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Nachricht vom 26.09.2015    

Windkraft erhitzte die Gemüter in Nauroth

Zu Vorträgen über die Wirtschaftlichkeit sowie die medizinischen Folgen der Windkraft waren zahlreiche Interessierte nach Nauroth gekommen. Neben den überwiegend kritischen Gästen waren jedoch auch einige Befürworter der Einladung gefolgt.

Über 250 Personen interessierten sich für die Folgen geplanter Windkraftanlagen.
Fotos: pr

Nauroth. Zur Informationsveranstaltung "Mögliche Folgen geplanter Windkraftanlagen" platzte das Naurother Bürgerhaus am Freitagabend aus allen Nähten. Gleich mehrere Bürgerinitiativen und Interessengemeinschaften hatten sich zu dieser Veranstaltung zusammengeschlossen – und offenbar den Nerv zahlreicher Einwohner getroffen. Mehr als 250 Personen waren gekommen, um den Vorträgen der Gastredner zu lauschen.

Nach der Begrüßung stellte Dr. Julia Uwira (IG "Farbe für Neunkhausen") kurz die geplanten Flächen auf Karten der Region vor. Anschließend ergriff Dr.-Ing. Detlef Ahlborn das Wort. Der 2. Vorsitzende der "Vernunftkraft" (Bundesinitiative für vernünftige Energiepolitik) veranschaulichte anhand einer Präsentation zahlreiche Schwerpunkte. Die Herkunft des Stroms sei in großen Teilen der Braun- und Steinkohle zuzuordnen, nur ein verschwindend geringer Teil der Windenergie, wie Ahlborn verdeutlichte: "Die Energiewende ist ein Etikettenschwindel, die Deutschen neigen zu Luftschlössern!" Ein Verlass auf die Windenergie sei unmöglich, ohne die aktuellen Stromversorger sei eine zuverlässige Versorgung nicht tragbar. "Wer Ihnen etwas anderes erzählt, der hat es entweder nicht verstanden oder er will sie betrügen", so Alhborn. Die Verfügbarkeit von Windenergie sei stark von Zufällen geprägt, ebenso wie die der Solarenergie, und leiste damit keinen Beitrag zur sicheren Stromversorgung.

Kritische Worte fand er auch zur geplanten Strom-Trasse durch Deutschland: Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigte sich, dass überall zur gleichen Zeit Leistungsspitzen auftraten und ebenfalls zur gleichen Zeit die Produktion nahezu bei Null lag. Für große Zustimmung sorgte auch die Visualisierung des tatsächlichen Ertrags einer Windkraftanlage. An 100 Tagen im Jahr liege die Leistung unter 120kW und auch im restlichen Jahr seien am häufigsten niedrige Leistungen von unter 700kW zu beobachten, schilderte Detlef Ahlborn. Auch das PowerToGas-Verfahren sei mit rund 70% Verlust keine Alternative. "Diese Art von Energie ist ohne Speicher nicht machbar und mit Speicher nicht bezahlbar", schloss Ahlborn seinen Vortrag unter dem Applaus der Zuschauer.

"Was auf Sie zukommt, ist schon heftig – ich würde da nicht wohnen wollen", begann Dr. med. Joachim Ullrich (BI Siegtal) seine Ansprache. Besonders die Gefahren durch den Infraschall seien nicht zu unterschätzen. "Wir müssen uns von Illusionen und Mythen befreien", so Ullrich. Die Menschen spielten im Planungsverfahren derartiger Windkraftanlagen nur eine untergeordnete Rolle, das im Grundgesetz verankerte Recht auf körperliche Unversehrtheit werde vielfach unbeachtet gelassen. Er schilderte anhand einer Grafik u. a. die unterschiedlichen Empfindungen des Lärms, je nach Situation, zeitlichem Verlauf, Einwirkdauer und Frequenz. Die Langzeitfolgen durch Infraschall seien leider noch nicht hinreichend erforscht – man wisse jedoch, dass die Menschen in der Nähe von Windkraftanlagen über diverse gesundheitliche Belastungen wie Schlafstörungen, Depressionen etc. klagen, berichtete Ullrich.

