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Nachricht vom 13.10.2017    

Verein "Die Brücke" stellte neues Hilfe-Projekt vor

Gewalt in engen sozialen Beziehungen ist ein brisantes Thema, lange Zeit ignoriert und vor der Öffentlichkeit ausgeblendet. Der Verein "Die Brücke" bekannt aus dem Bereich der Jugendhilfe hat nun sein Angebot erweitern können. Dabei geht es um Täterarbeit contra häusliche Gewalt und richtet sich gewalttätige erwachsene Männer.

Stellten das neue Projekt der Öffentlichkeit vor, von links: Dipl.-Sozialarbeiterin Kerstin Stahl, Dipl.-Sozialpädagoge Ralf Kohlhaas und Oberstaatsanwalt Harald Kruse sowie Rechtsanwältin Nicole de Fries-Nickol. Foto: Gaby Wertebach

Betzdorf. Seit 10 Jahren besteht die „Täterarbeit - Contra Häusliche Gewalt“ in Rheinland-Pfalz, die in der nächsten Woche auch anlässlich eines Festaktes in Mainz gewürdigt wird. Der Verein „Die Brücke“ kümmert sich um straffällig gewordene Jugendliche und Heranwachsende und damit um fast alle Auflagen und Weisungen die Richter oder Staatsanwalt den straffällig gewordenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen verhängen kann. Unter anderem werden aber auch verschiedenste Gruppen angeboten wie Anti-Gewalt-Training (Boxen), Schulprojekte zum Thema Gewalt oder auch Prävention gemeinsam mit der Polizeiinspektion Betzdorf. Jetzt gibt es ein neues Projekt, das der Öffentlichkeit vorgestellt.

Langjährige Gewalt in engen sozialen Beziehungen und in der Familie gibt es viel. Die Thematik ist ein Brennpunkt, ein Problem, das lange Zeit ignoriert wurde. Die Täter kommen aus allen Altersgruppen, allen Schichten. Die häusliche Gewalt belastet und schadet allen Beteiligten und ist meist kein einmaliges Ereignis, Häufigkeit und Intensität eskalieren in vielen Fällen. Die Kinder sind immer mitbetroffen und oft schwer traumatisiert.

Jetzt hat die Geschäftsstelle des Vereins „Die Brücke Altenkirchen“ in der Friedrichstraße 17 in Betzdorf ihre Aufgaben in der Jugend- und Straffälligenhilfe um einen wichtigen Baustein, ein Angebot der Hilfe für gewalttätige, erwachsene Männer, erweitern können. Der gemeinnützige Verein ist seit dem 1. Oktober 2017, gefördert durch das Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz, eine von neun Einrichtungen „Täterarbeit Contra häusliche Gewalt!" in Rheinland-Pfalz und berät in Fällen von häuslicher Gewalt.

„Wir haben uns bereits lange mit dem Thema Täterarbeit beschäftigt“, erklärte Diplomsozialarbeiterin Kerstin Stahl bei der Vorstellung der Erweiterung des Angebotes in Anwesenheit des leitenden Oberstaatsanwaltes Harald Kruse, der Rechtsanwältin und Gründungsmitglied der Brücke, Nicole de Fries-Nickol und dem Diplom-Sozialpädagogen Ralf Kohlhaas. „Die Brücke“ hat sich beworben, als es die Möglichkeit der Aufstockung in der Täterarbeitseinrichtung im nördlichen Rheinland-Pfalz gab und den Zuschlag bekommen.

Diese Täterarbeit richtet sich explizit an jugendliche Heranwachsende und an Männer die Gewalt in der Partnerschaft ausüben, das heißt ihre Partnerin körperlich angegangen sind. Sie haben die Möglichkeit einen Kurs zu besuchen der anfänglich in vertraulichen Einzelgesprächen in geschlechterparitätischer Besetzung mit Diplom-Sozialpädagogen als Vorbereitung auf das daran anschließende Gruppentraining - geschlossene oder halboffene Gruppen, die über einen Zeitraum von ca. 5 bis 6 Monaten (10 - 12 Personen) stattfindet und über einen Zeitraum von insgesamt 20 bis 25 Abenden läuft.

