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Nachricht vom 11.04.2017    

Drohender Medizinermangel im AK-Kreis: Ärztinnen Teil und Lösung des Problems

Der Kreis Altenkirchen steuert auf einen drastischen Mangel an Hausärzten zu. Diese Prognose ist nicht neu, genauso wie diverse Projekte des Landkreises und der Verbandsgemeinden, diese Herausforderung anzupacken. Eine dritte Demografiekonferenz soll dem Kampf gegen den Medizinerschwund nun neue Schubkraft verleihen.

Die Teilnehmer der Pressezusammenkunft zur Vorstellung der der dritten Demografiekonferenz. Foto: ddp

Wissen/ Kreisgebiet. Unheilvolle Prognosen – sie laden zum Verdrängen ein oder können entmutigen. Im Fall des drohenden Medizinermangels hat sich der Kreis Altenkirchen bereits vor längerem gegen diese Optionen entschieden. Stattdessen: Problemanalyse; der Blick auf gelungene Projekte jenseits der Kreisgrenzen; erste eigene Initiativen wie die Gründungen eines Expertengremiums oder Zukunftswerkstätten auf Ebene der Verbandsgemeinden. So gut wie kein Kommunalpolitiker wird bestreiten, dass all dies nur der Anfang sein kann im Kampf um den Medizinernachwuchs. Wobei: Hier die männliche Form zu verwenden, wäre schon falsch. Denn es geht vor allem um Ärztinnen, wie auf einer Pressevorstellung nun deutlich wurde.

Die Kreisverwaltung informierte die Medien vorab über eine neue Auflage der Demografiekonferenz, die nächste Woche auf eine ähnliche Veranstaltung vom November 2014 aufbauen soll. Das, was damals galt, hat immer noch Bestand. In wenigen Jahren werde ein großer Teil der Ärzteschaft im Ruhestand sein, rief Landrat Michael Lieber (CDU) in der aktuellen Pressekonferenz vor Augen. Das Alter der Mediziner lasse sich nicht verändern, wohl aber könne an den Stellschrauben auf lokaler Ebene gedreht werden. Dazu soll auf der kommenden Demografiekonferenz ein „Netzwerk Hausärtzliche Versorgung“ gegründet werden. Außerdem soll dann eine Absichtserklärung vorliegen, unterschrieben von den Teilnehmern, worunter etwa die zuständige Landesministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) zählt.

Eine zentrale Rolle kommt offenbar Hans-Joachim A. Schade zu. Der Fachanwalt für Medizinrecht ist Experte, wenn es um Veränderungen von medizinischen Praxis-Strukturen geht. Er skizzierte für die Medienvertreter die Problemlage, die so ähnlich auch auf der Demografiekonferenz 2014 vorgestellt wurde. Grob steht der Landkreis vor folgenden Herausforderungen:

Seit der Jahrtausendwende sind tausende von medizinischen Studienplätzen weggefallen. Erschwerend kam die Einführung des Nummerus Clausus hinzu.
Die Patienten werden im Durchschnitt älter, was den Bedarf an ärztlicher Versorgung erhöht.
Immer mehr Frauen streben den Arztberuf an. 70 Prozent der Medizinstudierenden sind weiblich. Der stets abrufbereite Hausarzt, der sich für seine eigene Praxis aufreibt, wird damit immer mehr der Vergangenheit angehören. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, konkret zum Beispiel Teilzeitangebote, werden vom medizinischen Nachwuchs immer mehr eingefordert werden.
Der Medizinernachwuchs schlägt Wurzeln in größeren Städten.

Lautet die Lösung nun, Ärztinnen abzuwerben aus den Großstädten, damit sie sich im Landkreis häuslich niederlassen? Nicht ganz, folgt man dem Experten. Denn immer mehr junge MedizinerInnen seien dazu bereit, auszupendeln. Der Kreis Altenkirchen kann also Profit schlagen aus der Nähe zu Köln und Bonn. Was Ärztinnen aus dem Rheinland dazu motivieren soll, regelmäßig den Arbeitsweg nach Wissen oder Betzdorf anzutreten? Ein moderneres und angenehmeres Arbeitsumfeld in einer ländlichen Region, um es salopp zu beschreiben. Und das wird wahrscheinlich keine hausärztliche Praxis sein, wie man sie heute noch kennt, deutet man die Erklärung Schades.

