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Nachricht vom 05.11.2015    

Faurecia-Belegschaft baut Druck auf

Nach dem Willen der Konzernführung müsste die Faurecia-Belegschaft einen hohen Preis für die Standortsicherung in Scheuerfeld zahlen. Allerdings scheint das letzte Wort noch längst nicht gesprochen zu sein. Das wurde nun auf einer Protestkundgebung vor den Werkstoren mehr als deutlich.

Die Faurecia-Belegschaft machte vor den Werkstoren in Scheuerfeld ihrem Unmut Luft . Fotos: Daniel Pirker

Scheuerfeld. Yüksel Öztürk ist sauer. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Faurecia bräuchte an diesem Mittag für seine Ansprache wahrscheinlich gar keinen Verstärker – so leidenschaftlich-laut spricht er zu seinen Kollegen. Sie hatten sich vor den Werkstoren in Scheuerfeld versammelt, um ihren Protest gegen die neuen Ankündigungen der Arbeitgeberseite Ausdruck zu verleihen.

Rückblick: Im Frühling konnten die rund 350 Mitarbeiter des Scheuerfelder Faurecia-Standorts aufatmen. Lange war unsicher, ob ihr Werk über 2016 hinaus eine Zukunft hat. Im April dann die erlösende Botschaft: Man hatte sich mit dem Konzern auf eine Standortsicherung bis 2025 geeinigt. Nun stellt sich offenbar heraus, dass die Arbeitgeberseite dafür einen hohen Preis verlangt. So wurde vor kurzem unter anderem damit gedroht, in den nächsten Jahren 40 Prozent der Mitarbeiter zu entlassen und den Lohn um 32 Prozent zu kürzen. Damit wollen sich die Belegschaft und die IG Metall natürlich nicht abfinden. Sie fordern neben der Standortsicherung bis 2025 unter anderem, dass keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden. Um dem Nachdruck zu verleihen, gibt es eine Betriebsversammlung – und die könnte nicht nur ein paar Stunden dauern, sondern länger, viel länger. Die Arbeitsniederlegung ist offiziell also kein Streik. Mittags sei man noch bei Tagesordnungspunkt 1 von 23 gewesen, erklärte Uwe Zabel, der Verhandlungsführer von Gewerkschaftsseite, im Gespräch mit der Presse. Man habe der Konzernführung angeboten, dass nächsten Dienstag wieder eine Verhandlungsrunde stattfinden solle. Laut Zabel schwebte den Arbeitgebervertretern vor, sich erst in drei Wochen zu treffen.

In seiner Ansprache an die Kollegen bezifferte der erfahrende Gewerkschaftsfunktionär die konkreten Lohneinbußen, die das Arbeitgeberszenario bedeuten würde: rund 13.500 Euro weniger im Jahr für einen Durchschnittsarbeitnehmer.
Aber nicht nur die Beschäftigten des Werks in Scheuerfeld betrifft die derzeitige Situation, wie Uwe Wallbrecher, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Betzdorf, deutlich machte: „Hier geht es nicht um einen 0-8-15-Betrieb, der in einer großen Industrieregion steht, sondern um die Existenz der ganzen Region.“ Denn die rund 350 Arbeitsplätze bedeuteten auch einen Riesen-Umsatz für das ganze Umfeld. Die Lohneinbußen lehnte der Gewerkschaftler in seiner Ansprache mehr als deutlich ab. Man sei nicht bereit, Opfer zu bringen, so dass sich die Aktionäre noch mehr „in den Arsch stecken können“.

Auch forderte Wallbrecher, dass in den Scheuerfelder Standort investiert werden müsse. Vor Ort müsse dringend saniert werden: „Dafür brauchen wir Kohle, damit sich das wieder rentiert, hier zu arbeiten.“
Von der Kommunalpolitik gab es ebenfalls Rückendeckung. Scheuerfelds Ortsbürgermeister Harald Dohm betonte: „Faurecia gehört zu Scheuerfeld!“ Und: Er lehne es ab, dass hohe Gewinne geschrieben würden und die Beschäftigten schließlich ans Existenzminimum gebracht würden. Dem schloss sich der Verbandsgemeindebürgermeister Bernd Brato an: „Das ganz große Geld fließt nach oben und ihr sollt leer ausgehen. Das kann nicht sein!“

Yüksel Öztürk, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, beschrieb die Belegschaft als eine große Familie. Das bedeute für ihn: „Wer meine Familienangehörigen angreift, greift mich an!“ Tatsächlich sind laut der Gewerkschaft mittlerweile rund 97 Prozent der Faurecia-Mitarbeiter in Scheuerfeld Mitglied der IG Metall. Nicht verwunderlich, dass Öztürk herausstellte: „Hier ticken die Uhren anders!“ Die einzige Lösung der Verhandlungen könne für ihn nur lauten, dass der Standort bis 2025 gesichert bleibe. „Manager sind nicht dafür da, um Betriebe abzuwickeln. Das kann jeder Idiot!“ (ddp)


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