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Nachricht vom 23.05.2009 - 17:30 Uhr    

Canto General begeisterte 900 Menschen

Pablo Nerudas Gedichtzyklus "Canto General" (Der große Gesang), in ein Oratorium verwandelt von dem griechischen Komponisten Mikis Theodorakis, riss in der neuen Kulturhalle in Wissen die Zuhörer mit. Dem Zauber dieser Darbietung erlagen rund 900 Gäste und für Klaus Schumacher, die Solisten, Musiker und den herrlichen Chor gab es minutenlangen Applaus.

Wissen. "Die Halle ist bei den Menschen angekommen, danke, dass Sie da sind", freute sich der Vorsitzende des Fördervereins Kulturwerk Wissen, Berno Neuhoff, und begrüßte rund 900 Gäste am Freitagabend. Sein besonderer Dank galt Klaus Schumacher, der das Projekt "Canto General" mit Solisten, Chor und Orchester in der Halle inszenierte. Im Jahr 2008 war das Projekt "Der große Gesang" (Canto General) entstanden und hatte bei den Aufführungen die Menschen begeistert.
Mehr als 900 Gäste in der Halle ließen sich fesseln und wollten am Ende mehr hören. Die rund 100 Mitwirkenden zeigten erneut eine beachtliche Leistung, die höchsten Ansprüchen gerecht wurde.
Die schönen Verse des Nobelpreisträgers Pablo Neruda, die vom Kampf Lateinamerikas gegen den Kolonialismus erzählen, wurden in einem Oratorium von Mikis Theodorakis während seines Exils in Frankreich vertont. Es entstand eine mitreißende Musik, in 15 Gesängen wird das Publikum auf den südamerikanischen Kontinent entführt. In den Gesängen entsteht das Bild des Werdens einer einzigartigen Welt, Flora und Fauna, aber auch die Menschen mit all ihren Hoffnungen und ihrem Kampf gegen Unterdrückung werden in Klangbildern lebendig.
Die deutsche Übersetzung des Epos aus mehr als 231 Gedichten des chilenischen Nobelpreisträgers wurde vom DDR-Lyriker Erich Arendt erstmals im Jahr 1953 im damaligen Verlag Volk und Welt veröffentlicht. Lange Zeit war es um das dieses aufrüttelnde Werk in der deutschen Öffentlichkeit still, in Lateinamerika genießt es seit vielen Jahrzehnten eine Verehrung ähnlich wie die Bibel. Mit der Schaffung des Oratoriums hauchte Theodorakis dem Epos ein Leben ein, das heute die Menschen in vielen Ländern der Erde begeistert und als Hommage an Neruda verstanden wird. Die Musik und die Gesänge führen nicht nur als Erinnerung in die Befreiungskämpfe des chilenischen Volkes zu Zeiten Nerudas und des Griechen Theodorakis gegen die Militärjunta, sie sprechen auch heute die deutliche Sprache gegen den weltweit zerstörerisch auftretenden Kapitalismus. Der große Gesang - er passte in die alte Halle mit ihrer Geschichte, dem Untergang und dem Aufbruch zu den neuen Zeiten perfekt.
Chor, Orchester und Solisten leisteten unter der Leitung Schumachers eine hervorragende Leistung. Mit viel Intensität, hohem künstlerischem Anspruch und Können agierten Laien und Profis - es war ein Genuss. Mezzosopranistin Milena Lenz und Bariton Martin Krasnenko als Solisten in den wechselnden Gesängen leisteten mit den Profis der Kreismusikschule und dem Projektchor erneut eine Aufführung, die höchstes Lob verdiente. Eine Pause im Programm ließ das Publikum nach draußen strömen und schon hier gab es die ersten begeisterten Kommentare. Aber auch die Ausstellung "Erde, Feuer, Stahl" der Künstler Karl Dieter Horn aus Bitzen und Hansjörg Beck aus Freusburg erregte Aufmerksamkeit. Horn hatte die Rennöfen angeheizt und das Feuer mit seiner Macht fasziniert immer. So auch bei den Objekten Becks, der in den unterschiedlichsten Formen Öfen angeheizt hatte, aber auch zum Spaziergang ins Labyrinth aus Eisencoils einlud.
Ob das rote Hemd von Klaus Schumacher als versteckte Hommage an Pablo Neruda zu sehen ist - wer weiß? Nach der Pause ging es im Canto weiter, und das einzige Stück ohne Chor als Loblied an seine Partei, an die Kommunistische Partei Chiles, der Neruda seit 1943 angehörte, wird allzu häufig missverstanden. Neruda, der Freund unter anderem Pablo Picassos, Salvador Allendes, Victor Jaras und Volodia Teitelboims, propagierte den "politisch aufrechten Gang" und so setzte Theodorakis auch die Musik. Nicht hymnisch und heroisch, eher verhalten erklingen die Töne und die Melodie. Das Requiem für Neruda stammt von Theodorakis, der dieses Stück dem Canto 1976 hinzufügte, drei Jahre nach dem Tod Nerudas. Es ist die Musik, welche die Seele rührt, traurig und doch hoffnungsvoll. Die Schönheit des Finales ließ das Publikum hoch konzentriert lauschen und am Ende brach sich langanhaltender Applaus den Weg. (Helga Wienand)
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Der Leiter des gesamten Projektes "Canto General", Klaus Schumacher, hatte den Applaus von rund 900 Gästen in Wissen mehr als verdient. Fotos: Helga Wienand



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