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Nachricht vom 07.07.2015 - 13:44 Uhr    

Die Vierte Industrielle Revolution meistern

Einen Besucherrekord erlebte der diesjährige Wirtschaftsempfang, der dieses Mal bei der Group Schumacher in Eichelhardt stattfand. Im Vordergrund standen die Herausforderungen und Chancen des digitalen Wandels. Aber auch das klassische Dauerthema für den Kreis Altenkirchen, die Straßenverkehrsanbindung, kam nicht zu kurz.

Experte Johann Hofmann erklärte den Gästen, was es mit der Vierten Industriellen Revolution auf sich hat. Zu dem Wirtschaftsempfang eingeladen hatten die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises, die IHK Koblenz,Regionalgeschäftsstelle Altenkirchen, die Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald sowie die Wirtschaftsjunioren Sieg-Westerwald. Fotos: Daniel Pirker

Eichelhardt. Ob es am Hauptthema lag? Rund 400 Gäste zog der diesjährige Wirtschaftsempfang in und um die Werkshallen der Group Schumacher in Eichelhardt an – Besucherrekord. Im Vordergrund der Redebeiträge standen die Herausforderungen und Chancen des digitalen Wandels und die Verkehrsanbindung der Region.
An Johann Hofmann von der bayrischen Maschinenfabrik Reinhausen lag es, dem Publikum die Vierte Industrielle Revolution vorzustellen, den nächsten Schritt der Fertigung nach der Mechanisierung mit Dampfkraft, der Massenfertigung mittels Fließbändern und schließlich der Digitalisierung und Automatisierung. Die Maschinenfabrik, bei der Hofmann als Ingenieur beschäftigt ist, zählt selbst zu den Vorreitern in Sachen Industrie 4.0.

Letztlich müsse das Ziel die digitale und intelligente Fabrik sein, in der alle Abläufe effektiv miteinander vernetzt sind, erklärte der Experte in seinem dynamischen Vortrag, der ohne Manuskript auskam. Das Problem bei dieser Umstellung: mehr Schnittstellen und andauernde Dateneinpflege – insgesamt nehme die Komplexität der Fertigung immer weiter zu. Die Lösung laut Hofmann: künstliche Assistenten, also zum Beispiel Webserver, die Abläufe zentral steuern. Im Alltag zählen Navigationssysteme für das Auto oder Bremsassistenten zu solchen „Vereinfachern“.

Insgesamt zählte Hofmann noch elf weitere Trends zur Industrie 4.0. auf. Bereichsübergreifende Arbeiten zum Beispiel, was entsprechende Qualifikationen der Mitarbeiter voraussetzt. Der Beruf des Mechatronikers sei eine Folge dieser „Interdisziplinarität“. Auch soziale Medien machten die Vierte Industrielle Revolution aus. Allerdings meint Hofmann damit nicht unbedingt Facebook und Co.: „Bei uns chatten die Maschinen mit dem Gabelstapler.“ Zentral seien auch das Internet der Dinge und Dienste. Damit ist beispielsweise ein Toaster gemeint, der mit dem Internet verbunden ist. Oder auch Autos, die Daten sammeln und gesammelt senden, so dass Rückschlüsse über das Wetter in einer bestimmten Region gefasst werden können.

Das ist nur eine Auswahl der Begriffe, die Hofmann unter Industrie 4.0 zusammenfasst. Klar sei für ihn auf jeden Fall: „Jeder muss sich aus dieser Wunderkiste das herausnehmen, was passt.“
Sich vor der Vierten Industriellen Revolution zu drücken als Geschäftsführer sei zumindest keine Option. Noch vermisst Hofmann den Mut der Unternehmer, den Wandel anzupacken. Nur was bedeutet es für die Arbeitnehmer, wenn die Industrie 4.0 tatsächlich immer mehr Realität wird? Beispiele Hofmanns von Taxis ohne Fahrer gaben eher Anlass zu glauben, dass Arbeitsplätze abgebaut werden. Zumindest in seinem Unternehmen, so der Experte, sei dies nicht der Fall gewesen – im Gegenteil: man habe sogar mehr Mitarbeiter eingestellt. Womit allerdings zu rechnen sei ist eine Verlagerung der Beschäftigungsbereiche – eine Umwälzung der Arbeitswelt, die natürlich schon längst begonnen hat, wie im Vortrag von Fred Schumacher zuvor deutlich wurde. Der Geschäftsführer der gastgebenden Group Schumacher stellte die Geschichte seines Unternehmens dar, von dem Landwirtschaftsbetrieb des Gustav Schumacher über den innovativen Hersteller von Ährenhebern in Mähdreschern zur heutigen weltweit agierenden Unternehmensgruppe, die als Spezialist rund um Mähmaschinen gilt.

