Werbung

Nachricht vom 18.06.2017    

Schuldnerberatung fordert sichere Finanzierung der Arbeit

Die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung vom 19. bis 23. Juni beschäftigt auch das Diakonische Werk Altenkirchen. Die Zahl der Menschen mit gravierenden Schulden nimmt zu, der Teufelskreis aus Armut und Überschuldung macht krank. Wenn die Schuldenfalle zuschnappt, gibt es oftmals keinen Ausweg. Hier helfen die Schuldnerberatungen.

Symbolfoto: AK-Kurier

Kreis Altenkirchen. Einen Rechtsanspruch auf ausreichende, niedrigschwellige und offene Beratungsangebote für überschuldete Menschen fordert das Diakonische Werk Altenkirchen. „Wenn Menschen in finanzielle Not geraten, brauchen sie – unabhängig von der Einkommenssituation Unterstützung. Denn Überschuldung destabilisiert die Betroffenen in verschiedener Weise, nicht nur durch oft ungeklärte rechtliche, wirtschaftliche und soziale Fragen, sondern auch in psychischer und gesundheitlicher Hinsicht“, sagt Timo Schneider, Geschäftsführer des Diakonischen Werk anlässlich der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung vom 19 bis zum 23. Juni. Nicht selten entstehe ein Teufelskreis, den die Betroffenen oft ohne Begleitung nicht durchbrechen könnten.

Verschuldung ist kein Einzelfall. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AGSBV) haben 647.136 Personen wegen finanzieller Probleme im Jahr 2015 in einer der 1.400 Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Deutschland das Beratungsangebot in Anspruch genommen. Die Schuldenhöhe der beratenen Personen betrug durchschnittlich 34.400 Euro, was etwa dem 33-fachen ihres Monatseinkommens entspricht. Hauptursachen für die Überschuldung waren Arbeitslosigkeit, längerfristiges Niedrigeinkommen, gesundheitliche Probleme, Trennung oder Tod des Partners.

„Weitere gemeinnützige Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen müssten entstehen. Das ist notwendig, um – insbesondere im ländlichen Raum – den tatsächlichen Bedarf zu decken und lange Wartezeiten zu vermeiden.“ Notwendig sei auch der politische Wille, die finanzielle Kompetenz von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen zu entwickeln und zu stärken. Das helfe, die Problematik von Ver- und Überschuldung langfristig zu reduzieren. „Zudem muss die Finanzierung der Schuldnerberatung gesichert werden, damit dieses auf nachhaltige Stabilisierung zielende Angebot greift“, so Timo Schneider.

Ute Weber, Schuldner- und Insolvenzberaterin im Diakonischen Werk hält es zudem für erforderlich, den Schuldnerschutz zu stärken. Das 2010 eingeführte Pfändungsschutzkonto erfülle eine wichtige Schutzfunktion für Überschuldete. Bei der Umsetzung des Pfändungsschutzkontos habe es regional einige Probleme gegeben. Ute Weber fordert, darauf durch entsprechende Gesetzesänderungen zu reagieren, damit Schuldner und Beratungsstellen nicht unnötig belastet werden.

Aus ihrer Erfahrung in der Praxis hält es Ute Weber auch für notwendig, die bedarfsdeckende Existenzsicherung zu gewährleisten. Viele Ratsuchende, so die Beobachtung, seien in prekären Beschäftigungsverhältnissen sogenannte „Aufstocker“. Eine ganzheitliche, politikfeldübergreifende Strategie sei erforderlich, um insbesondere Armut von Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen. Und Ratsuchende mit niedrigem Einkommen dürften nicht länger gezwungen sein, bei größeren Reparaturen oder der Anschaffung einer Waschmaschine oder eines Kühlschranks Finanzierungsangebote zu nutzen oder Darlehen beim Jobcenter aufzunehmen. Ute Weber fordert zudem, dass der Anteil für Strom im Regelbedarf der Grundsicherung höher bemessen werden muss. „Die Grundversorgung mit Energie gehört zur Existenzsicherung. Die gestiegenen Kosten für Energie führen dazu, dass immer mehr Menschen mit niedrigem Einkommen ihre Strom- und Heizkostenrechnung nicht mehr bezahlen können und sich verschulden“, sagt die Schuldnerberaterin.

Schließlich müsse der Gesetzgeber eine Regelung finden, damit verschuldete Menschen, die Beitragsrückstände bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse oder in der privaten Krankenversicherung haben, dennoch Zugang zum Leistungsumfang der Regelversorgung erhalten. Zudem müsse es für so genannte Kleinselbstständige einen bezahlbaren Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung geben.

Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werks Altenkirchen findet in der Bahnhofstraße 28 in Altenkirchen, Telefon 02681-8008-20 und im Kirchplatz 8, 57548 Kirchen, Telefon 02741-9387-51 statt. Weitere Informationen erhalten Sie auch unter www.diakonie-altenkirchen.de und unter info@diakonie-altenkirchen.de.


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Altenkirchen-Flammersfeld auf Facebook werden!


