Werbung

Nachricht vom 28.07.2016    

Schmerzpatienten besser versorgen

Im Landkreis Altenkirchen leiden rund 4.200 Menschen unter chronischem Schmerz. Zu diesem Ergebnis kommt der Arztreport der Barmer GEK, der in Zusammenarbeit mit AQUA Institut für angewandte Qualitätsforschung und Forschung im Gesundheitswesen erstellt wurde.

Betzdorf/Kreisgebiet. "Die Auswertung zeigt, dass 3,3 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Altenkirchen von chronischen Schmerzen betroffen sind“, sagt Volker Stausberg, Bezirksgeschäftsführer der Barmer GEK in Betzdorf. Im Landesdurchschnitt sind es 4,1 Prozent.

Im Vergleich aller Landkreise und kreisfreien Städte in Rheinland-Pfalz liegt der Landkreis Altenkirchen beim Anteil der Bevölkerung mit chronischen Schmerzen auf dem 33. von 36 Plätzen. Stausberg fordert: „Die Bekämpfung chronischer Schmerzen muss zu einem nationalen Gesundheitsziel werden. Viele Patienten erleben eine Odyssee bis ihnen geholfen werden kann.“ Es fehle an einer Vernetzung zwischen den medizinischen Fachgebieten.

„Wir brauchen eine durchgängige Versorgungskette, beginnend beim Hausarzt als Lotsen, über eine ambulante Schmerztherapie bis hin zu einer multimodalen Schmerztherapie im Krankenhaus für Patienten mit besonders schwerwiegenden Krankheitsverläufen“, betont Stausberg. Chronischer Schmerz sei eine eigenständige Erkrankung, die sehr spezifisch behandelt werden müsse. „Betroffene bekommen 70 Prozent mehr Medikamente als gleichaltrige Patienten. Damit muss man bei Schmerzpatienten zweifellos gehäuft mit Nebenwirkungen und unerwünschten Wechselwirkungen rechnen“, sagt der Bezirksgeschäftsführer.

In den rheinland-pfälzischen Kreisen und Städten ist die Zahl von Schmerzpatienten unterschiedlich hoch. Während in Neustadt an der Weinstraße mit 6 Prozent und im Kreis Südliche Weinstraße mit 5,6 Prozent die höchsten Diagnoseraten dokumentiert wurden, lagen die niedrigsten Werte mit 2,8 Prozent der Bevölkerung im Kreis Mainz-Bingen und 3,2 Prozent in Mainz deutlich darunter. Chronische Schmerzen werden in allen Altersgruppen deutlich häufiger bei Frauen dokumentiert, wobei die Zahl der Betroffenen mit dem Alter ansteigt.

Bei der Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen setzt Barmer GEK Bezirksgeschäftsführer Stausberg auf die Hausärzte als Lotsen: „Wenn Patienten mit akuten Schmerzen in eine Praxis kommen, ist es das erste Ziel, sie von diesen Schmerzen zu befreien. Sind die Therapiemaßnahmen nicht erfolgreich, kann der Hausarzt am besten einschätzen, welche weiteren Therapieschritte zu welchem Zeitpunkt nötig sind.“ Nötig sei, dass schnell überwiesen werde und ein strukturiertes Behandlungskonzept über die verschiedenen Arztdisziplinen hinweg verfolgt würde. Für niedergelassene Ärzte besteht die Möglichkeit der Fortbildung zum spezialisierten Schmerztherapeuten.

Die multimodale Schmerztherapie bei schweren Verläufen chronischer Schmerzerkrankungen verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und gilt als besonders erfolgversprechend. Es werden mehrere Fachdisziplinen einbezogen, darunter Ergotherapie und Psychotherapie. In Rheinland-Pfalz haben im Jahr 2014 bezogen auf 100.000 Einwohner 115 Patienten eine multimodale Schmerztherapie erhalten. Bundesweit erhielten 75 Patienten je 100.000 Einwohner eine multimodale Schmerztherapie.

Dennoch ist die Versorgung mit multimodaler Schmerztherapie besonders unter Qualitätsgesichtspunkten nicht ausreichend sichergestellt. „Natürlich lassen sich die dafür notwendigen Rahmenbedingungen nicht von heute auf morgen schaffen“, bemerkt Stausberg. Es gehe dabei in erster Linie um die Qualität und Effektivität der Behandlung. „Wir unterstützen daher die Bemühungen der medizinischen Fachgesellschaften, verbindliche Qualitätskriterien für die multimodale Schmerztherapie im Krankenhaus zu entwickeln“, sagt Stausberg.


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Betzdorf-Gebhardshain auf Facebook werden!


