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Nachricht vom 01.06.2015    

Wieder Warnstreik bei Elco in Betzdorf

Die Mitarbeiter des Automobilzulieferers Elco kämpfen für mehr Lohn, zugesicherte Schutzbestimmungen und perspektivisch für den Einstieg in den Manteltarifvertrag. Seit Mitternacht findet deshalb ein Warnstreik statt, der auch heute andauern soll. Das aktuelle Angebot der Geschäftsführung sei „unterirdisch“, findet die IG Metall.

Mit klaren Worten motivierte der Erste Bevollmächtigte der IG-Metallverwaltungsstelle, Uwe Wallbrecher, die Elco-Mitarbeiter dazu, für ihre Forderungen einzutreten. Foto: Daniel Pirker

Betzdorf. Tonnenfeuer, warme Getränke und Männer in roten Westen, die Fahnen schwenken. In der Nacht traten Elco-Beschäftigte für ihre Rechte ein und starteten einen Warnstreik vor den Werkstoren. Fast alle der über 20 Mitarbeiter aus der Schicht legten die Arbeit nieder. Unterstützt wurden sie von Kollegen, die während ihrer Freizeit am Streik teilnahmen.

Worum geht es? Der Autozulieferer, Tochter des US-Konzerns AVX, ist nicht tarifgebunden, bis zu 18 Prozent liege der Lohn der Mitarbeiter von Elco unter dem Manteltarifvertrag der Branche, wie der Erste Bevollmächtigte der Betzdorfer Verwaltungsstelle von der IG Metall Uwe Wallbrecher am Rande des Mitternachtsstreiks erklärte. Seit einiger Zeit wird über einen Haustarif mit der Geschäftsführung von Elco verhandelt, der die Bedingungen für die Mitarbeiter zumindest angleichen soll. Im März hatte die IG Metall hier Druck gemacht und zu einem Warnstreik aufgerufen, worüber der Kurier auch berichtet hatte.

Tatsächlich gab es zuletzt am 29. Mai Verhandlungen. Zuvor hatte man sich darauf geeinigt, dass zwei Monate kein Streik stattfinden soll. Laut Wallbrecher habe die Arbeitnehmerseite versucht, während dieser Zeit Verhandlungstermine zu vereinbaren. Allerdings wurden diese immer wieder von Seiten der Geschäftsführung oder des beteiligten Arbeitgeberverbands abgesagt oder verschoben.

Tatsache ist: Die Frist ist nun abgelaufen – und ein Ergebnis, das die Verhandlungsführer der Arbeitnehmer zufriedenstellt, noch lange nicht in Sicht. Deswegen heißt es jetzt wieder: Warnstreik. Schlussendlich sollen die Elco-Mitarbeiter in einer Urabstimmung über die Verhandlungsergebnisse abstimmen. Dazu muss vorher der Gewerkschaftsvorstand erst das Okay geben, was aber als sicher zu gelten scheint. Wallbrecher machte auf jeden Fall in seiner Ansprache an die Streikenden in der Nacht deutlich: „Wenn die Geschäftsführung nichts Vernünftiges anbietet, werden wir in den unbefristeten Streik eintreten.“

Aber was heißt aus Arbeitnehmersicht in diesem Fall „vernünftig“? Immerhin betont Wallbrecher im Gespräch mit der Presse: „Einen Betrieb, der wirtschaftlich schwankt, kann ich nicht kaputt gehen lassen.“ Laut dem Bevollmächtigten sei das bei dem Betzdorfer Autozulieferer aber nicht der Fall, denn die Umsatzrenditen bewegten sich auf „Porsche-Niveau“. Insgesamt wolle man mit Augenmaß und nötigem Ernst verhandeln, stellt er auch in der Ansprache an die streikenden Kollegen klar.
Mit dem aktuellen Angebot der Elco-Geschäftsleitung könne sich die Arbeitnehmerseite auf jeden Fall nicht zufrieden geben, das sei „unterirdisch“. In die Verhandlungen sei die Gewerkschaft denn auch mit der Forderung nach den kompletten Konditionen des jüngsten Tarifvertrags gegangen, damit man nicht mit „Almosen“ als Angebot von der Gegenseite abgespeist werde.

Das Angebot der Arbeitgeberseite lautete schließlich für die Mitarbeiter von Elco: Über drei Jahre hinweg die Lohnerhöhung, wie sie der jeweilige Tarifabschluss vorsieht, plus insgesamt 1,5 Prozent, also in der Lesart von Wallbrecher 0,5 Prozent pro Jahr zusätzlich. Außerdem wurden für zwei Monate Einmalzahlungen in Aussicht gestellt. Für Wallbrecher sei zwar klar, dass die Entgeltlücke von bis zu 18 Prozent nicht in kürzester Zeit geschlossen werden könne – aber mit diesem Angebot wollte man sich dann definitiv nicht zufriedengeben. Hinzu kommt, dass nach dem Willen der Geschäftsführung, die Schutzbestimmungen, wie sie ein Manteltarifvertrag beinhaltet, erst nach drei Jahren verhandelt hätten werden sollen, so zumindest Wallbrecher in seiner Ansprache und gegenüber den Pressevertretern.

Konkret geht es hier um Kündigungsfristen und die Verdienstsicherung von älteren Arbeitnehmern, die unbefristete Übernahme von Auszubildenden, Arbeitnehmerqualifizierung, Urlaubsregelungen oder Weihnachtsgeld – alles sensible Punkte für die Gewerkschaft, wie Wallbrecher in seiner Rede herausstellte: „Wir wollen nicht nur das Entgelt auf die richtige Linie bringen, sondern wir wollen unsere Arbeitsverhältnisse verdammt nochmal auch geschützt haben!“ Nichts Unverschämtes werde gefordert, unterstrich auch der Zweite Bevollmächtige Bruno Köhler in seiner Rede an die Kollegen. Und der Betriebsratsvorsitzende Rüdiger Peter erklärte: „Wir wollen nur das, was uns zusteht.“

Spannend ist, wie die Geschäftsleitung von Elco zu den Arbeitnehmerforderungen und dem Streik steht. Um eine ausgewogene Berichterstattung zu bieten, führte der Kurier ein Gespräch mit der Geschäftsführerin des Betriebs. Der Artikel darüber ist hier zu lesen. (ddp)


Info:
Ein ausführliches Firmenporträt von Elco gibt es hier in einem Artikel über eine Betriebsbesichtigung, an der unter anderem Betzdorfs Bürgermeister Bernd Brato und Landrat Michael Lieber teilgenommen hatten.


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