Stattdessen: Medizinische Versorgungszentren, in denen die Ärztinnen als Angestellte arbeiten, möglichst mit Option auf Teilzeit und befreit von Verwaltungsaufgaben sowie Wochenenddienst. Eine technische Ausstattung für Telemedizin, also die ortsunabhängige Diagnose und Therapie, gehört ebenso dazu.
Das bedeutet nichts weniger als der Abschied von der Einzelpraxis, wie es Berno Neuhoff von der Regionalentwicklung des Kreises auf den Punkt brachte.

Laut Schade sind bestehende Praxen für das angestrebte Modell zu klein, Gemeinschaftspraxen kämen schon eher infrage. Und ein solcher Wandel könne nur in Schritten erfolgen, und dies innerhalb von zehn Jahren mit einem Vorlauf von zwei Jahren. Hilfe soll bei den Veränderungen eine Kooperation leisten, bestehend unter anderem aus Krankenhäusern, Gemeinden und Kreis.

Fest steht bereits, dass ein Imageportal für die potentiellen AuspendlerInnen ins Leben gerufen wird. Außerdem werden im Rheinischen Ärzteblatt Anzeigen geschaltet in Kooperation mit der Kreisärzteschaft, wie deren Obmann Dr. Michael Theis erklärte.

Zudem sollen Famulaturen, also die Praktika, die Mediziner in der klinischen Ausbildung machen müssen, gefördert werden. Diese Maßnahme wird von der Westerwald Bank und der Sparkasse Westerwald Sieg unterstützt. Deren Vertreter waren bemüht, Optimismus zu verbreiten. Wenn die Menschen erst einmal im Kreis seien, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie hier auch Wurzeln schlügen, so Dr. Andreas Reingen von der Sparkasse. Und Wilhelm Höser von der Westerwald Bank betonte, dass der drohende Ärztemangel ein „lösbares Problem“ sei. (ddp)

Programm der 3. Demografiekonferenz am Dienstag, 18. April, ab 18 Uhr im Kulturwerk Wissen:

17.30 Uhr
„Get-together“

18.00 Uhr
Begrüßung durch Landrat Michael Lieber
Moderation: Berno Neuhoff, Leiter Regionalentwicklung Kreis Altenkirchen

18.10 Uhr
Vortrag von Sabine Bätzing-Lichtenthäler,Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz:
„Gesundheitspolitische Maßnahmen und kommunalpolitische Handlungsmöglichkeiten für eine gesicherte hausärztliche Versorgung“

18.30 Uhr
Kurzvortrag
Laufende Aktivitäten und geplante Projekte zur hausärztlichen Versorgung im Kreis Altenkirchen

18.45 Uhr
Kurzvortrag von Rechtsanwalt Hans-Joachim A. Schade,Wiesbaden:
Aktuelles Praxisbeispiel Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf

19.15 Uhr
Podiumsdiskussion: „Perspektiven für eine gesicherte ärztliche Versorgung im Kreis Altenkirchen – Wie kann mittel- und langfristig der ärztliche Nachwuchs in der Region gesichert werden?“
Moderation: Prof. Dr. Rüdiger Jacob, Universität Trier
Teilnehmer:
Sabine Bätzing-Lichtenthäler,Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie;
Erwin Rüddel, MdB;
Hans-Joachim A. Schade, Rechtsanwalt;
Dr. Michael Theis,Obmann Kreisärzteschaft;
Dr. Andreas Bartels,Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz;
Abschlussmoderation
Berno Neuhoff und Prof. Dr. Rüdiger Jacob
Anschließend Ausklang der Veranstaltung mit Umtrunk

Anmeldung bitte bis zum 10. April 2017 an das Team der Kreisverwaltung Altenkirchen Regionalentwicklung:
Jennifer Siebert
Tel. 02681/81-2089 | Fax 02681/81-3904
Anmeldung per E-Mail an: jennifer.siebert@kreis-ak.de






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Kommentare zu: Drohender Medizinermangel im AK-Kreis: Ärztinnen Teil und Lösung des Problems

1 Kommentar

"Laut Schade sind bestehende Praxen für das angestrebte Modell zu klein, Gemeinschaftspraxen kämen schon eher infrage."
Dann bleibt zu hoffen, dass diese neuen Gemeinschaftspraxen BARRIEREFREI ausgestaltet werden, denn der Kreis Altenkirchen hat laut VdK mit die wenigsten barrierefreien Arztpraxen.

#1 von Dipl.-Päd. Manfred Wolter, am 11.04.2017 um 21:14 Uhr

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