Es hat sich gezeigt, dass es bereits durch den Besuch des Kurses zu einer eklatanten Verringerung von Gewalttaten kommt. Bisher bot dieses Angebot nur der Verein "Bewährungshilfe" in Koblenz an. Der in Betzdorf angebotene Kurs richtet sich an die Zielgruppe aller in Rheinland-Pfalz lebenden Männer ab 18 Jahre, die keine Möglichkeit haben nach Koblenz zu kommen. Ob Selbstmelder, die sich direkt an „Die Brücke“ wenden, ob beim Polizeieinsatz, wo die Beamten den Täter über den Kurs informiert, oder auch mittels einer entsprechenden Auflage, etwa im Rahmen eines Bewährungsplanes im Strafverfahren, all dies kann hilfreich sein um weitere Folgen von Gewalt zu vermeiden.



Auch die Familiengerichte, die allerdings eher einen empfehlenden Charakter haben, können bei häuslicher Gewalt “Die Brücke“ informieren wenn es um die Sorgerechtsentscheidung geht. "Laut Forschungen neigen Kinder, in deren Familien Gewalttätigkeit herrscht, später ebenfalls sehr stark dazu. Deshalb ist es ein sinnvoller Ansatz zu sagen: man unterbricht diese Vererbung“, sagte Oberstaatsanwalt Kruse. "Wenn man sich die Täterprofile ansieht, so sind die Täter häufig Männer die nicht gelernt haben mit Konflikten umzugehen, zu argumentieren. Diesen Männern bietet man ein Angebot, dass es ihnen ermöglichen soll zu erspüren was in ihnen vorgeht, Wege zu gewaltfreier Konfliktlösung zu finden. Die eher unterschwellige Methode zu sagen:“ Sieh zu, dass du was tust, dass sich das nicht wiederholt, ist ein erfolgversprechenderer Weg als 90 Tagessätze. Die muss der Täter dann bezahlen und das belastet die Familie zusätzlich“.

Fakt ist, es muss eine Umprogrammierung im Bewusstsein geschaffen werden. Natürlich muss der Täter ein gewisses Maß an Bereitschaft mitbringen und aus freiem Antrieb teilnehmen wollen. Wenn im Rahmen der Verfahren die stattfinden bezüglich Umgangsrecht und Sorgerecht bei Kindern in der Familie Gewalt eine Rolle gespielt hat, dann gibt es in der Regel familienpsychologische Gutachten. Es wird seitens des Familiengerichts gegenüber dem gewalttätigen Elternteil ein Druck aufgebaut: “Wenn du mit deinem Kind wieder einen geregelten Umgang haben willst, dann musst du was tun“, erläuterte Rechtsanwältin de Fries-Nickol. Da ist das kostenlose Angebot vor Ort, das seit dem kurzfristigen Bestehen auch schon einmal in Anspruch genommen wurde, eine tolle Möglichkeit.

Für Oberstaatsanwalt Kruse ist es ein großes Anliegen, die Täterarbeit flächendeckend anbieten zu können und er zeigt sich erfreut in dem Verein „Die Brücke“ einen traditionellen und starken Kooperationspartner zu haben. Vorstandsmitglied Nicole de Fries-Nickol sieht ebenfalls die Verpflichtung etwas im Präventivbereich zu machen: “Es ist schön, dass wir im nördlichen Rheinland-Pfalz aus diesem stiefmütterlichen Dasein rauskommen“. Bis Ende 2018 läuft die landesweite Bewilligung des Projektes.
Information oder Teilnahme am Programm unter Telefon 02741- 933010 oder per Email info@bruecke-altenkirchen.de. (gw)


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