Kommentare zu: Schmerzpatienten besser versorgen

Es sind bisher keine Kommentare vorhanden

Beliebte Artikel beim AK-Kurier


Leerstand in Altenkirchen zeigt Wandel des Einzelhandels

Der Blick in viele Einkaufsstraßen deutscher Städte und Gemeinden macht deutlich: Die steigende Zahl leer stehender Geschäfte ist ein Indikator, dass sich ein Wandel vollzieht. Geht der Trend weiter in Richtung Shopping-Zentren vor den Toren der Kommunen oder übernimmt der Internet-Handel immer mehr Anteile am Umsatz? Noch kann sich Altenkirchen glücklich schätzen. Nicht viele Ladenlokale in der Innenstadt sind verwaist.


Berufsschüler muss Schule wegen nicht entschuldigter Fehlzeiten verlassen

Die Entscheidung des Schulleiters einer Berufsbildenden Schule, das Schulverhältnis mit einem Schüler, der mindestens zehn Tage unentschuldigt gefehlt hat, zu beenden, ist nicht zu beanstanden. Dies hat das Verwaltungsgericht Koblenz entschieden.


560.000 Euro Fördermittel für die Wissener Stadtentwicklung

Aus dem Bund-Länder-Programm „Aktive Stadtzentren“ wurde der Stadt Wissen eine Zuwendung in Höhe von 560.000 Euro bewilligt. Die Nachricht erhielt jetzt der Landtagsabgeordnete Heijo Höfer auf Nachfrage von Innenminister Roger Lewentz.


Zeugen gesucht: Mann will Streit schlichten und wird verprügelt

Auf dem Rewe-Parkplatz in Hamm/Sieg hat es am Mittwochabend eine handfeste Auseinandersetzung gegeben. Als ein Unbeteiligter den Streit schlichten wollte, wurde er ebenfalls angegriffen und schließlich mit einer Glasscherbe im Gesicht verletzt. Die Polizei bittet Zeugen, sich zu melden.


Chinesischer Staatspreis für Professor aus Altenkirchen

Der aus Altenkirchen stammende und in Goslar lebende Agrikulturchemiker Prof. mult. Dr. mult. Ewald Schnug ist am 16. Januar 2020 mit der höchsten chinesischen Auszeichnung für internationale Wissenschaftskooperationen (CAS) geehrt worden.




Aktuelle Artikel aus Region


Berufsschüler muss Schule wegen nicht entschuldigter Fehlzeiten verlassen

Koblenz. Der 1999 geborene Kläger besuchte seit dem Schuljahr 2018/2019 eine Berufsbildende Schule der höheren Berufsfachschule ...

Leerstand in Altenkirchen zeigt Wandel des Einzelhandels

Altenkirchen. Ein Spaziergang durch die Altenkirchener Innenstadt von Fußgängerzone (Wilhelmstraße) über Bahnhof-, Quengel- ...

1. Selbacher Dialog: Vereinsleben ist Ehrensache

Selbach. So unterschiedlich wie die Tätigkeitsfelder in den verschiedenen Vereinen sind auch die Menschen, die ihre Fähigkeiten ...

Bürgermeister Gibhardt: „In Altenkirchen bewegt sich etwas“

Altenkirchen. Weiß getünchte Wände, großflächige und ohne Gardinen ausstaffierte Fenster, die einen Blick auf einen Teil ...

Unbekannte brechen ins Kirchener Bowling-Center ein

Kirchen. Nachdem die Täter sich durch das ach Aufhebeln von zwei Türen Zugang zum Bowling-Center verschafft hatten, hebelten ...

560.000 Euro Fördermittel für die Wissener Stadtentwicklung

Wissen. Wie Höfer dazu mitteilt, werden mit dem Programm bauliche Maßnahmen in den Innenstädten von Ober- und Mittelzentren ...

Weitere Artikel


Kinoabend für jugendliche Erst-Wähler/innen

Altenkirchen/Neitersen. Wie bereits im vergangenen Jahr, lud auch dieses Jahr die Verbandsgemeinde Altenkirchen ihre jugendlichen ...

SPD Hamm erhielt Infos aus erster Hand

Hamm. Im Rahmen einer Mitgliederversammlung des SPD Ortsvereines Hamm, in deren Vordergrund Delegiertenwahlen zur Kreiskonferenz ...

Partei "DIE LINKE." stellt Kandidaten für neue VG vor

Betzdorf/Gebhardshain. Nach dem Einzug in den Kreistag und den Stadtrat in Herdorf bei den Kommunalwahlen 2014 möchte die ...

IHK-Lehrgang zum Eventmanager startet

Region. In Zeiten der Digitalisierung wird der persönliche Kontakt zu Kunden immer wichtiger. Unternehmen müssen Begegnungen ...

Sommerfest in Niederhausen an zwei Tagen

Pracht-Niederhausen. In diesem Jahr findet das traditionelle Sommerfest an zwei Tagen auf dem Parkplatz der Gaststätte „Im ...

Noll und Lautwein mit starker Vorstellung

Betzdorf/Düren. Beim Rundstreckenrennen „Rund in Düren“ mussten sage und schreibe 90 Runden auf einer engen und kurvenreichen ...

Werbung