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Nachricht vom 30.09.2016    

Wut über Lkw-Lärm: Brucher Anwohner formieren sich

Noch nicht lange nutzt der Autozulieferer Montaplast die ehemaligen Wolf-Hallen in Bruche als Logistiklager – und hat bereits den Unmut der Anwohner auf sich gezogen. Nicht nur durch den Lkw-Lärm fühlen sich die Anwohner so stark belästigt, dass sie in einer Bürgerversammlung Schritte gegen die Firma beraten haben. Die Zeit drängt. Denn Montaplast will seine Aktivitäten in Bruche sogar ausweiten.

Dicke Luft herrschte auf der Bürgerversammlung. Eingeladen hatte ein Vorbereitungsteam, zu dem unter anderem (von links, stehend) Johannes Sohlbach sowie Maren und Lars Mühlon gehören. Auch Bürgermeister Bernd Brato unterstützte mit seiner Anwesenheit den Bürgerprotest - als Privatperson, wie er betonte. Fotos: Daniel Pirker

Betzdorf-Bruche. Jeder sei gereizt vom Thema. Damit brachte Lars Mühlon die Stimmung auf den Punkt, die seit einiger Zeit das Alltagsleben rund um die ehemaligen Wolf-Hallen beherrscht. Rund 55 Brucher hatten sich im Gasthof Bayer getroffen, um Erfahrungen zu sammeln und weitere Schritte zu beraten, um gegen den Lkw-Verkehr der Firma Montaplast und die Spedition Brucherseifer vorzugehen. Montaplast nutzt Teile der Hallen als Logistiklager. Bis Ende des Jahres wird der Autozulieferer sogar die Räumlichkeiten komplett mieten. Eine Nutzungsänderung ist beantragt, wie Anwohnerin Maren Mühlon informierte. Die Firma hoffe auf eine Genehmigung für rund 150 Lkw-Fahrten, davon 20 in der Nacht. Sollte Montaplast hiermit durchkommen, bedeute dies, 300 Fahrten entlang der anliegenden Häuser. Alle vier Minuten passiere dann ein Lkw die Straße, rechnete Mühlon vor. „Wer garantiert, dass es bei diesen 150 Lkw bleibt?“, sorgt sich die Brucherin. Vor einem Jahr sei noch die Rede von 15 bis 20 Lkw gewesen, zwei davon nachts.

Erst so viel niedrigere Werte anzukündigen, um diese dann später so zu erhöhen sei eine „Schweinerei“, erklärte Betzdorfs Bürgermeister Bernd Brato. Er wohnt in der Kampstraße und gehört somit selbst zum Kreis der betroffenen Anwohner. Deshalb wolle er sich bei dieser Angelegenheit in den Ratsgremium auch zurückhalten. Auf der Versammlung trete er lediglich als Privatperson auf, betonte Brato. Die Gemeindeordnung setze hier enge Grenzen. Brato erinnerte daran, dass zu Wolf-Zeiten noch 450 Arbeitnehmer an dem Standort beschäftigt gewesen seien – jetzt 140. Und das mit unschönen Folgen für die umliegende Infrastruktur: „Die fahren unser Vermögen in den Boden.“

Ähnlich äußerte sich Anwohner Johannes Sohlbach. Er befürchtet eine Entwertung der Immobilienpreise um 20 bis 30 Prozent – sofern überhaupt noch wer Häuser in dem Gebiet kaufen wolle. „Dies werden auch noch unsere Kinder zu spüren bekommen“, hatte Maren Mühlon zuvor bereits angemerkt. Ob die Straße überhaupt breit genug sei für Lkws, wurde außerdem in den Raum geworfen. Anwohner berichteten nämlich davon, sie hätten beobachtet, wie über Bordsteine gefahren werde.

Maren Mühlon sorgte sich zudem um mögliche Schadstoffbelastungen, hervorgerufen durch Dieselmotoren und Bremsstaub. Am meisten treibt die Anwohner aber die Lärmbelästigung durch den Lkw-Verkehr und Verladetätigkeiten um. Dies belaste nicht nur Anlieger der Industriestraße, auch die Wiesenstraße, Im Grund und andere seien betroffen.
Schon heute gehe die Belästigung über das erträgliche Maß hinaus. In einem Gewerbegebiet, seien tagsüber nur 60 Dezibel erlaubt, nachts 40, sagte Mühlon dem Kurier. Ein Lkw verursache aber schon 60 Dezibel. Die erste Häuserreihe gegenüber dem Gewerbegebiet sei noch als Mischgebiet ausgewiesen, die dahinterliegenden Häuser als Wohngebiet. Für Mühlon ist die Lage klar, wie sie in der Versammlung erklärte: „Die topographische Lage ist nicht geeignet für ein Logistikunternehmen.“ Durch die Tallage sei der Schall extrem zu hören. Laut Montaplast führen 115 Lkw das Firmengelände an. Geschickterweise werde aber kein Zeitraum genannt. „Will man hier vertuschen, dass die täglich erlaubten Fahrten laut Betriebserlaubnis deutlich überschritten werden? Also mein Gefühl sagt mir, dass die Zahl 115 wohl täglich gemeint ist“, mutmaßt die Anwohnerin. Die Straße sei überhaupt nicht für ein solches Verkehrsaufkommen ausgelegt.

