Werbung

Region |


Nachricht vom 02.06.2009    

Mittelstand nicht sterben lassen

Wenn ein FDP-Politiker und Wirtschaftsexperte im Geburtsort von Friedrich Wilhelm Raiffeisen ein Plädoyer der Hilfe zur Selbsthilfe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hält, dann ist das nicht uninteressant. Der Kandidat um das Amt des Ortsbürgermeisters von Hamm, Detlef Klein, hatte seinen langjährigen Freund Rainer Brüderle eingeladen und er kam. Der Vortrag im Kulturhaus Hamm am Dienstagnachmittag war mehr als nur Wahlkampfhilfe, beide Männer verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft. Brüderle warnte vor zuviel Staat in den Belangen der sozialen Marktwirtschaft.

Hamm. Es ist eine Freundschaft, die schon jahrzehntelang hält und immer wieder auch prominente Bundespolitiker nach Hamm führt. Mit dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP (zugleich auch stellvertretender Vorsitzender des FDP-Bundestagsfraktion), Rainer Brüderle, und Detlef Klein ist das solch eine Freundschaft, die beide Liberalen auf ihren ganz unterschiedlichen Positionen pflegen. In diese Freundschaft ist auch Hans-Artur Bauckhage eingebunden, er kam ebenfalls zum Treffen der FDP Hamm, um die Freunde wiederzusehen und natürlich die Ziele liberaler Politik bis auf die örtliche Ebene zu transportieren.
FDP-Kandidat um das Amt des Ortsbürgermeisters ist Detlef Klein, der im Gruß an die Parteifreunde und Bürger deutlich machte, dass ihm Hamm am Herzen liegt. "Mit mir wird es keine Tunnellösung für 10 Millionen Euro als Ortskernentlastungsstraße geben", stellte Klein deutlich heraus. Diese Straße sei ein Traum bis heute, und man müsse sich angesichts von rund 7 Millionen Euro Gesamtschulden der Ortsgemeinde auf andere Lösungen besinnen. "Der Bau des Kreisels im Bereich der Lindenallee/Marktzentrum ist von allen gewollt, hier sind der Bund und der Kreis beteiligt, das kann sich die Ortsgemeinde leisten", sagte Klein. Mit Freude übergab er das Mikrofon an den Parteifreund. "Ich freue mich, dass Detlef Klein für das Amt des Ortsbürgermeisters kandidiert, er ist ein handfester Typ, der mit Engagement und Temperament für seine Heimatgemeinde eintritt", sagte Brüderle. Er warb in seiner Rede für eine hohe Wahlbeteiligung, nicht nur mit Blick auf die Kommunal-, sondern auch auf die Europawahl.
Brüderle ist in Berlin nicht nur stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfaktion, sondern auch wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion und deren Arbeitskreisleiter. Er artikulierte in Hamm auch seine Ansichten zur Banken- und Wirtschaftskrise. "Niemand weiß zurzeit genau, wie viel Geld genau verbrannt wurde, mit den sogenannten toxischen (wertlosen) Papieren, die die Bankenkrise und die jetzt folgende Wirtschaftskrise auslöste. Der Rettungsschirm für die Banken war richtig, aber der Staat muss jetzt auch wieder den Ausstieg finden", sagte Brüderle. Bislang habe weder die Bundesregierung noch die Bankenaufsicht Konsequenzen aus der Finanzkrise gezogen. Es fehle die Aufsicht. Brüderle erteilte Staatsbanken eine klare Absage.
Angesichts der aktuellen Krise der Opel-Werke sah der FDP-Wirtschaftsexperte ein schwieriges Feld, und das mit deutlich gemischten Gefühlen. "Wir dürfen nicht bei jedem Betrieb einsteigen, der in Schwierigkeiten geraten ist, wir wollen keine Staatsbetriebe", warnte Brüderle. Mit Blick auf die Diskussion um Arcandor meinte der liberale Politiker, dass hier erst einmal die Vermögen der Besitzer und die gesunden Betriebszweige gefragt seien, bevor der Staat die Steuerzahler belaste. Hier gebe es eine reiche Familie (Schickedanz) und einen gesunden Betriebszweig (Thomas Cook).
"Der Mittelstand stirbt leise in diesem Land, das kann nicht sein", schimpfte Brüderle und stellte die Arbeitsplätze und die Ausbildungsleistungen des Mittelstandes in den Fokus. Die Großkonzerne sorgten für den rasanten Arbeitsplatzabbau in Deutschland und weltweit. Er forderte deutliche Steuererleichterungen für die mittelständischen Betriebe aber auch für die Arbeitnehmer. "Die Abwrackprämie ist ein Strohfeuer, ebenso die Konjunkturprogramme der großen Koalition, wenn sie nicht zeitnah umgesetzt werden können. Wir brauchen die Belebung der Binnenkonjunktur, die Weltkonjunktur kann Deutschland nicht retten", so Brüderle. Brüderloe forderte Steuerentlastungen für die Bürger, die dann selbst entscheiden, ob sie ein Auto oder ein Möbelstück kaufen.
Harsche Kritik übte der Wirtschaftsexperte am deutschen Erbschaftssteuerrecht, das dazu führe, dass immer mehr Betriebe weggingen und sich in Österreich oder Schweiz niederließen. Brüderle forderte mehr Freiräume in Deutschland für Unternehmertum und innovative Ideen. "Wir sind hier völlig überreglementiert", so seine Kritik.
In der Diskussion kamen Themen wie die drohende Geldentwertung zur Sprache, das Thema Schwarzarbeit, es gab einen Streifzug durch aktuelle politische Themen aus der Sicht der Liberalen. Auch das Thema Wahlrecht für Ausländer kam vor, hier waren türkischstämmige Hämmscher im Publikum, die zwar gerne wählen möchten, dies aber nicht dürfen.
Dem offiziellen Ende folgte das persönliche Gespräche mit Brüderle, Bauckhage und Klein auf dem Synagogenplatz. Bürgermeister Rainer Buttstedt schaute vorbei und brachte ein Geschenk für Brüderle. Mann genoss den späten Nachmittag mit einem Frisch gezapften Bier, den leckeren Grillwürstchen und den Gesprächen. (hw)
xxx
FDP-Freunde seit vielen Jahren sind Rainer Brüderle, Detlef Klein und Hans-Artur Bauckhage (von links). Fotos: Helga Wienand


Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       
 


Kommentare zu: Mittelstand nicht sterben lassen

Es sind bisher keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

Beliebte Artikel beim AK-Kurier


Kreis Altenkirchen: Inzidenz fällt erneut - Corona-Lockerungen zum Greifen nah?

Die für Lockerungen und Erleichterungen der Pandemie-Maßnahmen ausschlaggebende Sieben-Tages- Inzidenz liegt im rheinland-pfälzischen Durchschnitt bereits deutlich unter 100. Im AK-Land fällt der Wert am Donnerstag, 13. Mai, gemäß dem Landesuntersuchungsamt nun auf 110,2.


Corona-Pandemie im AK-Land: 26 neue Infektionen am Mittwoch

Am Mittwoch meldet das Kreisgesundheitsamt 26 neue Corona-Infektionen. Aktuell sind 436 Personen im Kreis positiv auf eine Corona-Infektion getestet. Die Sieben-Tage-Inzidenz fällt gemäß Berechnung des Landesuntersuchungsamtes (LUA) Koblenz auf 130,4.


Auenlandweg wieder geöffnet: Ordnungsamt kontrolliert Falschparker

Seit Anfang Mai ist der Erlebnisweg Sieg „Auenlandweg“ nahe Wissen wieder für Besucher geöffnet. Die Kreisverwaltung Altenkirchen musste aufgrund der hohen Besucherzahlen und daraus resultierender Wegeschäden Maßnahmen ergreifen.
Besonders an Wochenenden ist der Auenlandweg stark frequentiert.


Verkehrsunfall: PKW kollidiert mit Wolf

Am Donnerstag, 13. Mai, kam es in der Mittagszeit im Kreis Altenkirchen zu einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 8 zwischen Kircheib und Rettersen. Im abschüssigen Waldgebiet kollidierte ein PKW mit einem plötzlich die Fahrbahn querenden Wolf.


Corona: Perspektivplan Rheinland-Pfalz beschlossen

Bündnis für sicheres Öffnen schaffen Hoffnung für Maifeiertage und Pfingstferien. Der Ministerrat hat sich am Dienstag, 11. Mai, mit Öffnungsperspektiven für die kommenden Wochen befasst und dabei die besondere Situation in Handel, Gastronomie, Tourismus, Kultur und Sport im Freien in den Fokus genommen.




Aktuelle Artikel aus Region


Steinigers Küchengruß: „Alles lecker macht der Maibaum“

Lieber Leserinnen und Leser,

vor sieben Wochen kam ich ziemlich lädiert ins Krankenhaus. Es hatte mich ganz schön die ...

Energietipp: Typische Wärmebrücken bei Altbauten dämmen

Region. Im Extremfall können diese Kältezonen auch eine Schädigung von Bausubstanz und Wohnklima durch Feuchte-, Frost – ...

Gut gerüstet für den Notfall: Der neue Notfallordner ist da

Altenkirchen. Im Rahmen einer coronakonformen Vorstellung dieses Notfallordners im Rathaus Altenkirchen informierten die ...

Verkehrsunfall: PKW kollidiert mit Wolf

Altenkirchen. Das ausgewachsene Tier verendete aufgrund seiner Verletzungen noch an der Unfallstelle. Der Kadaver wurde nach ...

Kreis Altenkirchen: Inzidenz fällt erneut - Corona-Lockerungen zum Greifen nah?

Kreis Altenkirchen. Am Donnerstag, den 13. Mai, meldet laut der Kreisverwaltung das Kreisgesundheitsamt mit Stand 13 Uhr ...

56 Jahre Städtepartnerschaft Betzdorf-Decize

Betzdorf/Decize. Für gewöhnlich hätte sich am frühen Christi-Himmelfahrtsmorgen eine Gruppe von etwa 70 Personen auf den ...

Weitere Artikel


100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Rosbach

Windeck-Rosbach. Am 13. und 14. Juni feiert Rosbach das 100-jährige Bestehen seiner Feuerwehr. An beiden Tagen wird ein buntes ...

Bald ein neuer Markt in Horhausen

Horhausen. "Bald rollen die Bagger", erklärte der Rengsdorfer Architekt Thomas Koch anlässlich des ersten Spatenstichs ...

Michael Thomas ausgezeichnet

Mudersbach. Der in Mudersbach wohnende Michael Thomas errang bei den Deutschen-Meisterschaften der Ü 30 im Judo den Deutschen ...

SPD-Politiker besuchten Heinrichshof

Burglahr. Einen Informationsbesuch stattete der Landtagsabgeordnete Thorsten Wehner gemeinsam mit Kommunal-Politikern aus ...

"Night of the Proms" in Gebhardshain

Molzhain. Die Molzhainer Dorfmusikanten starten in die diesjährige Sommerkonzert-Saison mit einem Konzertprogramm nach dem ...

"Erste Hilfe" machte viel Spaß

Flammersfeld. Zum sechsten Mal wurde in der Grundschule Flammersfeld der Kinderersthelfertag durchgeführt. 42 Kinder der ...

Werbung