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Nachricht vom 25.10.2017    

Herausforderungen für Unternehmen im Zuge der digitalen Transformation

Dr. Oliver Bohl, Direktor für digitalen Vertrieb der KFW Bankengruppe, referierte am Dienstagabend, den 24. Oktober über das Thema „Digitale Transformation und Finanzierung“ beim siebten WWLab Gründertalk in Betzdorf. Die Bedürfnisse von Konsumenten haben sich in den letzten Jahren durch den digitalen Wandel drastisch verändert. Unternehmen müssen endlich nachziehen.

v.l. Referenten Tim Kraft, Dr. Susanne Kolb, Dr. Oliver Bohl und Veranstalter Hartmut Lösch diskutierten über Startups, das Bankenwesen und die Digitalisierung beim siebten WWLab in Betzdorf Foto: jkh

Betzdorf. „Wer hätte mal gedacht, dass ein Startup, wo man sich in 140 Zeichen ausdrücken muss, ein so erfolgreiches Unternehmen wird. Vor einigen Jahren noch hätten dies wohl alle eine dumme Idee genannt, die man niemals in Anspruch nehmen würde“, begann Tim Kraft von der Wirtschaftsförderung, auf der mehrmals im Jahr stattfindenden Veranstaltung in Betzdorf, die von Hartmut Lösch ins Leben gerufen wurde. Natürlich spielt Kraft auf das Unternehmen „Twitter“ an.

Beim siebten WWLab Gründertalk am Dienstag, den 24. Oktober kamen zahlreiche Interessierte, um Wissenswertes aus erster Quelle rund um Startups zu lernen. Zum zweiten Mal kam dafür Dr. Oliver Bohl, Direktor für digitalen Vertrieb der KFW Bankengruppe nach Betzdorf. Er sprach über „Digitale Transformation und Finanzierung“. Kontext ist die Veränderung der Gesellschaft durch die Digitalisierung und die damit einhergehende Bedarfsänderung der Kunden. Dabei versuchte Dr. Bohl die Frage zu beantworten wie Unternehmen mit den Herausforderungen umgehen sollten. Des Weiteren stellte Dr. Susanne Kolb den Siegerlandfonds für Gründer vor.

Dr. Oliver Bohl freute sich, dass so Viele zum WWLab gekommen waren. Er hatte unglaubliche 208 Folien für seine Präsentation vorbereitet. Diese wolle er so schnell wie den Wandel der Digitalisierung durchgehen. Es folgte ein überraschend moderner und frischer Vortrag, der die Meisten zum Nachdenken anregte.

Bohl zeigte auf, dass die Digitalisierung nicht erst gestern daherkam, sondern eine lange und mühselige Vorbereitungszeit hatte, bis sie für jedermann in Form eines Smartphones einfach zugänglich wurde. Bereits seit 1987 konnte man durch einen C64 online sein und mobil war man schon 1993 mittels dieser riesigen Handy-„Knochen“ mit den langen Antennen, die zum Abbrechen neigten. Jedoch gab Bohl zu, kein digitaler „Native“ zu sein, sondern eher ein Immigrant, da er nicht mit der heutigen Technologie aufgewachsen ist, sondern den Umgang erlernt hat. Dennoch ist er somit wenigstens kein „Tourist“ auf dem Gebiet, wie manch einer noch, der sich der heutigen Möglichkeiten weitesgehend verweigert. Schließlich denken noch viele Unternehmer, dass die Digitalisierung nicht gebraucht wird.

Diese Gruppe ist der Meinung, dass der Markt der Internetnutzung gesättigt ist und daher kein Wachstum aufweist. Für Dr. Bohl stellt die Nutzung des Internets jedoch die Basis dar. Die Digitalisierung ist schließlich immer zu im Wandel. Einst war der Fernseher das Hauptaugenmerk im Wohnzimmer, dann wurde es der Laptop auf dem Schoß. Mittlerweile ist auch dies veraltet und das Smartphone gewann die Oberhand. Die Kommunikation findet heute fast ausschließlich über das Smartphone statt. Selbst in Bars oder Restaurants sieht man Leute, die an einem Tisch sitzen und ihr Smartphone anschauen anstatt den Gegenüber. „Wenn heute die Titanic nochmal sinken würde, würden alle ihr Smartphone hochhalten.“, sagte Bohl. Wohin diese Entwicklung noch führen wird, bleibt offen.

Da sich die Lebensweise der Gesellschaft sehr gewandelt hat, muss man auch die potentiellen Kunden mit ganz anderen Augen sehen. Neun von zehn Bankkunden informieren sich nun online und nicht mehr persönlich beim Banker um die Ecke. Darüber hinaus kommt hinzu, dass die Kunden viel anspruchsvoller geworden sind. Schließlich haben sie jetzt schon ein "Schweizer Taschenmesser auf ihrem Smartphone" zur Verfügung. Für alles gibt es eine App. Dies bedeutet wiederum, dass die Komplexität und Vielfalt mit jeder App steigt. Auf dem Homescreen ist jedoch nicht für so viele Apps Platz und eine zweite Seite anlegen, möchte man lieber auch nicht. Deshalb bleiben letztendlich nur fünf Prozent der Apps, die man ursprünglich installiert hat, am Ende des Jahres übrig.

