Werbung

Nachricht vom 17.07.2017    

800 Jahre Kirchspiel Horhausen – Blick in das 13. Jahrhundert

Am Sonntagnachmittag konnten sich die Besucher der Ausstellung "Streiflichter der Vergangenheit", die im Kaplan-Dasbach-Haus Horhausen an diesem Tag offiziell eröffnet wurde, im Außenbereich in die Lebensweise und die Arbeitswelt jener Zeit zurückversetzen lassen. Einen faszinierenden Blick in das 13. Jahrhundert boten die Aussteller.

Ortsbürgermeister Thomas Schmidt (rechts) ließ sich von "Bader" Andreas Böhm die Arbeitsgeräte zeigen. Foto: kkö

Horhausen. Am Sonntag, 16. Juli wurde die Ausstellung „Streiflichter der Vergangenheit – 800 Jahre Horhausen“ offiziell eröffnet. Im Musikraum des Kaplan-Dasbach-Hauses (KDH) können Besucher sonntags von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr die Ausstellung besuchen. Nach Vereinbarung sind auch andere Termine möglich. Terminvereinbarung unter 02687/8370 oder 02687/926830, Veranstalter ist die Ortsgemeinde Horhausen.

Im Außenbereich des KDH hatten die Mitglieder der Gruppe „Tempora Nostra“ und befreundete Living-History-Gruppen die Möglichkeit geschaffen die Zeit des Mittelalters zu erleben und zu begreifen, wie die Organisatorin Gabriele Klostermann sagte. „Living-History, also gelebte Geschichte, heißt für uns möglichst authentisch die Arbeits- und Lebensweisen darzustellen“, so Klostermann weiter. Alle Beteiligten tragen die Kleidung der Zeit, die auch selber hergestellt wird. So werden die Stoffe für Kleider selber gewebt, gefärbt und dann verarbeitet.

Die Gruppenmitglieder legen Wert darauf, dass sie nicht in eine Rolle schlüpfen, sondern vielmehr Geschichte so nah wie möglich am Original zu zeigen. So wurden für die Garnrollen die Unterlagen aus jener Zeit sowie die Berichte über Funde von Gegenständen in London ausgewertet um sich Kenntnisse über die Herstellung zu verschaffen. „Bei unseren Veranstaltungen werden viele Fragen aufgeworfen aber auch beantwortet, dies ist natürlich gerade zu einem solchen Jubiläum passend, da wir das Zeitfenster um 1300 bearbeiten“, erklärte Klostermann.

Die Basis auf der sich die Gruppen bewegen ist durch historisch und archäologisch belegbare Fakten untermauert. Die Teilnehmer befassen sich mit der Rekonstruktion mittelalterlicher Kleidung und Gegenständen. Dazu gehören aber auch die Handarbeits- und Handwerkstechniken. Auch die zu jener Zeit sehr geringe Dichte von Ärzten und deren Honorarhöhe ist ein Bereich, der dem Besucher nahe gebracht wird. So zeigt Martin Böhm aus Bonn, im Zivilberuf Ingenieur der Nachrichtentechnik, die Gerätschaften des Baders. Dieser war im Mittelalter der für die "medizinische Grundversorgung“ Zuständige.



Böhm erklärte: „Der Bader war eigentlich der Chirurg des Mittelalters. Er zog Zähne, amputierte Gliedmaßen und war der Ansprechpartner des „einfachen Volkes“. Mediziner konnten sich nur die Herrschaften leisten. Zumal jemand der den Titel Arzt führen wollte, in Palermo eine Prüfung ablegen musste. Dies war zu jener Zeit eine Reise oder vielmehr ein Abenteuer. Zudem sehr kostspielig und zeitintensiv“.
Böhm zeigt auf seinem, natürlich nach überlieferten Techniken hergestelltem, Wagen unter anderem eine Knochensäge, Kautereisen, diese dienen dem Verschluss von Gefäßen, sowie Zangen und anderes zur Behandlung. Die Bezahlung bestand dann aus Naturalien.

Es wurden die Techniken des Spinnens, der Bearbeitung von Knochen (Gebrauchs- aber auch Schmuckstücke), die Schmiedekunst und einiges mehr gezeigt und auch erklärt. Bei vielen Dingen hatten die Besucher die Gelegenheit sich in den Arbeiten zu versuchen.

Gabriele Klostermann, im „zivilen Leben“ IT-Beraterin, befasst sich seit rund 20 Jahren mit der Mode des Mittelalters. „Auch in dieser Zeit war Kleidung ein Statussymbol. Der kleine und mittlere Adel konnte es sich leisten mehrere Kleider bei den Schneiderinnen zu bestellen. Das einfache Volk hatte eine Arbeits- und eine Festtagskleidung“, erzählte Klostermann. Auch hierbei achten die Schneiderinnen auf die Reproduktion nach alten Traditionen und Techniken.

Die Mitglieder und Freunde von „Tempora Nostra“ bedauern, dass es nicht mehr genug Veranstaltungen gibt, bei denen auf diese Form der Geschichtsvermittlung eingegangen wird. Böhm hierzu: „Die Budgets werden geringer es müssen publikumswirksame Darstellungen im Programm stehen. Wir hoffen dies mit solch kleinen Veranstaltungen ändern zu können“.

