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Nachricht vom 18.11.2016    

Ein Kinderparlament entsteht

Ein Kinderparlament entsteht in der katholischen Kindertagesstätte Adolph-Kolping in Wissen. Partizipation im Teamalltag erleichtern, um die demokratische Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen zu stärken – ist das Ziel des Projektes von Jasmin Kraus, die eine duale Ausbildung zur Erzieherin absolviert.

Foto: Kita

Wissen. Was bedeutet eigentlich dieses Wort „Partizipation“ und was möchte man damit erreichen? Schlägt man es in einem Duden nach, bedeutet Partizipation - lat. participare teilnehmen, Anteil haben. Jedoch bedeutet es noch viel mehr: mitwirken, mitgestalten, mitbestimmen. Bei Partizipation geht es um Entscheidungen.

„Entscheidungen, die das eigene Leben betreffen“: Kinder erfahren Selbstbestimmung, sie lernen mit ihren eigenen Gefühlen, Bedürfnissen, Wahrnehmungen umzugehen.
„Entscheidungen, die das Leben der Gemeinschaft betreffen“: Den gemeinsamen Alltag zusammen gestalten (in Kleingruppen, gesamte Gruppe, gesamte Einrichtung, oder darüber hinaus z.B. die Mitgestaltung eines Stadtfestes) werden durch Partizipation ermöglicht.
„Entscheidungen, die gemeinsam gefällt werden“: Entscheidungsmacht zu teilen und einen gemeinsamen Lösungsweg für Probleme finden. Gemeinsam diskutieren, Vorschläge sammeln und am Ende eine Entscheidung treffen, die von Allen getragen wird.

Diese Entscheidungen werden mit Hilfe der Partizipation geübt, gestärkt und gefestigt.
In der heutigen Zeit nehmen die Kinder viele Gesellschafts- und Wertewandel wahr. Sie leben zwischen Unter- und Überforderung, möchten ihre Bedürfnisse äußern und dabei ernst genommen werden. Um dies den Kindern zu ermöglichen, ist der partizipative Stil ein guter Weg, den Erzieher/-innen in ihrer täglichen Arbeit integrieren können. Denn Kinder haben ein Recht auf Beteiligung. Partizipation ist kein neues Thema in der Pädagogik. Viele Ansätze der verschiedensten Pädagogen beruhen darauf. Zum Beispiel: „Hilf mir, es selbst zu tun“ - Maria Montessori förderte die Eigenaktivitäten des Kindes durch freien Zugang zu den Spielmaterialien, Gestaltung des Raumes und des eigenständigen Forschens.

In der katholischen Kindertagesstätte Adolph-Kolping in Wissen wird schon seit einigen Jahren in verschiedenen Teilbereichen partizipativ gearbeitet. Den Kindern wird in einigen Gruppen zum Beispiel ermöglicht, selbst zu entscheiden, wann sie frühstücken, an welchen Projekten sie sich beteiligen möchten und wie diese gestaltet werden. Um diese Arbeit weiterhin zu integrieren und zu festigen, möchte Jasmin Kraus mit ihrem Projekt die Kinder und das Team unterstützen. Seit September findet jeden Freitag in der altersgemischten (3-6 jährige Kinder) Schneckengruppe eine Gruppenkonferenz (Gesprächskreis) statt. Diese wird von Jasmin Kraus, Auszubildende zur staatlich anerkannten Erzieherin, moderiert und die Ergebnisse umgesetzt.

