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Nachricht vom 05.09.2015    

Studienpreis geht an zwei „Schadensabwender"

Er soll die Bindungen des AK-Landes zur Uni Siegen hervorheben und besondere akademische Leistungen würdigen: der Studienpreis des Kreises. Nun wurde er wieder an zwei Absolventen verliehen. Die Ergebnisse ihrer Abschlussarbeiten können Firmen vor großen Schäden bewahren.

An sie geht dieses Jahr der Studienpreis (Mitte, mit Urkunde): Dr. Alexander Eufinger und Christian Weber. Mit den beiden freuen sich vor dem Breidenbacher Hof in Betzdorf (v.l.) Landrat Michael Lieber, Dr. Andreas Reingen und Prorektor Professor Dr. Peter Haring Bolivar von der Uni Siegen. Drinnen warten die Familien der Preisträger sowie weitere Funktionsträger wie Betzdorfs Bürgermeister Bernd Brato. Foto: Daniel Pirker

Betzdorf/ Kreis Altenkirchen. Möchte man den diesjährigen Studienpreis des Kreis Altenkirchen, der Sparkasse Westerwald-Sieg und der Universität Siegen in einer Zahl zusammenfassen, so kommt man auf 1000. Denn mit je 1000 Euro wurden die beiden Preisträger, Dr. Alexander Eufinger und Christian Weber, jeweils für ihre Abschlussarbeiten ausgezeichnet. Außerdem studieren mittlerweile über 1000 junge Menschen aus dem Kreis Altenkirchen an der Universität Siegen. Was beides mit dem von der Sparkasse gestifteten Studienpreis zu tun hat, der nun schon zum elften Mal verliehen wurde?

Auf der einen Seite soll er herausragende akademische Leistungen von Absolventen der nahe gelegenen Uni würdigen. Gleichzeitig will der Preis die Bindungen hervorheben zwischen den Menschen und Firmen aus dem Kreis Altenkirchen. Daneben ist er eine Art Symbol für die verschiedenen Kooperationen zwischen Kreis und Uni. Eines von diversen Beispielen ist hier die Technologietransferagentur mit Sitz in Kirchen.

Dr. Andreas Reingen von der Sparkasse Westerwald-Sieg, Prorektor Peter Haring Bolivar und vor allem Landrat Michael Lieber konkretisierten die Idee hinter der jährlichen Würdigung. So stehe jeder einzelne der mittlerweile 1162 Studierenden für die enge Beziehung zwischen Uni und AK-Region. Das gleiche gelte ebenfalls für die verschiedenen Kooperationen. Sie hätten ein für die Zukunft des Kreises herausragendes Ziel, nämlich die Sicherung der Fachkräfte: „Der Kampf der Firmen und Regionen um die besten Köpfe ist längst entflammt.“

Und zu diesen „besten Köpfen“ gehören zweifelsohne die diesjährigen Preisträger Eufinger und Weber. Und beide könnten unterschiedlicher nicht sein, was sich nicht nur in ihren akademischen Ausrichtungen oder der Art ihrer Vorträge, in denen sie die Themen ihrer Arbeiten vorstellten, zeigte. Auch ihre Lebensläufe trennt die beiden.

Während Eufinger den direkten Weg zur Hochschulreife am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium ging, erlangte sie Weber am Berufskolleg in Siegen mit Zwischenstation an der Geschwister-Scholl-Realschule. Was beide eint ist die Heimat: Eufinger ist Spross der Familie hinter dem gleichnamigen Betzdorfer Modehaus und Weber ist in Bruche und Scheuerfeld aufgewachsen. Eine weitere Gemeinsamkeit ist natürlich die herausragende akademische Leistung.

Eufinger wurde diesmal für seine Dissertation ausgezeichnet. Diesmal? Tatsächlich hatte der Wirtschaftsjurist 2012 schon einmal den Studienpreis erhalten, damals noch für seine Diplomarbeit. Sein Promotionsthema lautete „Kartellrechtliche Compliance im Bankensektor". Sicher, für den Laien ein sperriger Titel für eine wissenschaftliche Arbeit – die der 32jährige den Zuhörern aber durchaus lebensnah erklären konnte.

Immerhin sind die verschiedenen Skandale um Preisabsprachen verschiedener Konzerne bekannt. Beispiel: das „Bierkartell“, bestehend aus deutschen Brauereien, die über Jahre hinweg Preiserhöhungen miteinander abstimmten. Ihr Auffliegen hatte zu einem Verfahren des Bundeskartellamts geführt an dessen Ende Strafen in dreistelligen Millionenbeträgen standen. In seiner Dissertation zeigt Eufinger Wege auf, wie innerhalb von Unternehmen mögliche Kartelle frühzeitig aufgedeckt oder vermieden werden können, und zwar auf Basis der Gesetzeslage und vergangener Urteile. Damit können sich Konzerne vorbeugend vor Strafzahlungen indirekt schützen. Von den vermiedenen Schäden für die Verbraucher ganz zu schweigen.



Tatsächlich verfolgte Weber, der andere Preisträger, einen ähnlichen Ansatz in seiner Diplom-Arbeit, wie in seinem Vortrag deutlich wurde. Auch hier geht es darum, Schäden frühzeitig für ein Unternehmen abzuwenden. Das Anwendungsgebiet ist dann aber doch ein ganz anderes, entsprechend des Studiengangs des Preisträgers: Informatik im Anwendungsfach Elektrotechnik. Das Thema der Diplomarbeit des 33jährigen lautete „Agiles Mining in der Hochtechnologie-Industrie: Eine Lösung für das Detektieren und Korrelieren von Fehlern in datengetriebenen Umgebungen“. Wieder ein sperriger Titel, hinter dem praktische Lösungsansätze stehen.

Diesmal geht es darum, in Produktionsprozessen den Maschinen beizubringen, Fehlerquellen ausfindig zu machen und zu isolieren. Sie sollen in den Worten Webers zum „Detektiv“ werden.

Dazu hat er eine flexible Software geschaffen, die gerade für kleine und mittelständische Unternehmen attraktiv ist, wie Prorektor Bolivar ein seiner Laudatio hervorhob. Mit Webers Software können Firmen ebenfalls vor hohen finanziellen Schäden bewahrt werden. Denn wenn die Fehler nicht gefunden würden, stelle das eine Katastrophe für die Unternehmen dar, sagte der Informatiker. Immerhin würden nicht nur die Autos komplizierter, sondern auch deren Produktion. Der Ausgezeichnete arbeite für die Erstellung des Programms mit einem Hersteller für Chips und Systemen zusammen, die für die Gestensteuerung im neuen Golfwagen zum Einsatz kommen. Ein greifbares Beispiel für Webers Arbeit. Der Informatiker selbst betonte in seinem Vortrag um welch komplizierte Materie es sich bei seiner Forschung handelt. Was nicht kompliziert ist: Webers Prägung, die er herausstellte. Sie ist eindeutig auf seine Familie, seine Lehrer und die Heimat generell zurückzuführen.

Auf der anderen Seite hat es sowohl den Informatiker als auch Eufinger mittlerweile über die Kreisgrenzen geführt. Im Falle Weber sogar recht weit, nämlich nach Ungarn, wo er zurzeit promoviert. Eufinger hat der Beruf nach Frankfurt gezogen, mit Zwischenstation in Stuttgart. Die beiden „besten Köpfe“ sind für die Region dadurch aber nicht unbedingt gänzlich verloren. So plant Weber, zur Uni Siegen zurückzukehren. Und Eufinger bleibt ihr zumindest als Lehrbeauftragter am Lehrstuhl seines Doktorvaters erhalten. (ddp)


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