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Nachricht vom 19.05.2015 - 14:49 Uhr    

Giftköder für Hunde nicht bestätigt - Vorsicht geboten

In den letzten Tagen kursierten vermehrt Hinweise auf Giftköder-Funde in der Region um Hachenburg und Marienstatt im Netz. Besonders über die sozialen Netzwerke verbreitete sich das Thema wie ein Lauffeuer und verunsicherte zahlreiche Hundehalter. Die Kuriere sprachen mit der Polizei Hachenburg sowie Dr. Michael Köhler von der Tierklinik Betzdorf darüber.

Nicht jede Vergiftungserscheinung beim Hund lässt sich zwangsläufig auf einen Giftköder zurückführen. In jedem Fall ist die sicherste Methode, den Hund an der Leine zu führen. Symbolfoto: Kuriere

Hachenburg/Betzdorf. Begonnen hatte die Diskussion mit einem Eintrag auf einer regionalen Social-Media-Seite zum Thema “Giftköder“. Dort wurden Giftköder-Funde im Bereich Hachenburg gemeldet, von denen angeblich bereits mehrere Hunde betroffen seien. Udo Zimmermann, Polizeihauptkommissar bei der Polizeiinspektion Hachenburg bestätigte, dass zumindest ein Hund mit Vergiftungsanzeichen tierärztlich behandelt werden musste, allerdings lässt sich dieser Vorfall nicht zwangsläufig auf einen Giftköder zurückführen.

„Die Hundehalterin war mit ihrem Hund auf einem Wirtschaftsweg oberhalb des Krankenhauses in Hachenburg spazieren, als dieser sich los riss und einem Hasen hinterher lief. Der Hund kehrte dann nach einigen Minuten zurück und zu Hause stellte die Halterin Vergiftungserscheinungen, also Fieber und Erbrechen, fest. Der Hund wurde tierärztlich behandelt und auch der Tierarzt bestätigte, dass die Symptome auf eine Vergiftung hinweisen“, erläutert Zimmermann den Sachverhalt.

Dies belegt aber nicht, dass es sich um einen Giftköder handelt, da der Hund sich los riss und nicht beobachtet wurde, ob und was er fraß. Falls es jedoch zu einem konkreten Verdacht kommt, also wenn Spaziergänger und Hundehalter Giftköder finden, oder belegen können, dass ihr Tier diese aufgenommen haben, kann und muss natürlich Anzeige erstattet werden, denn dies ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, betont der Polizeihauptkommissar.

Udo Zimmermann geht es vor allem um eine Versachlichung der Diskussion. „Oft beobachten wir, dass Spekulationen sich im Netz viral verbreiten. Dabei ist der an sich löbliche Grundgedanke meist, andere Hundehalter zu warnen. Tatsächlich bleibt es jedoch, solange keine Köder gefunden werden, oder der Hund bei der Aufnahme derselben beobachtet werden kann, bei einer spekulativen Annahme. Vor genau dieser, die in den sozialen Netzwerken oft ungeahnte Formen annimmt und viele Hundehalter verunsichert, warnt Zimmermann. Genauso realistisch in diesem konkreten Fall ist es, dass der Hund beispielsweise Aas gefressen hat.

„Selbst wenn es sich um Rattengift oder ähnliches handelt, muss dies kein vorsätzlich ausgelegter Giftköder gewesen sein, denn auch im Garten des Nachbarn kann der Hund dieses theoretisch ohne böse Absicht aufgenommen haben“, mahnt auch die Tierklinik Betzdorf vor überspitzter Panikmache. Dort werden über das Jahr verteilt immer wieder Hunde mit Vergiftungserscheinungen eingeliefert und behandelt.

Eine Häufung der Vorfälle in der Region um Hachenburg kann die Tierklinik Betzdorf jedoch ebenfalls nicht bestätigen. Ebenso sind nicht alle Köder, die im Wald zu finden sind, automatisch Giftköder, denn auch Förster legen mitunter Köder für das Wild aus, um gegen Tollwut zu impfen. Diese sind zwar nicht für den Hund bestimmt, aber völlig ungefährlich für ihn.

Dr. Michael Köhler von der Betzdorfer Tierklinik beschreibt als Ursache für Erbrechen und Fieber bei Hunden noch zahlreiche weitere Ursachen, die in Frage kommen könnten. „Oftmals werden Hunde mit Verdacht auf Vergiftung eingeliefert, die sich aber lediglich eine Infektion eingefangen haben“, erläutert der Tierarzt. „Dennoch passiert es leider immer wieder, dass Hunde zu uns kommen, die mit Skalpellen und Rasierklingen gespickte Fleischwurst oder Fleischbällchen aufgenommen haben und sich dadurch schwerwiegende Verletzungen zugezogen haben. Da kann man dann nicht mehr von einem Zufall sprechen“, sagt Dr. Köhler. In einem solchen Fall informiert die Tierklinik jedoch sofort die zuständige Polizeiinspektion.

Sollte ein Hundehalter feststellen, dass sein Hund schlapp und teilnahmslos wirkt, die Schleimhäute blass sind und Blutungen unter der Haut zu sehen sind, wird es allerdings höchste Zeit für den Tierarzt, denn diese Symptome deuten auf eine mögliche Vergiftung hin. Bei begründeten Verdachtsfällen, also wenn sie einen Giftköder gefunden haben, oder ihren Hund bei der Aufnahme beobachten konnten, sind in jedem Fall die Polizei, sowie die zuständigen Ordnungsbehörden der richtige Ansprechpartner. (EK)

Kommentar
Wir alle, unser gesamtes Team gehen sorgfältig Hinweisen nach, wenn sich Missstände auftun, Behörden versagen oder Bürger uns mit Geschichten konfrontieren, die einer Überprüfung standhalten. Das sehen wir als Aufgabe des Lokaljournalismus an. Aber wir sind nicht dazu da, Straftaten öffentlich zu machen, die nicht bei der Polizei angezeigt werden. Diesen Hinweisgebern auch in den sozialen Netzwerken sei gesagt: Sie machen sich an solchen Straftaten mitschuldig.

Im Falle der angeblichen Giftköder im Raum Hachenburg muss noch gesagt werden, dass so eine Verbreitung im Netz als Fakt mehr als fragwürdig ist und vielleicht auch in die Hände eines Staatsanwaltes gehört. Es gibt definitv keinen Hinweis auf willkürlich ausgelegte Giftköder, dann kann man es auch nicht als Faktum melden. Vom "Hörensagen" allein die Hundehalter zu verunsichern ist schändlich. Helga Wienand-Schmidt



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