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Nachricht vom 03.06.2017    

Preisträger des „Ideenwettbewerb Rheinland-Pfalz“ gekürt

Eine Idee ist die Basis einer jeden Innovation – aber nur, wenn sie auch den Weg aus der Schublade findet. Für den Ideenwettbewerb Rheinland-Pfalz 2017 haben wieder zahlreiche potenzielle Gründerinnen und Gründer den Schritt gewagt und sowohl spannende als auch innovative Konzepte eingereicht. Kürzlich fand die Ehrung in Koblenz statt.

Die Preisverleihung in Koblenz. Foto: Nicole Bouillon, Fotografie

Region. In Anwesenheit zahlreicher Stifter und Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wurden im Zentrum für Ernährung und Gesundheit der Handwerkskammer Koblenz die acht innovativsten Ideen der diesjährigen Ausschreibung prämiert. Der von der Hochschule Koblenz mitbegründete Wettbewerb ist Teil der Gründungsinitiative des Landes Rheinland-Pfalz, das mit vielen Projekten und Veranstaltungen ein attraktiveres Gründungsklima in Rheinland-Pfalz schaffen möchte. Der Präsident der Handwerkskammer Koblenz Kurt Krautscheid eröffnete die feierliche Veranstaltung gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Dr. Volker Wissing. Als Moderator führte Mathias Wollweber von der Eberle & Wollweber GmbH durch den weiteren Abend.

Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing gratulierte den Preisträgern sehr herzlich und wies in seiner Ansprache auf die hohe Bedeutung von Gründungen für die rheinland-pfälzische Wirtschaft hin: „Die heute ausgezeichneten Ideen zeigen eindrücklich das große Potential an Innovation, Ideenreichtum und Unternehmergeist in Rheinland-Pfalz. Der Ideenwettbewerb spielt eine wichtige Rolle wenn es darum geht, Gründungsbereitschaft zu wecken. Gründungen treiben die Wirtschaft voran. Deshalb unterstützen wir Existenzgründer und schaffen die richtigen Rahmenbedingungen für die jungen Unternehmen.“

Nach der Preisverleihung nutzten viele der Anwesenden die Gelegenheit, sich im Rahmen der Poster- und Prototypenausstellung ausführlich über die neuen Geschäftsideen zu informieren. Die Gewinnerinnen und Gewinner hatten so die Möglichkeit, persönliche Kontakte zu Wettbewerbspartnern und Stiftungsvertretern zu knüpfen.

Über die Geldpreise hinaus erwarten den Preisträgerinnen und Preisträgern professionelle Coaching- und Beratungsangebote zur möglichen Existenzgründung. „Denn die beste Idee bleibt fruchtlos, wenn sie an der Umsetzung scheitert. Marktstudien, Investorensuche, Prototypenbau - in der Realisierung einer Geschäftsidee steckt schließlich viel Know-how und harte Arbeit“, weiß Prof. Dr. Martin Kaschny von der Hochschule Koblenz, der den Ideenwettbewerb mit seinem Mitarbeiter Raphael Dupierry, M.Sc. leitet und begründet hat. Im Hinblick auf die Bewerberinnen und Bewerber der Ausschreibung 2017 bemerkt Raphael Dupierry positiv, dass das Thema Gründung immer öfter schon in den Schulen gelehrt wird: „Ganz besonders freuen wir uns über die zunehmende Anzahl der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler. Im Trend liegen dieses Jahr vor allem kreative technische Entwicklungen, verknüpft mit raffinierten Applikationen. Außerdem stellen wir bei den Einreichungen insgesamt einen hohen Innovationsgrad fest.“ Für die Jury dürfte es insofern nicht leicht gewesen sein, unter den 81 kreativen Ideen die acht Preisträgerinnen und Preisträger zu bestimmen.

Auf Platz eins landete in diesem Jahr der „StomaGuard“. Die zu Grunde liegende Idee ist eine Füllstandmessung am Auffangbeutel eines künstlichen Darmausganges in Kombination mit einer App, die den Träger beim Erreichen eines voreingestellten Füllstands benachrichtigt. Patrick Roth, Mitglied des dreiköpfigen Gründungsteams, beschreibt das Hauptproblem wie folgt: „Platzt ein Beutel ab, sind meist der Patient und das Bett mit Ausscheidungen kontaminiert. Wir möchten den ambulanten Patienten die psychische Belastung und die Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit nehmen“. Mit seinen Kollegen Jan-Hendrik Träger und Ingmar Fröhlich entwickelt er einen Sensor zur Messung des Füllstands. Dieser wird extern am Auffangbeutel befestig und verfügt über eine kabellose Schnittstelle zur Übermittlung der Informationen an ein Endgerät (Smartphone, PC, Tablet, Smartwatch). Der Warnhinweis der Applikation auf dem Endgerät ist durch den Anwender oder das Pflegepersonal individuell auf die Bedürfnisse des Stomaträgers einstellbar.