Anschließend lud Dr. Julia Uwira zur Diskussion und Fragestellung an die beiden Gastredner ein. Eine Möglichkeit, die jedoch nicht nur von Windkraftkritikern rege genutzt wurde. Auch einige Befürworter waren erschienen und vertraten ihre Ansichten. Eine bereits genehmigte Anlage mit genossenschaftlichen Beteiligungen in der Region soll höher werden als die bisherigen – und damit effizienter und geräuschärmer.

"Es kann doch nicht sein, dass der Betreiber sagt "Weisen Sie mir erst einmal nach, dass die Anlage Infraschall verursacht" – Sie müssen nachweisen, dass sie keinen verursacht", so Dr. Ullrich unter dem zustimmenden Applaus der Gäste. Vertreter weiterer Bürgerinitiativen meldeten sich zu Wort, ebenso wie eine Fraktionssprecherin des Bündnis 90 – Die Grünen und weitere Bürger aus den umliegenden Dörfern. Nach fast drei Stunden endete die Informationsveranstaltung und bot anschließend im Foyer des Bürgerhauses noch reichlich Raum für Gesprächsstoff.

Veranstalter war die Regionalgruppe Nördlicher Westerwald im Bündnis Energiewende für Mensch und Natur e. V. Hierzu hatten sich bereits im September 2014 die "Bürgerinitiative Elkenroth – Nauroth – Rosenheim – Gemeinsam gegen ortsnahe Windräder" sowie die Interessengemeinschaften "Farbe für Mörlen" und "Farbe für Neunkhausen" formiert.

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Leserbrief als PDF von Peter Pflaum, Giesenhausen -> hier.

Leserbrief als PDF von Marion Pfeiffer, Bündnis 90/Die Grünen, Betzdorf -> hier.

Leserbrief als PDF von Markus Mann, Langenbach -> hier.

Leserbrief als PDF von Dr. Olaf Uwira, Neunkhausen -> hier.


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Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
     


Kommentare zu: Windkraft erhitzte die Gemüter in Nauroth

3 Kommentare
"Sie müssen nachweisen, dass sie keinen verursacht, so Dr. Ullrich unter dem zustimmenden Applaus der Gäste." Dies offenbart, dass leider auch ein akademischer Titel nicht davor schützt ein grundsätzliches wissenschaftslogisches Problem zu übersehen: Man kann nicht beweisen, dass etwas nicht ist = Problem der Nullhypothesentestung

#3 von Andreas Weller, am 26.09.2015 um 22:11 Uhr
Mal zur aktuellen Faktenlage:

Mehrere Gerichtsurteile bestätigen, dass nach heutigem Stand der Wissenschaft WEA keine schädlichen Infraschallwirkungen bei Menschen hervorrufen werden (z.B. VG Würzburg, Urteil vom 07.06.2011, AZ W 4 K 10.754). Negative Auswirkungen sind auch nach derzeitigem internationalen Kenntnisstand nicht plausibel (u.a. Health Canada, Wind Turbine Noise and Health Study, 2014; Faktenpapier Windenergie und Infraschall, Hess. Ministerium für Wirtschaft und Energie, 2015)


#2 von Marvin Schnell, am 26.09.2015 um 20:16 Uhr
Ist schon komisch das Volk auf der Höhe. Müll wollten die nicht, Industrie wollen die nicht. Und nun Windenergie wollen die wieder nicht. Oh man, ist doch logisch, hoch oben kann der Wind nun mal nur genutzt werden. Im Tal bringt das nichts.

Ich weiß ja nicht, Lack und Farbe sind gesundheitsschädlich, rauchen Krebserregend, trinken gibt Leberzirose usw usw. Ich glaube das alles wird droben mehr oder weniger alles gemacht. Aber mal Umweltschutz und regerativen Strom zu erzeugen wollen die nicht.


Ätzend sowas. Hauptsache man macht Veranstaltungen und zeigt wie scheisse alles ist. Also ich bin dafür. Ohne wenn und aber.
#1 von Max Schmidt , am 26.09.2015 um 19:38 Uhr

Westerwälder Online-Schaufenster


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