In dieser Projektphase, die bis März 2017 andauert, soll ein Gruppenparlament entstehen. „Ausgangssituation für mich war, dass in den Monaten März/April/Mai 2016 viele Dreijährige zu uns in die Schneckengruppe gewechselt sind. Nach einigen Wochen Eingewöhnungszeit ist mir aufgefallen, dass viele Kinder aufgrund des unterschiedlichen Alters wenig Zusammenhalt finden. Die Kinder können keinen richtigen Dialog miteinander führen, sich nicht gegenseitig zuhören oder aussprechen lassen. Sie schaffen es noch nicht gemeinsam Lösungen für ihre Konflikte zu finden. Es treffen zu verschieden, starke Persönlichkeiten aufeinander und finden keinen Weg, diese miteinander zu verbinden. Die Kinder können oftmals die Meinungen Anderer nicht respektieren oder annehmen und diese daher auch nicht miteinander verbinden, um etwa eine bessere Spielidee zu finden. Aufgrund dieser Situationen, habe ich mir überlegt, aus diesen Beobachtungen ein Projekt zu gestalten. Zudem unterstützt das Thema Partizipation unser diesjähriges Gruppenthema: „Ich bin da, du bist da, wir sind da.“ erklärt Jasmin Kraus.



In den ersten Projektwochen lernten die Kinder eine Bücherreihe der Bertelsmann Stiftung „Leon und Jelena“ von Rüdiger Jansen und Raingard Knauer kennen. In diesen Büchern wird sehr lebendig und kinderfreundlich ein Kindergartenalltag mit einem integrierten Kinderparlament beschrieben. Kindern und auch Erwachsenen wird näher gebracht was es für Möglichkeiten gibt, Kinder zu beteiligen und was diese Beteiligung für einen Zweck mit sich bringt.

„Um mit den Konferenzen zu starten, erarbeitete ich mit allen Kindern gemeinsame Gesprächsregeln. Denn diese sind für uns sehr wichtig, um uns gegenseitig zu hören und zu verständigen. Mit viel Freude und Engagement malten die Kinder ihre Gesprächsregeln auf und mittlerweile können wir uns alle schon sehr gut daran halten. Die Kinder sammelten in den darauffolgenden Wochen die Erfahrung, dass es sehr hilfreich ist, sich daran zu halten, denn so haben unsere gemeinsamen Gespräche nicht so lange angedauert und wir fanden schneller Lösungen.“ erzählte Kraus amüsiert. Im weiteren Verlauf wurden den Kindern verschiedene Abstimmungsverfahren näher gebracht und durchgeführt. Am Ende hat die Mehrheit der Kinder entschieden, dass es einen Elsa-Geburtstagskalender in der Schneckengruppe geben wird. „Natürlich hat es einige Kinder gegeben, die mit dieser Entscheidung nicht glücklich waren.“ teilt Jasmin Kraus mit, „sie vertraten weiterhin ihren Wunsch, ihre Idee, welche sie gewählt hatten, mit einzubringen. So handelten die Kinder auf fairer Weise aus, ihren Wunsch mit in den Kalender zu integrieren. Jetzt sind alle sehr stolz auf den Kalender und wir fiebern den ersten Geburtstag entgegen!“ Während der Bastelphase äußerte ein Junge (5 Jahre): „Boa, das ist so schwer, aber zusammen schaffen wir das. Wir sind ein Team!“.

Im November wird in der Gruppe das Parlament gewählt. Das ist ein Gremium aus 5-6 Delegierte/Gruppensprecher, die stellvertretend für die Gruppe etwas durchsetzen, erarbeiten oder ermöglichen. In den Gruppenkonferenzen wird dies dann wiedergegeben, besprochen und Rücksprache gehalten.

„Mein Team und ich sind sehr gespannt, wie der weitere Verlauf des Projektes sein wird. Partizipation ist ein langer Weg an dem wir Erwachsene und Kinder wachsen müssen. In diesem Prozess werde ich als Teilnehmerin und Impulsgeberin agieren. Ich gebe den Kindern das Gefühl von Akzeptanz. Somit können sie sich öffnen, äußern und eigenständig wirken. Eine ganzheitliche Förderung findet statt. Natürlich werde ich auch Ideen mit einbringen und äußere Kritik, so erfahren sie unter anderem politisches Handeln und werden neue Lösungswege finden,“ ist sich Kraus sicher.

Eines der Kinder ist schon ganz aufgeregt. „Das mit dem Gruppensprecher gefällt mir ganz gut. Ich möchte auch Gruppensprecher werden. Ich kann gut anderen Kindern zuhören und mit denen spielen.“



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