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Politik | - keine Angabe -


Nachricht vom 23.09.2015 - 15:04 Uhr    

CDU will Schreiben nach Gehör abschaffen

Die Christdemokraten wollen zurück zum Bewährten: Sie fordern, so der Parteitagsbeschluss der Landes-CDU vom vergangenen Wochenende, „den Schrifterwerb durch das Lernen nach Rechtschreibregeln in Rheinland-Pfalz wieder allgemein verbindlich für die Grundschulen zu machen.“

Kreis Altenkirchen. „Schreip widu schbrichst“, „Butaprod“, „Kruntchule“. So oder ähnlich kann das Ergebnis in Grundschulen aussehen, wenn die Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klassen das Schreiben nach Gehör erlernen, ein reformpädagogischer Ansatz, gestützt auf so genannte Anlauttabellen, auf denen jedem Laut ein Bild zugeordnet ist. Auf ihrem Landesparteitag im pfälzischen Frankenthal hat sich die CDU hierzu eindeutig positioniert. Die Christdemokraten wollen zurück zum Bewährten: Sie fordern, so der Parteitagsbeschluss, „den Schrifterwerb durch das Lernen nach Rechtschreibregeln in Rheinland-Pfalz wieder allgemein verbindlich für die Grundschulen zu machen.“

Derzeit werde das Schreiben nach Gehör an über 900 Grundschulen im Land bis zur zweiten Klasse praktiziert. Lehrer und Eltern werden hierbei angehalten, die Texte nicht zu korrigieren. „Dabei entsteht eine Rechtschreibung, die in den allermeisten Fällen konträr zur gültigen Rechtschreibung steht“, so CDU-Kreisvorsitzender Dr. Josef Rosenbauer. Die Kreis-CDU unterstütze daher die Linie des Parteitages, die Delegierten aus dem Kreis hätten dem Beschluss zugestimmt. „Viele Eltern stehen der Entwicklung hilflos gegenüber, sie haben keine Mitsprache und werden nicht zu Rate gezogen“, so die Erfahrung der CDU-MdLs Dr. Peter Enders und Michael Wäschenbach. Sie wollen die Schuld aber nicht bei den Lehrern abladen, sondern die Lernmethode auf Eis legen.

Die Unionspolitiker verweisen unter anderem auf eine Langzeitstudie von Wolfgang Steinig, Germanistikprofessor an der Universität Siegen: Für ihn sei das Schreiben nach Gehör lediglich eine erste Schreiberfahrung für Kinder, die aber lernen müssten, dass Rechtschreibung tatsächlich unter Regeln erfolge. Diese Methode gehöre daher in den vorschulischen Kindergartenbereich, aber nicht in die Schule selbst. „In Hamburg“, so Rosenbauer, „wurde die Methode schon 2013 aufgrund der schlechten Erfahrungen aus der Liste der potenziellen Unterrichtsmodelle gestrichen.“ Und in Nordrhein-Westfalen habe eine entsprechende Online-Petition Anfang September 4.600 Unterschriften erzielt. In der letzten Woche habe eine Mutter aus dem westfälischen Iserlohn das Schreiben nach Gehör zum Thema über Facebook gemacht - und einen Nerv getroffen: Von fast 18.000 Nutzern gab es Zustimmung, außerdem fast 2.000 Kommentare in ihrem Sinne.

Außerdem: Um mit der Anlauttabelle Wörter bilden zu können, bedarf es eines korrekten Hochdeutschs. Kinder mit starkem Dialekt oder mit Migrationshintergrund sieht die Union hier im Nachteil. „Gerade für lernschwächere Kinder besteht die Gefahr, dass sie abgehängt werden. Eingeübte Fehler wieder auszumerzen, macht die Sache nicht leichter, sondern schwerer. Wenn die Kinder zwei Jahre lang nur nach Gehör schreiben und keinerlei Rechtschreibregeln lernen und sich dann von jetzt auf gleich umstellen müssen und korrigiert werden, kann das nur zu Frustration führen“, warnen Enders und Wäschenbach. Spätestens im dritten Schuljahr beginne die Misere: Wörter, die sich falsch eingeprägt haben, sind über Jahre kaum mehr in die korrekte Form zu bringen. „Die Rechtschreibung nach Regeln vermittelt Kernkompetenzen für das ganze Leben, sie ist ein Kulturgut, das man nicht dem Zufall überlassen darf“, so die Forderung der heimischen CDU-Politiker. (as)


Kommentare zu: CDU will Schreiben nach Gehör abschaffen

9 Kommentare

Nur an 16 Grundschulen? Hier irrt Herr Wehner - oder führt bewusst in die Irre: In einer Antwort auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion erläutert Staatsministerin Reis unmissverständlich: "Im Schuljahr 2014/2015 arbeiteten in der ersten Klassenstufe 946 und in der zweiten Klassenstufe 932 Grundschulen mit Elementen des lautorientierten Schreibens." (siehe dazu insbes. Punkt 8./9. in der vollständigen Antwort des Ministeriums unter http://www.landtag.rlp.de/landtag/drucksachen/5449-16.pdf)
#9 von Maxima Riege , am 28.09.2015 um 23:09 Uhr
Liba Här Wener, wisi seen schraibe isch naj tzwai Jarn mit Anlautabälle chohn sär ochdendlisch. Äs isst hald nuhr sär schwierik, di Bujstabn am Kombuta zu mahlen. Das klabbd auv Papir halt bässa. Isch freue mij chon risik auv das nexte Schulja. Waitahin fihl Ärfolk vür Si! Ire Juhle (8 Jare, an Papaas Rächna)
#8 von Jule Schmidt, am 27.09.2015 um 18:03 Uhr
Ausweislich der Homepage des rheinland-pfälzischen Landtages (www.landtag.rlp.de) ist Herr Wehner diplomierter Mathematiker. Insofern verfügt er über eine wissenschaftliche Grundausbildung in seiner Profession, in der es jahrtausendealte Regeln und Lehrsätze gibt. Wie würde er wohl reagieren, wenn der Mathematikunterricht dereinst so ablaufen würde, dass bei den Grundrechenarten für die Addition von "Vier plus Fünf" alle Ergebnisse von "Sieben bis Elf" akzeptiert würden?! "Ungefähr" stimmt das ja dann, die Feinheiten kommen irgendwann später ...
#7 von Mirko Czentovic, am 26.09.2015 um 11:45 Uhr
Zunächst möchte ich so reflexartig wie Herr Wehner jeden Nicht-SPD-Artikel als Wahlkampf-Aktion abstempelt (egal ob oder ob nicht demnächst gewählt wird) eben diesen Reflex als nicht sachdienlich abstempeln.

