulturWERKs" von Anfang an: Die Nachtschicht. In der 5. Auflage wird sie sich nicht nur mit dem Werk und seinen Menschen, sondern mit dem Kriegsende und der Zwangsarbeit künstlerisch auseinandersetzen. Der Sandberg ist neben dem Kulturwerk noch heute sichtbares Zeichen des ehemaligen Standortes der Alfredhütte und des Walzwerks.

Auf dem Sandberg hausten die Nazis und unten an der Sieg litten die Zwangsarbeiter, die Wehrmacht kämpfte gegen die Amerikaner und im Bunker bangten Wissener um ihr Leben, wochenlang, teils in absoluter Dunkelheit. Dies alles wurde von den befragten Zeitzeugen eindringlich beschrieben.

„Wie bekommen wir das zusammen, ohne die Freude und Schönheit der Nachtschicht zu verlieren?“, fragten sich die Macher von Wissener eigenART und des Kulturwerks. Viele Stunden sammelten sie Gedanken und Ideen, um sie nun auf die Bühne und Leinwände zu bringen. Aufgetaucht sind neben wichtigen Zeitzeugenaussagen auch die Karteikarten der Zwangsarbeiter und auch die, wie sich ThyssenKrupp als Rechtsnachfolger des Walzwerks 70 Jahre später damit auseinandersetzen wird. Aufgetaucht ist auch das Foto des damaligen Nazi-Lagerkommandanten.

Kontrapunkte werden der erfrischende Tanz junger Frauen und der anrührende Gesang des Projektchores bilden. Diese Musik will zeigen, was den Menschen ausmacht: Liebe, Menschlichkeit, Freude und Hoffnung - auch in scheinbar ausweglosen Situationen.

Der ehemalige französische Zwangsarbeiter Oktave Fort (gestorben 2014) berichtet in seinen Erinnerungen über das Wissener Walzwerk und seine Zeit als Zwangsarbeiter 1943-1945: „Die Deutschen tauften unsere finstere Stadt auf den sehr bezeichnenden Namen Babelstadt.“ Im Schichtdienst musste er an der Walzstraße bei größter Hitze mehr als 56 Wochenstunden am Hochofen arbeiten. Wissen ist damit ein Spiegelbild der Situation in der „kriegswichtigen“ Industrie Nazi-Deutschlands. In einer Ausstellung und in Multimediaproduktionen mit Zeitzeugen nähert sich die Nachtschicht eindrucksvoll der Geschichte von 1.500 Zwangsarbeitern, die aus ganz Europa nach Wissen an der Sieg in die Baracken-Lager des Walzwerkes gebracht wurden.

"ΑΣΜΑ ΑΣΜΑΤΩΝ – das „Lied der Lieder" aus dem Balladenzyklus „Mauthausen“ des Schriftstellers Iakovos Kambanellis über seine Zeit im Zwangsarbeiterlager, das der griechische Komponist Mikis Theodorakis vertont hat, bringt der Projektchor unter der Leitung von Klaus Schumacher (Kreismusikschule Altenkirchen, Der Geheime Küchenchor) im zweiten Programmteil auf die Bühne.

Das Finale gestaltet die Formation "Firedancer". Der Pionier der modernen Feuershow verschmelzt in einer speziellen Inszenierung Industriekultur, Licht, Feuer und Musik zu einem funkensprühenden Gesamterlebnis. Live-Musiker an Schlagzeug, E-Gitarre und Feuertonnen treiben die Akteure an. Auf der Bühne brennen Fackeln, Stäbe, Fächer und Hula-Hoops. Mutige Tänzer springen durch Feuerseile. Ölfässer werden zu Trommeln, Fackeln zu Drumsticks und die Feuertrommler leiten gemeinsam mit dem Publikum das große Finale ein. Temporeich und akrobatisch lassen die Firedancer den Funken überspringen. Intensiver Rhythmus, die Kraft des Feuers und ekstatischer Tanz machen die Faszination der Naturgewalt hautnah spürbar.

Kein einziger Spot wird auf die jungen Frauen der Tanzgruppe "Revolution" gerichtet sein, wenn sie ihren Tanz präsentieren. Bühne und Zuschauerreihen versinken in der Dunkelheit, wenn nur die LED-Streifen auf den schwarzen Anzügen der Tänzerinnen leuchten. Das Tanzstudio Tanz(t)raum Balé aus Wissen-Köttingen begeistert die Besucher dann mit einer anderen Art von Show – wie es sie im ehemaligen Walzwerk noch nicht gegeben hat. Mal scheinen plötzlich nur noch zwei Tänzerinnen auf der Bühne zu sein, dann wieder scheint eine von ihnen zu schweben. In den Pausen des Bühnenprogramms unterhält die Marching Band "ComboCombo".

Begleitet wird das Industriekulturfestival durch die Kunst-Ausstellung „Menschenbilder“ mit Werken von Otto Pankok. In den weiteren „Schichten“ präsentiert die Wissener eigenART am 16. Juni das Sinfonieorchesterkonzert mit dem Collegium Musicum Siegen unter der Leitung von Bruce Whitson mit den faszinierenden Musikwerken des US-Komponisten George Gershwin. Am Flügel soliert Christoph Sobanski.

Am 8. Juli bringen 65 Schüler der Berufsschule Wissen die Theatereigenproduktion „Helden & Legenden“ und am 15. Juli das Kopernikus-Gymnasium Wissen das Musical „Tabaluga“ auf die Bühne des Kulturwerks.

Ausstellung “Menschenbilder” - Kohlezeichnungen und Skulpturen von Otto Pankok
Der rheinische Expressionist Otto Pankok (1893-1966) begann seine künstlerischen Aktivitäten schon im Kindesalter mit dem Zeichnen von Portraits. Die in dieser Ausstellung gezeigten Kohlezeichnungen und Skulpturen spiegeln das Leben der mit Pankok befreundeten Düsseldorfer Sinti wieder, von denen über 100 aus der wegen ihrer unzulänglichen hygienischen Bedingungen und Armut der Menschen bekannten "wilden Siedlung Heinefeld" verschleppt und ermordet wurden. Viele starben auf Grund der unmenschlichen Bedingungen schon im Lager.

Die Ausstellung befindet sich im hinteren Hallenbereich des Kulturwerkes und ist an folgenden Terminen geöffnet:
• Freitag, 22. Mai, 19 Uhr (Vernissage)
• Pfingstsonntag, 24. Mai, 14-18 Uhr
• Pfingstmontag, 25. Mai, 14-18 Uhr
• Fronleichnam, 4. Juni, 14-18 Uhr
sowie für die Besucher der Veranstaltungen
• NachtSchicht am 23. Mai,
• Jochen Malmsheimer & Uwe Rössler am 13. Juni
• Collegium Musicum - Gershwin am 16. Juni.

Karten für die Nachtschicht 5 gibt es im Vorverkauf für 12 Euro /erm. 8 Euro, ABK 14 Euro/10 Euro bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen, im Büro des Kulturwerks (Mo-Fr 9-13 Uhr, Tel. 02742 911664), im Internet unter: www.kulturwerk-wissen.de oder unter der Ticket-Hotline 0180 5040300 (0,14 €/Minute Festnetz, max. 0,42 € aus allen Mobilfunknetzen).
Die Mitglieder im Förderverein kulturWERKwissen „blechen“ Sie mit! e.V. erhalten eine Freikarte im „buchladen“ Wissen oder unter: info@kulturwerkwissen.de .


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