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Nachricht vom 21.09.2017    

Projekt zum Artenschutz an der Nister vorgestellt

Die Nister bietet eine große Artenvielfalt, die es zu schützen gilt. Aus diesem Grund startet ein neues Artenschutz-Vorhaben unter der Trägerschaft des Kreises Altenkirchen in Kooperation mit weiteren Kreisen, Kommunen und Institutionen.

Die Verantwortlichen für das Projekt INTASAQUA informierten über das Vorhaben zum Artenschutz an der Nister. Fotos: Regina Steinhauer

Wissen. Die Nister und ihre Nebengewässer beheimaten viele, zum Teil sehr seltene, Tierarten wie den Lachs, die Bachmuschel und die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel. Diese Arten sind auf intakte Strukturen und eine gute Wasserqualität angewiesen. In den vergangenen Jahren war allerdings eine stetige Verschlechterung der Gewässerqualität zu beobachten und das nicht nur an der Nister, sondern auch an vielen vergleichbaren Gewässern in Deutschland.
Es existieren bereits zahlreiche Bemühungen, die Nister und ihre Bewohner zu schützen, unter anderem der Abschluss des Nistervertrages im Frühsommer 2017 oder ein von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördertes Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Verbesserung der Gewässerqualität durch Biomanipulation.

Nun wurden vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Voruntersuchungen zu einem von der Universität Koblenz-Landau beantragten Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben zum integrativen Artenschutz bewilligt. Ehrenamtliche Gewässerschützer der Arge Nister e.V. hatten das Projekt „Integrativer Artenschutz aquatischer Verantwortungsarten an der Nister (INTASAQUA) gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität entwickelt.

Aus diesem Grund haben die Verantwortlichen zu einer Vorstellungsveranstaltung des Projektes in die Gaststätte „Hahnhof“ eingeladen.
Hierzu begrüßte Landrat Michael Lieber alle Experten und Interessierten. Über das Vorhaben informierten Andreas Krug, Abteilungsleiter „Integrativer Naturschutz und nachhaltige Nutzung“ des Bundesamtes für Naturschutz, Dr. Ulrich Kleemann, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord sowie der Dekan des Fachbereiches Mathematik/Naturwissenschaften der Universität Koblenz-Landau, Prof. Dr. Stefan Wehner.
Über das Projektvorhaben informierte Dr. Carola Winkelmann von der Universität Koblenz-Landau, Dr. Dirk Hübner vom Büro für fisch- und gewässerökologische Studien Marburg präsentierte ein Artenportrait der Flussperl- und Bachmuschel und Manfred Fetthauer, der Vorsitzende der Arge Nister und „Vater“ des Projekts, gewährte einen Einblick in die Artenvielfalt der Nister.

Ziel des Projektes ist es, neben der Erhaltung der Flussperlmuschel, eine Kombination verschiedener Schutzmaßnahmen zu erproben, um die Habitatqualität nachhaltig zu verbessern. Dadurch soll die außerordentlich hohe Biodiversität an der Nister erhalten und entwickelt werden. Die Besonderheit der Vorhabens ist der integrative, der darauf abzielt, nicht nur einzelne Arten zu schützen, sondern die ökologische Qualität des Gewässers insgesamt zu verbessern. Davon profitieren letztendlich alle in der Nister heimischen Arten. Gleichzeitig können die Ergebnisse auf andere Fließgewässer mit vergleichbarer Situation übertragen werden.



In der im Mai begonnenen Voruntersuchung finden durch die Universität Koblenz-Landau und die Technische Universität München zunächst Geländeuntersuchungen statt, um den aktuellen Zustand der Nister genau zu charakterisieren. Auf dieser Grundlage werden die konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumqualität in Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Behörden, Anwohnern und Nutzern entwickelt. Die Maßnahmen sollen dabei nicht nur direkt im Gewässer ansetzen, sondern auch die Entwicklung des Gewässerumlandes beinhalten, um den Eintrag von Boden und Nährstoffen zu reduzieren. Sowohl die feinen Bodenpartikel (Feinsedimente) als auch die Nährstoffe tragen dazu bei, die Gewässersohle zu verstopfen. Dadurch können diese für viele Tiere wichtigen Lebensräume im Gewässergrund nicht mehr ausreichend mit frischem, sauerstoffreichem Wasser durchflossen werden. Die Entwicklung und Ausbreitung der Tierpopulationen wird dadurch verhindert. Diese als Kolmation bezeichnete Abdichtung der Gewässersohle wurde bisher als eines der wichtigsten Probleme für das Überleben der bedrohten Arten an der Nister und an ähnlichen Flüssen identifiziert.

Bis Ende 2018 soll in Kooperation aller Beteiligten der Antrag für ein dreijähriges Hauptvorhaben entwickelt und eingereicht werden, in dem die praktische Umsetzung und Erprobung des Maßnahmenkonzeptes geplant ist. Als Projektträger soll der Kreis Altenkirchen fungieren, der durch den Westerwaldkreis und einige am Nistervertrag beteiligte Verbandsgemeinden unterstützt wird. Neben der beim BfN zu beantragenden Förderung im Umfang von maximal 66 Prozent der Projektausgaben hat das Land Rheinland-Pfalz bereits eine finanzielle Beteiligung zugesagt. Die verbleibenden Mittel wollen die beiden Landkreise mit Unterstützung der Verbandsgemeinden Hachenburg, Hamm, Altenkirchen, Wissen und Gebhardshain einbringen. Parallel zur praktischen Erprobung soll eine wissenschaftliche Begleituntersuchung den Erfolg der umgesetzten Maßnahmen ermitteln.

Es wird davon ausgegangen, dass dieser integrative ökologische Ansatz unter Einbeziehung verschiedener Interessengruppen bei der Umsetzung der Maßnahmen ein wichtiger Schritt für die Erhaltung der Artenvielfalt an der Nister ist, aber auch ein Beispiel für andere Gewässerschutzprojekte sein kann.


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