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Nachricht vom 09.06.2017 - 08:53 Uhr    

Wirtschaftsempfang: „Staat muss mehr Aufgaben übernehmen“

Das Leben im Privatbereich wie im Betrieb werde immer komplexer. Deshalb müsse der Staat wieder mehr Verantwortung übernehmen. Die Forderung des Hauptredners auf dem diesjährigen Wirtschaftsempfang des Kreises entsprach nicht unbedingt dem typischen Bild eines Unternehmers. Über 300 Gäste hörten den Worten des Geschäftsführers von Georg Maschinentechnik zu.

Geschäftsführer von Georg Maschinentechnik, Jan Viesel, hielt die diesjährige Hauptrede auf dem Wirtschaftsempfang. Foto: Daniel Pirker

Altenkirchen/ Kreisgebiet. Manch einer unter den über 300 Gästen dürfte innerlich zumindest ein bisschen gezuckt haben beim Fazit der Hauptrede. Wie in jedem Jahr fand der Kreis-Wirtschaftsempfang statt, dieses Mal im Altenkirchener Autohaus Hottgenroth. Eingeladen hatten erneut die Wirtschaftsförderung des Kreises, die Regionalgeschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer in Altenkirchen, die Innungen und die Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Kreises Altenkirchen sowie die Wirtschaftsjunioren Sieg-Westerwald.

Unter den Gästen: viel Prominenz aus der Politik und vor allem Wirtschaft – so wie der diesjährige Hauptredner. Jan Viesel ist Geschäftsführer von Georg Maschinentechnik aus Neitersen. Sein Vortragsthema lautete „Mit dualer Ausbildung und Mitarbeiterbindung den Fachkräftemangel“ begegnen. Nun, den ersten Teil streifte der Diplom-Ingenieur nur am Rande, der zweite Teil wurde etwas abstrakter und gipfelte schließlich in einer für Wirtschaftsvertreter nicht unbedingt typischen Forderung. Da hätte Viesel eben die Büchse der Pandora geöffnet, fasste der Moderator des Abends Berno Neuhoff den Vortrag anschließend zusammen. Der Redner hatte vorher selbstbewusst und ehrlich festgestellt: „Wir brauchen die Lebensenergie der Menschen im Betrieb.“ Oder anders: Die Komplexität im Leben sollte sinken zugunsten der Komplexität in den Unternehmen. Der Staat hätte in der Vergangenheit den Bürgern immer mehr Eigenverantwortung aufgebürdet. Beispiele nach Viesel? Private Altersvorsorge; Entscheidungsdruck, welchen Telefon- oder Stromanbietervertrag man wählt oder der Zwang zur Mülltrennung.

Viesel zieht daraus den Schluss, dass der Staat wieder mehr Aufgaben übernehmen müsse – sinngemäß, damit der Mitarbeiter den Kopf für die sich stark wandelnde Wettbewerbswelt frei hat.

Immerhin kann der Ingenieur aus eigener Erfahrung sprechen, wie sehr die asiatischen Mitbewerber aufholen. Viesel hatte selbst eine Zeitlang in China gelebt. Umso mehr kommt es auf qualifizierte Mitarbeiter an. Nur: Es ist schwierig für Firmen in ländlichen Regionen „die richtig guten Leute“ zu locken. Davon konnten auch die Geschäftsführer des Autohauses, Sabine Hottgenroth-Voigt und Christoph Hottgenroth im Interview mit Neuhoff berichten. Und auch Viesel hat entsprechende Erfahrungen gemacht.

Sein Betrieb scheint aber nicht untätig zu sein, was die Bindung von Mitarbeitern angeht. Viesel stellte diverse Maßnahmen vor, unter anderem Trainingsangebote zur Stärkung der psychischen Widerstandsfähigkeit, Obst-Tage oder ein System, das den Krankenstand und die Kompetenzen der Mitarbeiter erfasst und damit entsprechende Rückschlüsse ermöglicht.

Untermalt von der italienischen Musik von Santino de Bartolo konnten sich die zahlreichen Gästen nach der Veranstaltung noch ausführlich im geselligen Teil nach dem offiziellen Programm mit den Thesen von Viesel beschäftigen. (ddp)




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Kommentare zu: Wirtschaftsempfang: „Staat muss mehr Aufgaben übernehmen“

1 Kommentar

Ganz offensichtlich unterliegt auch unser Wirtschaftssystem dem permanenten Wandel. Und das ist gut so. Das aber ein Unternehmervertreter mehr statt weniger Staat fordert scheint mir allerdings mehr als beachtlich. Haben wir nicht gerade in Deutschland gute Erfahrungen mit der Privatisierung gemacht? Wo ständen wir heute, wenn es noch die Bundespost, die Bundesbahn (dort ist ja noch mehr als genug Staatseinfluß im Spiel mit den sichtbaren Ergebnissen). Oder vielleicht einen staatlichen Autobauer?
Aber vielleicht hat Herr Viesel das nicht zu Ende gedacht. Ich denke, weniger Staat und mehr Privatwirtschaft ist - auch bei nicht ganz auszuschließenden Fehlentwicklungen - immer noch der bessere Weg . Dora Mettner - Wissen
#1 von Dora Mettner, am 10.06.2017 um 13:10 Uhr

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