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Nachricht vom 29.07.2016    

Dauerregen beeinträchtigt die Ernte

„Das Jahr 2016 war insgesamt viel zu nass und arm an Sonnenstunden“, stellte Präsident Michael Horper während des Erntegesprächs des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau in den Räumen der Raiffeisen Hunsrück Handelsgesellschaft in Kastellaun vor Vertretern der Politik, des Landhandels, Bauern und Medienvertretern fest. Kein gutes Erntejahr für die Landwirtschaft.

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Region/Kastellaun. Ohne den zielgerichteten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wäre selbst diese durchschnittliche Ernte von Getreide oder Raps nicht möglich gewesen. Die dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit habe zu einem hohen Infektionsdruck durch Pilzschädlinge geführt. Selbst in dem so wichtigen Monat Juni habe es in Rheinland-Pfalz 90 Prozent mehr Regen als im langjährigen Mittel gegeben. Dies sei enorm und habe selbstverständlich Konsequenzen bei der Bestandsführung der landwirtschaftlichen Kulturen. Sein Bedauern sprach Horper gegenüber den Betrieben aus, die zusätzlich schwere Einbußen durch Hagel und Starkregen haben hinnehmen müssen. Dies zeige wieder einmal mehr, dass es wichtig sei, zumindest einen Teil der Flächen über eine Hagelversicherung abzusichern.

Enttäuscht zeigte sich Horper über die zu erzielenden Preise bei Wintergerste. Wintergerste werde überwiegend als Futter vermarktet. Obwohl zehn bis 15 Prozent weniger Wintergerste als in den Vorjahren geerntet worden sei, drücke französische Gerste auf den Markt. Erzeugerpreise von 100 bis 110 Euro pro Tonne nannte Horper eine Zumutung. Hier werde die Arbeit der Bauern nicht mehr geachtet. Die Winterbraugerste erlöse zurzeit etwa 140 Euro pro Tonne, sie liege aber dennoch etwa 20 Euro unter den Offerten des Handels für Sommerbraugerste. Die Qualitäten seien insgesamt als gut zu bezeichnen. Die Wintergerstenfläche sei nach Angaben des Landesamtes für Statistik Rheinland-Pfalz um 2.000 Hektar auf 39.000 Hektar angestiegen. Sommerbraugerste habe hingegen 7.000 Hektar verloren und werde nur noch auf 35.000 Hektar angebaut.

„Qualitativ werden bei der Braugerste in diesem Jahr keine Überraschungen erwartet. Pflanzenschutzmaßnahmen gegen Blattkrankheiten waren 2016 ein Muss. Die Erträge sind in diesem Jahr sehr heterogen ausfallen“, erklärte Horper. Obwohl sich der Vollkornanteil nur bei 50 bis 60 Prozent bewege, genügten die Qualitäten offensichtlich den Ansprüchen der Mälzereien. Horper rief die Mälzer auf, auch Gerste unter einer Breite von 2,2 Millimeter zu tolerieren, um benötigte Mengen an Braugerste erfassen zu können. Sie sei schließlich ebenfalls in vollem Umfang vermälzungsfähig. Die Landwirte könnten zurzeit mit 160 bis 165 Euro pro Tonne Braugerste frei Erfasser rechnen.

Bei Winterweizen erwarte der Berufsstand in diesem Jahr keine Spitzenerträge. Erntemengen über 80 Dezitonnen pro Hektar seien die absolute Ausnahme, so Präsident Horper. Der Weizen warte, ebenso wie die Gerste, mit sehr heterogenen Ernteergebnissen auf. Die Anbaufläche habe sich mit aktuell 116.000 Hektar gegenüber dem Vorjahr kaum verändert und Weizen sei daher immer noch das mit Abstand bedeutendste Getreide in Rheinland-Pfalz. Mit Brotweizenpreisen mit bis zu 140 Euro pro Tonne könne der Landwirt jedoch nicht zufrieden sein. In Anbetracht der zu erwartenden Engpässe bei Qualitätsweizen seien aber Aufschläge ab 10 Euro pro Tonne zu erwarten.

Mit 46.000 Hektar habe sich die Rapsfläche in Rheinland-Pfalz um 2.000 Hektar ausgedehnt. Horper bestätigte auch für den Raps, dass nur Landwirte, die ihre Pflanzenschutzmaßnahmen zeitnah hätten durchführen können, Erträge über 35 Dezitonnen pro Hektar erzielen könnten. Die zu erwartenden Ölgehalte würden zufriedenstellende 42 bis 45 Prozent erreichen. Die augenblicklichen Preise betrügen etwa 335 Euro pro Tonne.

Der Mais hinke seiner Entwicklung im Vorjahresvergleich um drei Wochen hinterher. Dennoch sei er dort, wo er nicht durch Staunässe behindert worden sei, sehr gut entwickelt. Entscheidend würden allerdings die kommenden drei Monate werden, die letztlich über die Erntemenge und -qualität entscheiden würden. Die Silomaisfläche sei mit 34.000 Hektar nahezu konstant geblieben. Von einer „Vermaisung“ des Landes könne nicht die Rede sein. Diese Fläche umfasse weniger als fünf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Rheinland-Pfalz.

Grünland sei die Kultur, die das Wasser am besten vertragen habe. Wer den ersten Schnitt noch im Mai habe durchführen können, könne nun auf eine gute Futtergrundlage bauen. Die Qualitäten seien insgesamt als gut zu bezeichnen. Vielerorts stehe bereits der dritte Schnitt an.

Während des Erntegesprächs führten die Landfrauen unter der Leitung der stellvertretenden Kreisvorsitzenden Monja Jost eine Milchaktion durch und verteilten Milchshakes an die Gäste. Sie verdeutlichten gegenüber den politischen Vertretern, wie gering der bäuerliche Anteil am Verkaufspreis dieser Produkte sei und wie sehr die Grünlandbewirtschaftung, und somit die Pflege der Kulturlandschaft, von den Milchviehbetrieben abhängig sei. Präsident Michael Horper dankte den Landfrauen für ihre Solidarität in dieser für Rheinland-Pfalz so wichtigen wirtschaftlichen Frage.



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