Die Unternehmensgruppe hat selbstverständlich auch viele Umwälzungen erleben müssen. Und das hat sich auf die Mitarbeiter, mittlerweile weltweit rund 450 an sechs Standorten, ausgewirkt. So habe man noch vor acht Jahren keine Roboter in der Fertigung betrieben, erklärte Schumacher. Mittlerweile hätten sie aber Mitarbeiter teils ersetzt – allerdings ohne die menschlichen Arbeitskräfte zu verdrängen. Stattdessen programmierten jetzt frühere Fertigungsmitarbeiter die Maschinen. Das scheint ein Beispiel zu sein, wie die Unternehmensgruppe den Wandel gestaltet, ganz nach dem Motto von Fred Schumacher: „Nicht den Kopf verlieren, sondern Chancen suchen.“ Immerhin würden bei mittelständischen Betrieben Probleme nicht dadurch gelöst, dass man einfach die Manager rausschmeiße, wie es bei großen Unternehmen der Fall sei.

Um seine Unternehmensgruppe, die in Eichelhardt 170 Mitarbeiter beschäftigt, macht sich Schumacher auf jeden Fall keine Sorgen. Solange die Weltbevölkerung wachse und damit auch der Ernährungsbedarf entsprechend steige, würden seine Produkte weiterhin nachgefragt werden.
Was Schumacher allerdings umtreibt ist die staatliche „Regulierungswut“, die Unternehmern das Leben schwer macht. Ebenso sehr sorgt er sich um die Attraktivität der Region als Industriestandort. Hier sei die Infrastruktur wesentlich – ein Thema, das Schumachers Vorredner, der Vorsitzende des regionalen IHK-Beirats Dr. Ulrich Bernhardt, zum Schwerpunkt seiner Rede machte.

Und Infrastruktur bedeutet heutzutage bei weitem nicht nur den Erhalt und Bau von Straßen. Will man die Vierte Industrielle Revolution erfolgreich im Kreis Altenkirchen meistern, ist schnelles Internet geradezu überlebenswichtig – oder wie es der Experte Hofmann auf Nachfrage des Moderators Bernd Brüggemann mit ironischem Understatement ausdrückte: Ohne flotte Datenanschlüsse werde es „mühsam.“
Bernhardt brachte es auf den Punkt: Wer die Industrie 4.0 nicht nur erleiden wolle, sondern mitgestalten wolle, brauche zwingend moderne weltweite Kommunikation und Datenaustausch, was wiederum entsprechende Breitbandverbindungen voraussetzt. Hier wisse man die Ausbau-Bemühungen des Kreises durchaus zu schätzen, sagte der Geschäftsführer der Westerwälder Eisenwerke aus Weitefeld.

Gleichzeitig machte er die Dringlichkeit des Ausbaus der Internetgeschwindigkeit deutlich. Ohne Breitband zögen Menschen weg, verlören Gebäude an Wert und verließen Unternehmen die Gemeinden – kurz: „Die Regionen sterben aus.“
Auch auf das zweite Sorgenkind der hiesigen Unternehmer lenkte Bernhardt den Blick: die Straßen. 2012 hatte man hier die Kampagne „Anschluss Zukunft“ ins Leben gerufen, um bei der Politik Druck zu machen. Erste Erfolge seien mittlerweile sichtbar, betonte er. So seien im Bundesverkehrswegeplan nun der Ausbau der B 8, der B 62 und der B 414 aufgenommen worden.
Bernhardt wertete diese Maßnahmen aber eben nicht nur als Erfolge, sondern auch als erste Schritte und „Tropfen auf dem heißen Stein“.

Die Gespräche, die laut Bernhardt mit der Politik in den vergangenen Monaten hierzu geführt worden sind, werden sicher noch lange kein Ende finden. Gelegenheit diese im ungezwungenen Rahmen fortzuführen gab es an diesem Abend noch zur Genüge. Immerhin waren neben den zahlreichen Firmenvertretern auch einige Politiker vor Ort, allen voran Landesministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Landrat Michael Lieber, die heimischen Abgeordneten und verschiedene Bürgermeister. Nach dem offiziellen Veranstaltungsteil verteilten sich die Gäste in und um die Werkshallen, um bei Häppchen und kühlen Getränken den Abend ausklingen zu lassen.

Musikalisch wurde die Veranstaltung umrahmt von der Sopranistin Florentine Schumacher, einer Tochter der gastgebenden Unternehmensfamilie, und dem MGV Liederkranz 1921 Eichelhardt. Das Schlusswort übernahm der Kreishandwerksmeister Hans-Peter Vierschilling. (ddp)

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