Das „Fenster in die Geschichte“ hat den Besuchern sehr gut gefallen und viele wünschen sich eine Wiederholung, wenn möglich noch in diesem Jahr. Es war hochinteressant und vor allem nicht so gedrängt und eng wie sonst auf Märkten ähnlicher Art, so viele Besucher. (kkö)


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Altenkirchen-Flammersfeld auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       
   


Kommentare zu: 800 Jahre Kirchspiel Horhausen – Blick in das 13. Jahrhundert

Es sind bisher keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

» zur Anmeldung

Beliebte Artikel beim AK-Kurier


EC-Kartenbetrug in Siegen und Herborn: Kripo sucht diese Frau

Die Kriminalpolizei Marburg sucht eine Frau, die unter dem Verdacht des Computerbetrugs steht. Es handelt sich offenbar um eine Täterin, die überregional agiert - etwa in Siegen und Herborn. Mehrfach soll sie zuletzt mit einer gestohlenen EC-Karte an mindestens zwei Geldinstituten in Biedenkopf Geld erbeutet haben.


Leserbrief zu „Werden Wölfe im Westerwald illegal abgeschossen?“

Die Pressemitteilung der Naturschutzinitiative, die wir am 12. Oktober veröffentlicht haben, hat für kontroverse Reaktionen gesorgt. Unser Leser Stefan Buchen hat zu dem Artikel nachfolgend Stellung genommen.


Übersicht zu 2G, 2G+, 3G und den Warnstufen: Was gilt wann?

Um einen erneuten Lockdown im Winter zu umgehen und dennoch einem Großteil der Bevölkerung ein normaleres Leben zu ermöglichen, hat sich bei den Optionen der Personen-Beschränkungen und der Definition der Warnstufen einiges getan.


Brand in Hasselbach forderte am frühen Morgen zwei Löschzüge

Am Samstag, dem 16. Oktober, wurden die freiwilligen Feuerwehren Mehren und Weyerbusch gegen 3.50 Uhr durch die Leitstelle Montabaur alarmiert. In Hasselbach war es in einem Nebengebäude zu einem Brand gekommen. Als die Hausbewohner das Feuer bemerkten, alarmierten sie umgehend die Feuerwehr über den Notruf.


Katharinenmarkt soll Corona-konform und sicher stattfinden

Nachdem der beliebte Katharinenmarkt im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, soll die über 500-jährige Tradition in diesem Jahr am 6. November wieder fortgeführt werden. "Absagen ist für uns keine Option", so Stadtbürgermeister Stefan Leukel.




Aktuelle Artikel aus Region


Riesenkürbis-Schätzspiel: „Ackerracker“ der Kita in Fürthen

Fürthen. Zunächst hatten die Kinder überlegt, wie man das Gewicht des Kürbisses bestimmen kann. Mit der Messlatte an der ...

Auf Suche nach Mitmachern: „Ehrensache: Betzdorf“ stellt sich Herausforderung

Betzdorf. In der Pandemie-bedingt ersten ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins „Ehrensache: Betzdorf“ seit über ...

Leserbrief zu „Werden Wölfe im Westerwald illegal abgeschossen?“

Region. Unser Leser schreibt: „Etwas zu schrill, etwas zu radikal, etwas zu verblendet: Die Naturschutzinitiative bleibt ...

Brand in Hasselbach forderte am frühen Morgen zwei Löschzüge

Hasselbach. Der Brandort befand ich im hinteren Teil eines Grundstückes hinter dem Wohngebäude. Die zuerst eintreffenden ...

EC-Kartenbetrug in Siegen und Herborn: Kripo sucht diese Frau

Region. Wer kennt die auf dem Foto abgebildete Frau? Die Kriminalpolizei bittet um Hinweise. Die Frau steht unter dem Verdacht ...

"Traumland" zu Besuch im Regionalladen Unikum in Altenkirchen

Altenkirchen. Gebrauchte Gegenstände können oft wiederverwendet und mit kleinen Handgriffen aufgewertet werden. So wird etwa ...

Weitere Artikel


Herrenmannschaft der Tennisfreunde feiert Aufstieg

Wissen. Die Herrenmannschaft der Tennisfreunde Blau-Rot Wissen ist in die C-Klasse aufgestiegen. Mit sechs Siegen aus sieben ...

Für Früherziehungskurs der KMS in Flammersfeld anmelden

Flammersfeld. Die „MusikFantasie“ für Kinder von 4 oder 5 Jahren bietet den idealen Rahmen für den Einstieg in die Welt der ...

Thomas Kagermann & Violunar auf dem Alten Markt in Hachenburg

Hachenburg. Er schenkt Hachenburg deutschsprachige Lieder und Balladen mit Tiefenwirkung, inspiriert von Anklängen christlicher ...

Bahn und Bundespolizei: Bahnanlagen sind kein Abenteuerspielplatz

Region. Endlich, die lang ersehnten Sommerferien sind da. Zeit, sich mit Freunden zu verabreden, die Seele baumeln zu lassen ...

Cheerleader aus Altenkirchen gewannen Deutsche Meisterschaft

Kürzlich nahmen die Heavenly Force Cheerleader aus Altenkirchen bei den Deutschen Cheerleader Meisterschaften in Hamburg ...

Frauenchor Bruche erlebte Kinotag

Betzdorf. Der Vorstand des Frauenchores Bruche hatte sich in diesem Jahr etwas ganz besonderes ausgedacht. Die aktiven und ...

Werbung