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Nachricht vom 25.11.2015    

Weyerbuscher half südafrikanischen Jungs beim Ausstieg aus Armut

Christian Müller machte in Südafrika eine Praktikum bei einer Einrichtung, die Jungs aus ärmeren Schichten fit machen soll für den sozialen Aufstieg. Der Geschäftsführer des SSV Weyerbusch half bei der Young Bafana Soccer Academy etwa beim Fußballtraining mit. Während seines Aufenthalts prägten ihn auch die Ungleichheit zwischen Weißen und Schwarzen, die immer noch das Leben in Süfdafrika bestimmt.

Christian Müller mit einem der Teilnehmer an dem Trainings- und Bildungsprogramm in Südafrika. Fotos: privat

Weyerbusch/ Kapstadt. Vor dem Englischunterricht tanzten und sangen die acht bis zehn Jahre alten Jungs. Was in Deutschland eher selten bis nie in solchen Situationen vorkommt, gehörte für den 23jährigen BWL-Studenten Christian Müller schon bald zum Alltag während seines Praktikums in Südafrika. Der Geschäftsführer des SSV Weyerbusch war über zwei Monate, von August bis Oktober, Teil der Young Bafana Soccer Academy, einer nicht-staatlichen Einrichtung in der Nähe der Millionen-Metropole Kapstadt im Südwesten des Landes. 2010 gegründet hat es sich die Akademie zur Aufgabe gemacht, Kinder aus schwer benachteiligten Hintergründen zu fördern, um ihnen einen Weg aus der Armut zu weisen. Dabei beschränkt sich das Team rund um Gründer Bernd Steinhage eben nicht nur auf Fußball. Für die Kleinen beispielsweise gehört vor jedem Training auch eine Unterrichtseinheit Englisch dazu.

Die Akademie scheint bitter nötig. Zwar wurde die Apartheid, also die Rassentrennung, abgeschafft. Aber Ungleichheit prägt nach wie vor die Gesellschaft Südafrikas. Die Mehrheit der Einwohner Kapstadts lebt noch immer in nach Einkommen getrennten Stadtvierteln, den Cape Flats. Die weiße Bevölkerungsschicht macht zwar nur rund 16 Prozent aus, verdient im Durchschnitt allerdings etwa zehnmal mehr als die Schwarzen. Ähnlich sieht es bei der Arbeitslosigkeit aus.

Diese extremen Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen haben auch Müller tief geprägt. Er konnte die Spaltung der Gesellschaft hautnah miterleben. Es gebe gewisse Pubs oder Restaurants nur für Weiße. Schwarze arbeiteten dann dort als Spülkraft, während der Manager weiß sei. Die krassen Gegensätze wurden auch bei jeder Fahrt von Kapstadt zum Trainingsstandort an zwei kooperierenden Schulen deutlich. Die Autobahn trennte die armen Townships auf der rechten Seite von den linken reicheren Weißenvierteln, die mit Zäunen von der Außenwelt abgesichert waren.

Trotz Armut, trotz Ungleichheit – die Kids wie die Schwarzen insgesamt legten eine positive Grundeinstellung an den Tag, die manchem Deutschen sehr fremd vorkommen mag. „Die Menschen klagen nicht“, beschreibt Müller das südafrikanische Lebensgefühl. Auch Neid zwischen den Kindern konnte er nicht ausmachen. Stattdessen ein Gefühl der Dankbarkeit. Die Busse, mit denen die Kids aus den Townships zum Trainingsstandort abgeholt wurden, ernteten stets bewunderte Blicke. „Jeder will dazu gehören“, erinnert sich Müller.

Die Auswahl über einen Trainer, der selbst den Armenvierteln entstammt, stellt ein Privileg dar für die 150 Jungs zwischen fünf und 19 Jahren. Und das liegt nicht nur an dem Zweiklang aus Bildungschancen und Fußballtraining. Nach jedem Training gab es kostenfrei Sandwiches. In diesen Momenten spürte Müller eine gewisse Spannung in der Luft. Automatisch frage man sich dann: „Wann haben sie das letzte Mal gegessen?“



Als Mannschaft bewiesen die Kleinen dann ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl. Anweisungen wurden mit Respekt befolgt. Widerworte bekam der Trainer nie zu hören. Beschwerden darüber, dass zum Schreiben statt Schulhefte Plastikdeckel im Unterricht dienten – unvorstellbar. Gleichwohl hat die Technik Einzug gehalten in das didaktische Programm von Young Bafana. Mathe wird den Älteren mittels eines Computerprogramms beigebracht. Auch hier war Müller als Betreuer tätig. Fußball und die schulische Betreuung der Akademieteilnehmer waren aber nicht die einzigen Tätigkeiten, die der junge Geschäftsführer des Weyerbuscher Sportvereins einbrachte. Er war auch mit Übersetzungen, PR-Arbeit, Videoanalyse der Spiele oder Planungen beschäftigt. Dadurch konnte Müller natürlich sein Englisch verbessern.

Insgesamt hat der Student viel „mitnehmen“ können von seinem Südafrika-Aufenthalt. Noch heute ist er begeistert von dem Zusammenhalt, den er erleben konnte. Und klar: Zu so einem besonderen Aufenthalt gehört auch, sich das Land in seiner Freizeit zu erschließen. Eine Woche nahm sich Müller frei, um Südafrika zu erkunden. Wunderbare Buchten, Berge, eine beeindruckende Vielfalt bot sich dem jungen Mann. Eindrücke, die nicht so schnell verblassen werden. Ähnlichen Einfluss scheint die Lebenskultur auf Müller gehabt zu haben. Anfangs sei es ihm schwer gefallen, sich an die Hektik in Deutschland wieder zu gewöhnen. (ddp)

Infos:

Die Young Bafana Soccer Academy ist eine nicht-staatliche Organisation, die 2010 gegründet wurde. Sie widmet sich der ganzheitlichen Entwicklung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 19 Jahren. Der Ansatz: Fördern von Fußball- und Lebens-Kenntnissen (sozial und pädagogisch) in der Helderberg Region für Kinder aus schwer benachteiligten Hintergründen. Dazu wird ein sicheres und diszipliniertes Umfeld für qualifiziertes Fußballtraining bereitgestellt. Das Ziel: Einen Weg zu aus Armut zu eröffnen durch Fußball, Bildung und Lebenskompetenzen. An der Akademie geht es also um weit mehr als nur Fußballtraining. Es gibt Kooperationen mit Vereinen in Kapstadt. Perspektivisch strebt die Einrichtung an, seinen Teilnehmern ein Stipendium für einen Gastaufenthalt bei einem europäischen Verein zu ermöglichen. Das größte Ziel ist ein eigener Standort mit Sportplatz. Momentan wird auf Plätzen von kooperierenden Schulen trainiert.
Young Bafana ist ständig auf der Suche nach Spenden. Und die müssen nicht immer nur finanzieller Natur sein. Der SSV Weyerbusch stellte beispielsweise Trikots bereit, die Christian Müller mitbrachte.
Wer helfen will, geht auf www.youngbafana.com und wendet sich an Bernd Steinhage.


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