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Nachricht vom 29.06.2009    

Tag des offenen Friedhofs ein Erfolg

Es war eine außergewöhnliche Idee des Vereins Betzdorfer Geschichte: Der BGV betrat mit der Organisation eines Tages des offen Friedhofs absolutes Neuland. Aber es hat sich gelohnt: Fast 700 Besucher nahmen das Angebot an und wurden für ihr Kommen reichlich belohnt.

Betzdorf. Thematisches Neuland betrat der Betzdorfer Geschichte e.V. (BGV) mit dem ersten Tag des offenen Friedhofs. Da konnte sich zunächst kaum jemand etwas vorstellen. Selbst Bürgermeister Bernd Brato bestätigte, dass er auch skeptisch dem Thema gegenüber gestanden habe. Bei der Eröffnung am Sonntag gestand er aber auch, seine Skepsis sei mit der Vorstellung des Programms völlig geschwunden, das zusammen mit der Stadt Betzdorf, drei Betzdorfer Musikgruppen und drei mit dem Friedhof verbundenen Firmen durchgeführt werden sollte. Die Veranstaltung fand überwältigende Zustimmung und über den Nachmittag hin überzeugten sich etwa 700 Menschen vom Angebot des BGV. Das startete mit dem geschichtlichen Überblick zum Friedhof, informativ von BGV-Vorstandsmitglied Heinz Stock vorgetragen, nachdem die Valentins-Musiker ihre musikalische Eröffnung beendet hatten. Stock erinnerte an den seit 1868 bestehenden alten Friedhof auf dem Gelände des jetzigen Altenzentrums und der Schaffung des neuen Friedhofs am "Struthwäldchen" mit inzwischen über vier Hektar Gelände. Die 1929 erbaute Friedhofskapelle, die den Anforderungen der Zeit nicht mehr gerecht wurde, stellte die Denkmalschutzbehörde unter Schutz. Der Stadtrat Betzdorf beschloss eine Herrichtung als Gedenkstätte, auch für alle durch Krieg und Gewalt umgekommen Menschen. Die neue Ausmalung wurde von Gottfried Frings erläutert und manch ein Besucher sieht nun die alte Kapelle mit anderen Augen.
Der Posaunenchor des CVJM rief die Menschen zum jüdischen Teil des Friedhofs, wo der 17-jährige Gymnasiast Simon Rohner hervorragend vorbereitet die Geschichte des Friedhofsteils vorstellte. BGV-Mitglied Rohner beantwortete insbesondere die Frage, dass jüdische Gräber auf Dauer liegen blieben, sei im Glauben der Juden begründet und dies deshalb vom Staat so akzeptiert werde.
Im Friedenhain erinnerte BGV-Beiratsmitglied Hanns Göbel an dunkelste Stunden deutscher Geschichte und die vielen bekannten, aber auch unbekannten Soldaten, Zivilisten und die Bunkerkinder, die als Kriegsfolge ihr Leben verloren hätten. Zahlreiche seiner Informationen waren für die Zuhörer völlig neu.
Den Schlusspunkt setzte BGV-Vorsitzender Ernst-Helmut Zöllner, nach einem Musikvortrag der Stadtkapelle am Obelisken Julius Weber, mit der Erinnerung an zeitgeschichtlich wichtige Betzdorfer Bürger. Julius Weber war Gewerke, Presbyter und 1885 Gemeinderatsmitglied, das den Antrag auf Gründung der Bürgermeisterei Betzdorf mit unterschrieb sowie Stifter der blaugrundigen Uhr am damals noch hohen Kirchturm der evangelischen Kirche. Weiter stellte Zöllner die Lebensläufe vom Künstler Franz-Josef Magnus, des Superintendenten Wilhelm van der Zwaag, der Fabrikantenfamilie Heinrich und Kurt Nickel, des bekannten Destillateurs Rudolph Schneider, des Amtsbürgermeisters Franz Diffenhard, des 1945 von den Amerikanern eingesetzten Bürgerbeauftragten Wilhelm Hundertmark, der bis zur ersten Bürgermeisterwahl in schwerer Zeit als Mann ohne "braune Vergangenheit" bis Mitte 1946 kommissarischer Gemeindechef blieb. Der Rundgang, der zahlreiche Zuhörer mit interessanten Neuigkeiten konfrontierte, endete an der Gruft der Familie Wolf und die Erinnerung an August und Gregor Wolf.
Das Bestattungsunternehmen Henning Himmrich präsentierte Beerdigungsmöglichkeiten, zeigte eine historische Beerdigungskutsche und das Blumengeschäft Heidi Kappes komplettierte alles mit wunderschönen Blumenarrangements. Steinmetzmeister Bernd Hilger zeigte eine unterschiedliche Auswahl von Grabsteinen, Beschriftungen und weiterem Steinschmuck für Gräber. Von vielen Besuchern wurde das Angebot der Stadt gerne angenommen, näheres von Markus Zimmermann zur Betzdorfer Friedhofssatzung zu erfahren.
Eine ungewöhnliche BGV-Idee wurde von allen Beteiligten überzeugend umgesetzt, von einigen hundert Besuchern gerne angenommen und Vorsitzender Zöllner stellte in Aussicht, dass dies in einigen Jahren mal wiederholt werden könne.
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Foto: Das Programm des Tag des offenen Friedhofs wurde von den Valentinsmusikern eröffnet.


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