Werbung

Nachricht vom 10.11.2017    

Als die Webstühle noch klapperten - eine Rentnerin erinnert sich

Im kommenden Jahr sind es genau 55 Jahre her, als in dem kleinen Bürdenbacher Ortsteil "Grube Louise" das "Klappern" der Webstühle für immer verstummte. Eine Güllesheimer Rentnerin erinnert sich.

Die 77-jährige Rentnerin Kathi Lachmuth aus Güllesheim hält eine Tischdecke in der Hand, die sie vor rund 55 Jahren selbst in der damaligen Weberei Johann Schmidt im Bürdenbacher Ortsteil Grube Louise angefertigt hat. Fotos: Rolf Schmidt-Markoski

Bürdenbach/Güllesheim. Die 77-jährige Güllesheimerin Kathi Lachmuth, geborene Ostermann, erinnert sich noch gerne an ihre Zeit als Weberin in den 60er Jahren. Als junge Frau ging sie damals täglich zu Fuß, ausgestattet mit einem "Henkelmann", zur Grube Louise, in die dortige Weberei, um ihre Arbeit zu verrichten. "Es war eine sehr schöne Zeit. Wir hatten eine gute Betriebsgemeinschaft und während der Arbeit an den Webstühlen wurden Volkslieder gesungen", so Kathi Lachmuth. Weiter erzählt sie: "Die Tischdecke, die ich hier in den Händen halte, habe ich selbst gewebt. Aber auch meine alten Fotos lassen die Zeit wieder lebendig werden."

Aus Donauschwäbin wurde Westerwälderin
1944 kam die damals vierjährige mit ihren Eltern und ihrem Bruder von Jugoslawien nach Güllesheim. Sie waren aus ihrer Heimat Donauschwaben vertrieben worden und flohen schließlich nach Güllesheim in den Westerwald. Zwischenzeitlich fühlt sich Kathi Lachmuth als Güllesheimerin. Dort verbringt die Rentnerin auch ihren Lebensabend. Ein Bild ihrer Eltern im Wohnzimmer, dass die Mutter in der Tracht einer Donauschwäbin zeigt, weckt Erinnerungen an ihre ursprüngliche Heimat.

Westerwälder Tischwäsche entstand im ehemaligen Saal, in dem die Namen der Bergleute verlesen wurde
Der Ort, der den Namen des dortigen ehemaligen Eisenerzbergwerks "Louise" (1771 - 1930) trägt, war nicht nur ehemals ein blühendes Bergbauzentrum, sondern auch Sitz einer bekannten Fabrikationsstätte für Tischwäsche. In der Blütezeit der Weberei Johann Schmidt "Westerwälder Tischwäsche", Anfang der 60er Jahre, zählte das Unternehmen über 100 Mitarbeiter, vorwiegend Frauen aus der näheren Umgebung. 1949 siedelte der Betrieb mit nur wenigen Webstühlen von Horhausen in den alten Verlessaal auf dem früheren Grubengelände in die Gemeinde Bürdenbach. In dem Verlessaal wurden bis zur Stillegung der Grube im Jahre 1930 die Bergleute namentlich aufgerufen, bevor sie in die Grube einfuhren. Dem Verlesen der Namen schloss sich in der Regel ein Gebet an.

Weberei entwickelte sich prächtig
Das Unternehmen entwickelte sich prächtig und wurde von Gaby Schmidt (Ehefrau des Kaufmanns Johann Schmidt) geleitet. Sie stammte aus Rumänien und kannte sich in der Branche sehr gut aus. Die Webmeister kamen aus dem Sudetenland. Schmidt baute Hallen, ein 4-Familienwohnhaus und ein Privathaus. Zum Betrieb gehörten 3 Websäle, 1 Stickzimmer, 1 Nähzimmer, 1 Mangelraum und Büroräume. Auf Handwebstühlen wurden Tischdecken in allen Größen und dazu passende Servietten gefertigt, die an große Kaufhäuser und andere Wiederverkäufer geliefert wurden. Eine gute Weberin schaffte am Tag 8 bis 9 Decken. 1963 wurde die Firma, deren Embleme aus drei Tannen bestand, aufgelöst, da Johann Schmidt keine Nachkommen hatte. Damit ging auch eine Stück "Nachkriegs-Wirtschafts-Wunder" in dem kleinen Ortsteil "Grube Louise" zu Ende. (rsm)



Interessante Artikel



Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Flammersfeld auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
   


Kommentare zu: Als die Webstühle noch klapperten - eine Rentnerin erinnert sich

Es sind leider keine Kommentare vorhanden


Aktuelle Artikel aus der Region


Premiere der Multivisionsshow „Abenteuer Weltumrundung“

Daaden. Einlass ist ab 18:30 Uhr, die Show beginnt um 19:00 Uhr. Karten sind im Vorverkauf bei Rewe Schuster, dWS-Com, Büro ...

Ölspur zog sich durch mehrere Orte im Puderbacher Land

Oberdreis. Die Spur zog sich mit Unterbrechungen von Udert nach Neitzert und von dort Richtung Rodenbach. Auch in Oberdreis, ...

Energiespartipp: Typische Wärmebrücken bei Altbauten

Kreis Altenkirchen. Viele Wärmebrücken sind durch die Konstruktion und das Material be-dingt. Außenwandecken sowie Vorsprünge, ...

Goldener Oktober: Darum ist das Licht jetzt so besonders

Kreisgebiet. In den nächsten Tagen setzt sich laut WetterOnline ruhiges und niederschlagsfreies Herbstwetter durch und der ...

28-Jähriger reißt bei Unfall Bahnschranke ab

Mudersbach. Beim Befahren des Bahnüberganges musste der 28-Jährige mit seinem Gespann rangieren um die Stelle passieren zu ...

„Hospiz macht Schule“: Eine Woche voller Emotionen

Altenkirchen. Durchgeführt wurde diese von sieben ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, die gut ausgebildet, erfahren und gefühlvoll ...

Weitere Artikel


Ehrenzeichen für 35-jährige Dienstzeit wurden verliehen

Altenkirchen. Am Donnerstagabend, 9. November, stand der Wilhelm-Boden-Saal der Kreisverwaltung „unter dem Schutz“ zahlreich ...

Sparkasse Hamm/Sieg: Fleißige Sparer wurden belohnt

Hamm/Sieg. Die Jugendsparwoche der Sparkasse Hamm/Sieg war auch 2017 wieder ein voller Erfolg. Viele kleine und große Sparer ...

Weihnachtsmarkt Hamm bietet Besinnliches und buntes Treiben

Hamm/Sieg. Die Ortsmitte von Hamm, Synagogenplatz, und auch das Kulturhaus sind Schauplatz des Weihnachtsmarktes in Hamm ...

Einkommens- und Verbrauchsstichprobe: Freiwillige gesucht

Region. Die Ergebnisse werden unter anderem für Regierungsberichte zur Familien- und Sozialpolitik – zum Beispiel für den ...

Die Landfrauen besichtigten das Palettenwerk in Berod

Altenkirchen. Jährlich verarbeitet die Firma Puderbach 200.000 cbm Holz, das überwiegend aus Osteuropa und Deutschland kommt. ...

Kirchenmusikalische Andacht zum ersten Advent in Horhausen

Horhausen. Der konzertante Nachmittag am ersten Advent (3. Dezember) um 15 Uhr ist mit seinem anspruchsvollen Programm zum ...

Werbung