Bei der Entscheidung welche App den größeren Nutzen hat, legt die sogenannte „GafA“ die Messlatte fest. Der Begriff besteht aus den Anfangsbuchstaben der größten und dominanten Internet-Konzerne der heutigen Zeit: Google, Amazon, Facebook und Apple. Auffällig ist, dass alle amerikanische Firmen sind. Wie sollen die Unternehmen des in Relation gesehene sehr kleine Deutschland mit geringer Marktkapazität nur dagegen halten? Dies interessierte auch die Gäste des WWLabs. „Netzwerke generieren.“, antwortet Dr. Bohl prompt. „Es braucht einfach einen gewissen Wums.“, so Bohl weiter. Das Problem ist nur, dass die Einzelhändler auch den Willen haben müssen zusammen zu arbeiten. Dennoch sollte man die Schlechtleistung des Einzelhändlers auch nicht unterstützen. Bohl nannte dafür einige Beispiele aus seinem Privatleben. "Dies soll natürlich nicht herzlos klingen.", fügte er hinzu.

Weiter wollen Kunden nicht lange nach Lösungen suchen müssen. Sie wollen eine sofortige und allumfassende Lösung. Zudem sind Kunden nicht mehr so loyal wie früher. Durch Vergleichsportale wird eher das beste und günstigste Produkt unabhängig vom Anbieter, statt einer lebenslangen Beziehung bevorzugt. Heute macht man eben das sogenannte „Cherry-Picking“ - auf Deutsch: Rosinen picken. Deshalb ist die „Customer Centricity“ für Unternehmen jeder Branche überaus wichtig. Dies sehen in Umfragen auch 85 Prozent genauso. Doch die gelebte Kundenorientierung liegt Studien zufolge bei gerade mal 40 Prozent.

Umso mehr ist die Bildung einer Gemeinschaft von Bedeutung. Dadurch kann eine vollumfängliche Lösung viel einfacher für den Konsumenten gefunden werden. Als Beispiel nahm Dr. Bohl einen Umzug. Man sucht nach einer neuen Wohnung. Hat man eine gefunden, braucht man eventuell ein Umzugsunternehmen und so weiter. Somit gibt es Internet-Portale, die alles in einem Paket anbieten.

Einen Masterplan wie Unternehmen mit der Digitalisierung und der einhergehenden Veränderung der Kunden-Bedürfnisse umgehen sollen, hätte er nicht, betonte Dr. Bohl, doch vier Punkte wolle er den Gästen des WWLabs gerne mitgeben. Erstens kein Tourist, sondern ein Immigrant im Umfeld der Digitalisierung zu werden. Zweitens „Take the blue pill“ im Sinne des Films Matrix. Drittens sollte man vom Kunden her denken und an dem arbeiten, was diesen begeistert. Zu guter Letzt ist die Zusammenarbeit wichtig, um erfolgreich etwas Großes zu gestalten.

Dabei muss man vor allem die Mitarbeiter im Rahmen des Change-Managements mitnehmen. Das ist ein Vorteil von Startups, unterstreicht Dr. Bohl. Sie sind neue Spieler am Markt sowie agil und schnell, ohne Altlasten dabei tragen zu müssen. Die KFW fördert Gründungen finanziell. Darüber hinaus plant das Unternehmen ein Inovation-Lab mit einer Gründerplattform.

Anschließend stellte Dr. Susanne Kolb vom Siegerlandfonds sich und die Möglichkeiten ihres Fonds vor. Sie wollen Gründern metaphorisch die Möglichkeit geben „aus ihrer Kiste rauszukommen“. Der Siegerlandfonds befasst sich nicht nur mit Gründungen, sondern begleitet auch Wachstumsfinanzierungen, Gesellschaftswechsel und Unternehmenskäufe. Dabei hat der Fonds einen regionalen Fokus. Im Kontext des Vortrages wurde Dr. Kolb gefragt, was passiert, wenn das Startup doch insolvent gehen sollte. „Das Risiko gehen wir bewusst ein“, antwortet Dr. Kolb, „Wir können uns immer in die Augen sehen. Nur bei einem Betrug eventuell nicht mehr. Diesen Fall hatten wir leider auch schon gehabt.“

Leider gibt es immer das Risiko, dass Startups nicht funktionieren. Der Thematik möchte Veranstalter und Gründer des WW-Labs Hartmut Lösch im nächsten Jahr mit einer „Fuck-up Night“ auf den Grund gehen und lädt jeden Interessierten dazu ein. Aus Fehlern lernt man schließlich. „Startups können jedoch nicht falsch sein. Wenn dann sind sie noch nicht richtig.“, wurde abschließend in der Talkrunde festgehalten.

Zum Schluss ging es zum gemütlichen Teil des Abends über. Angeregt wurde bis in die Nacht hinein diskutiert und sich intensiv ausgetauscht. (jkh)


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