Die Zweitplatzierung erreichte eine innovative Idee aus Koblenz, entwickelt von Jürgen Marx, dem Geschäftsführer der Scanovis GmbH. „Das Unternehmen hat ein patentgeschütztes Laserscan-Verfahren in der Kriminaltechnik (Forensik) entwickelt. Mit dessen Hilfe lassen sich Fingerabdrücke auf Asservaten berührungslos sichtbar machen, das Ergebnis liegt dabei sofort digital vor.“ erläutert Jürgen Marx. Die Frage nach der Einzigartigkeit und den Vorteilen der Idee beantwortet Marx wie folgt: „Die betroffenen Oberflächen werden mittels eines computer- und lasergestützten Scanners systematisch auf die Abdrücke untersucht und im gleichen Arbeitsgang werden die Ergebnisse ausgewertet und elektronisch archiviert. Dabei ist die Methode den herkömmlichen Verfahren nicht nur in der Berührungsfreiheit mit hoher Abbildungspräzision weit überlegen. Die Kriminaltechniker beispielsweise, sind keinen gesundheitlichen Risiken mehr ausgesetzt, da keine aggressiven und krebserregenden Chemikalien und Pulver mehr verwendet werden müssen.“

Über den dritten Platz freut sich Abuzer Colak von der Colak Group GmbH aus Urmitz. Die Motivation hinter der Idee mit dem Namen „CT500“ war vor allem die Nachhaltigkeit und die Umweltfreundlichkeit: „Unsere Idee ist es, den Bioabfall im Volumen zu reduzieren und vor allem auch wieder verwendbar zu machen. Vor diesem Hintergrund entwickelten wir einen speziellen Biomassetrockner, welcher die Abfälle vollständig hygienisiert, geruchsneutralisiert, sowie in Tonnage und Volumen reduziert. Somit kann zum einen die erneute Nutzung erfolgen, zum anderen werden der Transport und die Entsorgung erheblich vereinfacht“. Biogasanlagen dienen zur Erzeugung vom Strom, Wärme und Kraftstoffen und bringen den Vorteil mit sich, mehrere Millionen Tonnen an Treibhausgasen zu vermeiden. Allerdings bringen Biogasanlagen auch Probleme mit sich, die Colak zu lösen weiß: „Durch die Nutzung von Biogas entstehen große Mengen an biogenem Abfall, der nicht mehr entsorgt werden kann. Daher werden alleine in Deutschland durchschnittlich etwa acht Millionen Liter flüssiger Biomasse circa 400 Kilometer bewegt, um dann auf Freiflächen entladen und verteilt zu werden. Außerdem stellt die zunehmende Belastung des Grundwassers ein weiteres, schwerwiegendes Problem dar. Mit der vorliegenden Erfindung können diese Kontaminationen reduziert bzw. komplett verhindert werden“.

Neben den drei besten Ideen bestand auch die Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler, sich unter den Top drei des Nachwuchssonderpreises zu behaupten. Platz eins des Nachwuchssonderpreises belegt der 14-jährige Luis Geissler vom Otto-Hahn-Gymnasium in Landau mit seiner Idee „Antistolperschuhe“. „Ich möchte etwas für sehbeeinträchtigte Menschen bauen, das ihnen hilft, sich sicher im Verkehr zu bewegen und sogar Treppen zu steigen“, beschreibt der Schüler seine Motivation. Darüber hinaus gewann Luis mit seinem Projekt auch schon den Landeswettbewerb von „Schüler experimentieren“.

Platz zwei des Nachwuchspreises belegt die Idee „Universal-Rescue-Board“ von Daniel Maas, Luis Geissler und Justin Rauchfuß. Sie haben ein Board entwickelt, welches Rettungseinsätze auf unsicherem Boden vereinfachen soll. Platz drei belegt Jan-David Johann mit seinen beiden Teammitgliedern Jan Reinhardt und Florian Gilges und der Idee „Beach Cleaner Noo-Noo“. Sie haben einen Roboter erstellt der eigenständig Strände abfährt, dort den Müll sammelt, diesen Müll mit einer integrierten Presse zerkleinert und wieder ablädt.

Darüber hinaus wurden noch die beiden Sonderpreise Mitarbeitersonderpreis und Startupsonderpreis vergeben. Über den Mitarbeitersonderpreis darf sich Michael Kleinebrahm von der Dr. Boy GmbH & Co. KG freuen. Seine Idee „Boy-Spritzblasen“ vereint zwei unterschiedliche Herstellungsverfahren innerhalb nur einer Maschine. Mit Unterstützung aus dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung und dem Land Rheinland-Pfalz wurde die Entwicklung dieses kombinierten Verfahrens zum Abschluss gebracht.

Den Startupsonderpreis hat die Idee „Fibrinnetz“ von Mirjam Schön erhalten. „Als ich in der Biologie zum ersten Mal von Fibrin hörte, war ich überzeugt, dass sich diese Substanz besser für jegliche Art der Wundbehandlung eigne als herkömmliche Verbandmaterialien. Ich begab mich auf die Suche und fand ein Produkt, Fibrinkleber, der diesen Sinn erfüllte. Leider entdeckte ich dabei, dass dieser zum größten Teil in Tuben oder Ampullen verwendet wird. Bei einem Notfall, etwa einem Autounfall oder einer starken Schürfverletzung, bei der die Haut flächenmäßig fehlt, ist der Hautkleber aus der Tube jedoch ungünstig. Orientiert an der imprägnierten Wundgaze, kam mir dann die Idee, dass der Hautkleber auch in solchem Format in jedem Verbandkasten zur Verfügung stehen sollte“, erläutert die engagierte Studentin ihre Idee.

Auch die nächste Bewerbungsrunde ab Mitte November 2017 ermöglicht Unternehmen, Schülerinnen und Schülern, Studierenden und allen anderen Rheinland-Pfälzern, sich mit kreativen Ideen für innovative Produkte, neuartige Dienstleistungen und Verfahren zu beteiligen. Interessierte finden weitere Informationen auf der Homepage unter www.ideenwettbewerb-rlp.de oder auf https://www.facebook.com/IdeenwettbewerbRLP.



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