Kommentare zu: Schuldnerberatung fordert sichere Finanzierung der Arbeit

Es sind bisher keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

Beliebte Artikel beim AK-Kurier


7-Tage-Inzidenz im Kreis steigt auf 93,9 – Virus-Mutation in Kita

Die aktuellen Fallzahlen zum Coronavirus im Kreis Altenkirchen mit Stand von Donnerstagnachmittag, 25. Februar: Das Infektionsgeschehen im Kreis bleibt diffus. Erneut steigt die Zahl der Gesamtinfektionen innerhalb eines Tages zweistellig, und zwar um 25 auf nunmehr 2479.


Verstöße gegen die Corona-Verordnung in Wissen

Im Rahmen der Streife überprüften Beamte der Polizeiinspektion Betzdorf am Mittwoch, 24. Februar, gegen 23 Uhr das Parkdeck des Bahnhofs Wissen. Hierbei konnte eine größere Personengruppe festgestellt werden.


Flüchtiger Quad-Fahrer will Polizisten überfahren in Daaden

Das war knapp. Bei einem Fluchtversuch wollte ein Quad-Fahrer in Daaden einen Polizisten überfahren. Der Beamte konnte zwar noch ausweichen, wurde aber vom Fahrzeug am Bein angestoßen. Die Festnahme konnte schließlich doch noch vorgenommen werden - und förderte Überraschendes zutage.


EAM schneidet Freileitungen mit „fliegender“ Säge frei

Im Landkreis Altenkirchen kommt derzeit erstmals im Auftrag des regionalen Energieversorgers EAM eine "fliegende Säge" zum Einsatz. In dem schwer zugänglichen Gebiet werden die 10-kV-Freileitungs-Trassen per Helikoptersäge freigeschnitten.


Standort für das neue Wissener Rathaus steht fest

Der Verbandsgemeinderat Wissen hat entschieden: Das neue Rathaus bekommt sein neues Areal direkt auf dem Platz hinter dem alten Rathaus. Damit wird sowohl allen harten und weichen Standortfaktoren Rechnung getragen. Kosten für eine Zwischenlösung werden gespart und es entsteht ein zentraler Platz direkt vor dem neuen Rathaus. Im ambitionierten Zeitplan soll bis Oktober der Zuschussantrag an das Land gestellt werden.




Aktuelle Artikel aus Region


SGD Nord: Land unterstützte Naturpark Rhein-Westerwald

Neuwied. Der Naturpark Rhein-Westerwald liegt wie alle anderen Naturparks des Landes im Zuständigkeitsbereich der Struktur- ...

Altenkirchen sucht neue Ansätze für Gestaltung des Baugebiets "Auf dem Eichelchen"

Altenkirchen Das Wesen von Baugebieten à la anno dazumal hat wohl ausgedient. Grundstücke nur mit Einfamilienhäuser zu bestücken ...

Westerwaldwetter: Dicke Pullover müssen wieder rausgeholt werden

Region. Diese Woche hat uns außergewöhnlich hohe Temperaturen beschert. Für Schlagzeilen sorgte jedoch der Saharastaub, der ...

7-Tage-Inzidenz im Kreis steigt auf 93,9 – Virus-Mutation in Kita

Altenkirchen/Kreisgebiet. Geheilt sind 2165 Menschen. Stationär behandelt werden 23 Personen aus dem Landkreis. 250 Frauen ...

Flüchtiger Quad-Fahrer will Polizisten überfahren in Daaden

Daaden. Am Mittwoch, den 24. Februar, wollte gegen 19.10 Uhr eine Streifenwagenbesatzung der hiesigen Dienststelle im Ortsbereich ...

Kriminalstatistik der Polizeidirektion Neuwied für 2020

Neuwied. Die Straftaten waren in 2020 bei der Polizeidirektion rückläufig. Für den Kreis Neuwied wurden 9.451 (-665) und ...

Weitere Artikel


Rückblick auf den 3. Raiffeisenlauf in Horhausen

Horhausen. Bei Kaiserwetter startete der 3. Raiffeisenlauf des TuS Horhausen 04 am Feuerwehrhaus in Horhausen. Erstmals beteiligte ...

U 14-Faustballer holten Landesmeistertitel

Kirchen/Molzberg Am Samstag, dem 10. Juni konnte die Faustball-Jugend U 14 des VfL mit den Spielern Jonathan Nix, Nico Elzer, ...

Hilfe für Krebspatienten und Angehörige

Region. An Krebs erkrankte Menschen brauchen oft mehr als fachlich gesicherte medizinische Versorgung. Vor allem bei seelischen ...

International Police Association im Landkreis berichtet

Betzdorf. Drei Aktivitäten innerhalb der vergangenen Woche haben die IPA-Verbindungsstelle Betzdorf im Landkreis Altenkirchen ...

Turmfalken sorgen für einen Einsatz der Feuerwehr Kirchen

Kirchen. Kürzlich wurde das Bürgerbüro im Rathaus Kirchen von Bürgern informiert, dass auf dem Turm der evangelischen Kirche ...

Service von Anfang an zahlt sich aus

Seit Anfang 2016 ist das Autohaus Siegel besonders stolz, sich als Silber-zertifizierter Betrieb von Nissan im Bereich Karosserie- ...

Werbung