„Unser Haus zittert Tag und Nacht“, ärgerte sich ein anwesender Bürger. Montaplast hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, das bereits nachgebessert worden sei. Grundsätzlich stellte Mühlon die Glaubwürdigkeit des Papiers infrage. Es sei nicht anhand von Messungen erstellt worden, sondern „am Schreibtisch errechnet“, auf Grundlage von statistischen Messwerten.

Was wollen die Anwohner als Nächstes unternehmen? Immerhin: Die Zeit drängt. Ein neues Lärmgutachten sei in Auftrag, laut Bernd Brato. Außerdem hatten die SPD-Fraktionen die VG-Verwaltung damit beauftragt, zu prüfen, ob ein eigenes Lärmschutzgutachten erstellt werden kann und ein Nachtfahrverbot von 22 bis 6 Uhr für Lkw (ab 7,5 Tonnen) umsetzbar ist. Mitte September ist bei der Kreisverwaltung ein Bauantrag von Montaplast eingegangen. Die Anwohner wollen nun Erfahrungsberichte und Beobachtungen von Missständen an das Kreishaus weitergeben. Die Versammlung war sich darüber im Klaren: Bei grünem Licht für den Antrag bleibt nur eine kurze First um Widerspruch einzulegen. Spätestens dann sollte rechtliche Hilfe in Anspruch genommen werden von Seiten der Anwohner, sagte Maren Mühlon. Eine Maßnahme, die Brato ebenfalls empfahl. Außerdem riet er, bei der Gewerbeaufsicht Beschwerde einzureichen. Als ersten Schritt wurden in der Gaststätte Unterschriften gegen die Ansiedlung von Montaplast und gegen den Nutzungsänderungsantrag gesammelt. Bei einer Bürgerversammlung scheint es also nicht zu bleiben. Die Aussage eines Anwohners kann insofern auch als Motto für weitere Aktionen der Anwohner verstanden werden: „Wir sind nur gemeinsam stark!“. Daniel Pirker


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Kommentare zu: Wut über Lkw-Lärm: Brucher Anwohner formieren sich

1 Kommentar
Diese Diskussion kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man an einem Industriegebiet wohnt, dort sein Häuschen errichtet (möglicherweise zu einem günstigen Grundstückspreis) und dann, anstatt sich zu freuen, dass ein ein leer stehendes Industriegebäude wieder belebt wird,sich über Lärmbelästigung beschwert, dafür habe ich keinerlei Verständnis. Ich kann der Firma nur raten: sucht Euch einen anderen Standort wie Burbach, Neunkirchen, Altenkirchen oder Wissen. Ich verstehe auch die Stadt Betzdorf nicht. Es ist doch ganz normal, dass in einem Industriegebiet Lkw-Verkehr vermehrt vorkommt. Das war doch früher nicht anders. Warum also heute ein teures Gutachten nach dem anderen initiieren? Ich selbst wohne unmittelbar an einem Industriegebiet und der Eisenbahnlinie im Nachbarkreis. Ich wusste aber um die Einschränkung der Wohnqualität. Deshalb ist es für mich normal, dass Laster und Güterzüge an meiner Terrasse vorbeifahren. Auf der anderen Seite hatte ich aber auch einen sehr günstigen Grundstückspreis, der es mir erst ermöglichte, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Wenn Betzdorf und die zum Teil doch wohl langjährigen Anwohner sich jetzt plötzlich außer Stande sehen, das Verkehrsaufkommen zu ertragen, dann gibts erst einmal nur zwei Möglichkeiten: weg mit dem Industriegebiet, also entwidmen, oder: umziehen. Beides kann doc nicht im Sinne der Beteiligten sein. Bliebe der Bau einer Lärmschutzmauer. Doch ob das wirklich gewünscht ist, wage ich zu bezweifeln.
#1 von Josef Reiß, am 02.10.2016 um 07:40 Uhr

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