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Nachricht vom 07.07.2016    

Landschaft für Briefkastenfirma auf den Cayman Islands opfern?

Mit einer ausführlichen Pressemitteilung zu den möglichen Windrädern auf dem Hümmerich geht die Bürgerinitiative (BI) Hümmerich erneut an die Öffentlichkeit. In ihrer Mitteilung warnt die BI vor der Eile, die derzeit vorherrscht, da es nur um Geld gehe. Die Fördermittel laufen aus. Die Bauanträge für die Windräder wurden von der Altus AG gestellt, die laut BI seit Jahren Verluste in Millionenhöhe ausweist.

Vor ein paar Wochen gab es die Demo in Mittelhof. Foto: Archiv AK-Kurier

Wissen/Gebhardshain. Die Menschen rund um den Hümmerich zwischen Gebhardshain und Mittelhof werden ihr Leben lang Windräder größer als der Kölner Dom vor Augen haben, die Landschaft soll verschandelt, die Natur nachhaltig gestört werden – wenn der Teilflächennutzungsplan Windenergie in der Sitzung des Wissener VG-Rates am 13. Juli (17 Uhr im Kuppelsaal der Verbandsgemeindeverwaltung Wissen) beschlossen und den vorliegenden Bauanträgen zugestimmt wird. Wem nützt dieser „Wahnsinn“, wie ihn die BI Hümmerich nennt, wenn nicht den Menschen, die hier leben?

Die Fakten sind bekannt: Die Absatzmöglichkeiten für Windenergie steigen nicht so stark wie ihre (subventionierten) Kapazitäten. Deshalb kürzt der Bund ab kommendem Jahr die Fördermittel. Und deshalb haben es alle, die noch an den Subventionen verdienen wollen, plötzlich ziemlich eilig: Hersteller, Planer, Betreiber und Finanzierer von Windkraftanlagen machen überall dort Druck auf Räte und Verwaltungen, wo sie sich rasche Baugenehmigungen erhoffen, um noch schnell in den Genuss der in diesem Jahr auslaufenden Fördermittel zu gelangen. „Denen geht es nicht um saubere Energie, nicht um Klimawandel und nicht um Naturschutz, sondern nur ums Geld“, ist Dieter Glöckner, Sprecher der BI Hümmerich, überzeugt.

Die Bauanträge für Windräder auf dem Hümmerich hat die Altus AG (altus, lat. = hoch) gestellt. Das Leistungsspektrum des Karlsruher Unternehmens umfasst rund um Windenergie, Solar, Biomasse, Solar- und Abfalltechnik nach eigenen Angaben „die gesamte Projektentwicklung von der Standortsuche bis zum Anlagenbetrieb. Sowohl in der Eigenentwicklung als auch als Dienstleister, vorwiegend für Kommunen bzw. kommunale Unternehmen“. Das Unternehmen weist seit Jahren Verlustvorträge in Millionenhöhen aus und ist wahrscheinlich dringend an jedem Neugeschäft interessiert. Doch braucht man sich um Altus keine Sorgen zu machen: Die AG befindet sich in Händen der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG, die zu gleichen Teilen den Stadtwerken der beiden Landeshauptstätte gehört.

Kraftwerke Mainz-Wiesbaden? Ja, genau, das waren diejenigen, die auf der Ingelheimer Aue ein Kohlekraftwerk errichten wollten. Sie waren damit aber am Bürgerprotest gescheitert. Ende 2012 schufen die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden die Voraussetzungen für eine Mehrheitsbeteiligung an der Altus AG, die sie inzwischen zu 100 Prozent übernommen hat. „Statt mit Kohle auf der Ingelheimer Aue sollte künftig mit Windkraft-Spargel anderenorts der Energiebedarf der Wirtschaftsregion an Rhein und Main gestillt werden“, meint Dieter Glöckner. Die entsprechenden politischen Voraussetzungen für den Erfolg dieses Plans hat die Regierung in Mainz mit ihrer Doktrin geschaffen, dass 2 Prozent der Landesfläche für erneuerbare Energien zu nutzen seien.




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Derart „beflügelt“ realisierte und betreibt die Altus AG, die auch Firmen in Polen und Rumänien hat, bereits etliche Windparks. Dabei ist das Unternehmen selbst meist nur Auftragnehmer und schon gar nicht der Investor. Deshalb wird dann zum Beispiel eine GmbH & Co. KG gegründet, bei der die persönlich haftende Gesellschafterin, häufig die EMG Energie-Management Verwaltungsgesellschaft mbH ist. Sie ist zuständig für Entwicklung, Realisierung und Betrieb von Windkraftanlagen und Energiehandel. Interessanterweise sind bzw. waren ihre Geschäftsführer oftmals identisch mit Vorstandsmitgliedern der Altus AG. Wer der oder die Kommanditisten sind, also diejenigen, die in den Windpark investieren, entscheidet sich von Fall zu Fall. Manchmal sind das lokale Investoren, wie zum Beispiel Privatpersonen, regionale Genossenschaften oder Stadtwerke – manchmal ist das aber auch die Breeze Two Energy GmbH & Co. KG, die zum Beispiel auch den Auftrag für den Windpark Gebhardshain gab.

„Wesentliche rechtliche und wirtschaftliche Grundlage für die Geschäftstätigkeit der Gesellschaft ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es verpflichtet Netzbetreiber, Strom aus erneuerbaren Energien vorrangig in ihr Netz einzuspeisen und über einen Zeitraum von 20 Jahren zu einem festgelegten Preis zu vergüten“, heißt es in der Bilanz 2014 der Breeze Two Energy GmbH & Co. KG. Darin sind Verbindlichkeiten in Höhe von über 430 Millionen Euro und nicht durch Eigenkapital gedeckte Verluste der Kommanditistin in Höhe mehr als 276 Millionen Euro ausgewiesen. Allein für 2014 erwirtschaftet Breeze Two Energy fast 25 Millionen Euro Verluste. Und das Interessante: Einzige Kommanditistin ist die Appleby Trust (Cayman) Ltd., George Town/Grand Cayman (Commercial Register of the Cayman Islands, Reg. Nr. 143321) mit einer Mindesteinlage in Höhe von 500 Euro.

Dieter Glöckner: „An dieser Stelle treibt es mir und den anderen Mitglieder der BI Hümmerich die Zornesröte ins Gesicht: Es kann doch nicht angehen, dass wir hier rund um unseren kleinen Hümmerich für den Erhalt unserer Natur und Landschaft kämpfen müssen, nur weil sich irgendwelche anonyme Investoren auf den Cayman Islands mit solchen Abschreibungsprojekten die Taschen voll machen wollen. Es muss nicht sein, dass dieses Konstrukt eintritt, aber ich hätte kein Verständnis dafür, wenn der Verbandsgemeinderat Wissen einen Teilflächennutzungsplan verabschiedet, die Kreisverwaltung einen Bauantrag genehmigt, der genau diese Bebauung des Hümmerichs mit Windrädern zuließe, ohne genau zu wissen, wer tatsächlich dahinter steckt.“ Soweit die Pressemitteilung der BI, die wir im Original veröffentlichen.


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