Aber zur Sache: Nichts ist in Deutschland so träge wie die Bildungspolitik. Die Idee zum Schreiben nach Gehör stammt aus den frühen 70er Jahren, erst später mit den Reformpädagogen wurde sie ernsthaft diskutiert. Noch später dann als Empfehlung ausgesprochen. Dass sowohl die Idee als auch die Umsetzung aus einer Zeit stammt , in der noch so viel mehr gelesen wurde ist wohl die Krux an der Geschichte. Wenn ich ein Wort lesen kann, es erkenne und dann in meinem Gedächtnis korrigieren kann, dann ist das hervorragend und gut. Aber welcher Schüler liest heute in seiner Freizeit noch so viele Bücher wie die Generationen zuvor? Eine gesellschaftliche Entwicklung, die das Schreiben nach Gehör zu einem fatalen Instrument macht! Und deshalb Herr Wehner, gehört das Konzept abgeschafft!
#6 von Ottmar Walter, am 26.09.2015 um 09:01 Uhr
Generell bin ich der Meinung, dass Lerntheorien besser an Hochschule diskutiert werden sollten und nicht von Politikern.
Für Herrn Wehner noch ein Link zum lesen: http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/98091072
#5 von Andreas, am 26.09.2015 um 09:01 Uhr
Wie gut, dass Herr Wehner keine Kinder mehr im Grundschulalter hat! Er würde die Welt anders sehen, wenn seine Kinder noch im dritten Schuljahr Buchstaben malen statt tatsächlich zu schreiben! Zudem ist er ja ausgewiesener Bildungsexperte und verfügt über einschlägige Berufsabschlüsse, die es ihm möglich machen, die didaktischen Ansätze ideologiefrei zu beurteilen ... Selbst wenn das so genannte "Schreiben nach Gehör" einzelnen Kindernd das Schreiben erleichtern sollte, so haben sie doch in den Folgejahren bis weit in die weiterführenden Schulen Probleme mit der Rechtschreibung.
#4 von Maxima Riege, am 25.09.2015 um 15:12 Uhr
Für die Forderung der CDU nach einer Abschaffung des lautorientierten Schreibens an rheinland-pfälzischen Grundschulen gibt es keine nachvollziehbare Begründung. Offenbar versuchen die Christdemokraten im Land mit Blick auf die Landtagswahl im März 2016 sich krampfhaft bildungspolitisch zu profilieren. Dabei kommen solch kuriose Parteitagsbeschlüsse zu methodischen Lernansätzen im Grundschulunterricht zustande.
Bei dem lautorientierten Schreiben, auch als „Schreiben nach Gehör“ bezeichnet, erlernen Schüler der ersten und zweiten Klassen mit Hilfe einer Kombination aus Buchstabentabellen und Bildern selbstständig Wörter zu lesen und kleinere Texte zu schreiben. Dabei steht zunächst die korrekte Rechtschreibung nicht im Vordergrund. Diese wird in den folgenden Schuljahren mit Hilfe der erlernten Rechtschreibregeln kontinuierlich aufgebaut.
Dieser methodische Lernansatz trägt dem pädagogischen Auftrag der Schulen zur individuellen Förderung Rechnung. Im Übrigen folgt die Landesregierung damit einer von allen Ländern einstimmig beschlossenen Empfehlung der Kultusministerkonferenz.
Ob und mit welcher Intensität eine solche Methode bei einzelnen Kindern sinnvoll zum Einsatz kommt, entscheidet allein die Lehrkraft. Lediglich an 16 von landesweit 969 Grundschulen wird aktuell im Anfangsunterricht ausschließlich mit Anlauttabellen gearbeitet. Für die Behauptung der Kritiker, dass schlechte Rechtschreibleistungen bei Schülern auf dieses Konzept zurückgehen, fehlt jeglicher Beweis.
#3 von Thorsten Wehner, MdL, am 25.09.2015 um 13:28 Uhr
Ja, bitte abschaffen!
#2 von Melanie, am 24.09.2015 um 09:51 Uhr
Ich schließe mich dieser Forderung an, das Schreiben nach Gehör abzuschaffen.
Liest man die Wörter, die so geschrieben wurden, dann muss man am Verstand derer zweifeln, die solches als sinnvoll erachten.
Die Grundschule muss Basiswissen vermitteln, dazu gehört auch und in besonderem Maße die Fähigkeit, sich korrekt in der deutschen Sprache auszudrücken, mündlich wie auch schriftlich.
#1 von Bernhard Dinges, am 23.09.2015 um 22:17 Uhr

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