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Nachricht vom 13.09.2009    

EU-Zulassung für Wissener Schlachtbetrieb

Die EU-Vorschriften regeln nicht nur Handytarife und die Größe von importierten Bananen. Sie greifen in viele Bereiche ein, so auch in die Metzgereien und Schlachtbetriebe. Die erste EU-Zulassung im Landkreis Altenkirchen erhielt jetzt nach jahrelanger Vorbereitung und den Prüfungen die Metzgerei Jörg Wirths in Wissen.

Wissen. Das Dokument kam per Post und löste größte Freude bei Metzgermeister Jörg Wirths und seinem Team in Wissen aus. Sein Betrieb ist der Erste im Kreis Altenkirchen, der die EU-Zulassung als Schlachtbetrieb erhielt. Das mehrzeitige Dokument trägt die Nummer RLP 01003 und fünf Jahre Vorbereitungszeit und nicht unerhebliche Investitionen haben sich jetzt gelohnt.
Wirths erläuterte im Gespräch die Besonderheiten der EU-Zulassung für Schlachtbetriebe, die jeder Betrieb ab Januar 2010 haben muss, wenn er selbst Tiere schlachtet. So begann der Betrieb Wirths vor rund fünf Jahren mit den Vorbereitungen, um die erforderliche Zulassung als Schlachtbetrieb zu erhalten. Diese Zuslassung sichert die Zukunft des Betriebes, sie dient der Arbeitsplatzsicherung und der Lebensmittelsicherheit.
Allein in Hygieneeinrichtungen, die nun Vorschrift sind, wurden rund 20.000 Euro investiert. So gibt es jetzt eine Hygieneschleuse, eine Stiefelwaschanlage, neue Hygienekleidung und eine ganze Reihe neuer Gerätschaften und Einrichtungen. Eine umfassende Schulung des 12-köpgigen Mitarbeiterteams gehörte natürlich dazu.
In der Praxis sieht das so aus, dass jeder, der den Schlachtbereich betritt oder verlässt, durch die Hygieneschleuse muss. Dort muss die Kleidung gewechselt werden, Stiefel und Schuhwerk desinfiziert werden. "Egal, ob jemand nach draußen zum Mülleimer geht, oder eine unserer Verkäuferinnen Fleisch aus dem Kühlraum holen muss, es muss die Kleidung gewechselt werden", erklärte Wirths.
Dies ist aber nur ein Bespiel aus den umfassenden Vorschriften, die mit der EU-Zulassung verbunden sind. So gibt es auch eine vorgeschriebene Dokumentationspflicht, die viel Geld und Zeit kostet. Es muss unter anderem jeder Reinigungsvorgang dokumentiert werden, und per Unterschrift belegt werden. Mehrmals am Tag müssen die Kühleinrichtungen geprüft und die Temperaturen eingetragen werden. Es muss jeder Lieferschein, egal ob ein Gewürz oder ein Desinfektionsmittel oder ein Gerät gekauft wird, aufgehoben werden. "Etwa rund 20 Seiten Papier als Dokumentation fallen pro Woche an, das bindet Mitarbeiterkraft und kostet rund 1000 Euro im Monat zusätzlich", berichtete Wirths.
Um die Zulassung zu erhalten, musste ein Betriebsplan erstellt werden mit dem Grundriss der Räume und allen Leitungen, Heizung, Wasser, Abwasser und Strom. In einem definierten Zeitraum müssen eigene Wasseranalysen des Brauchwassers in Auftrag gegeben werden. Natürlich auch Wurstproben. Für die vorgeschriebene Betäubung der Tiere mussten neue Gerätschaften angeschafft werden. Jetzt zeichnet ein Computer die Daten der Betäubungszange auf.
"Die Anstrengungen, diese EU-Zulassung zu erhalten waren und sind enorm, aber schlachten ohne die Zulassung geht nicht mehr", erklärte Wirths. Als Innungsobermeister weiß er um die Problematik, die viele kleine Betriebe, die selbst schlachten, mit den Zulassungsvorschriften haben. Eine Übergangsregelung für Schlachtbetriebe gibt es nicht.
Die Metzgerei Wirths hat die Zulassung für alle Schlachttiere erhalten. "Die Wildverarbeitung im Betrieb darf erst dann erfolgen, wenn alle anderen Produktionsabläufe abgeschlossen sind. Diese Arbeit muss außerhalb der vorhandenen Kühlräume erfolgen, deshalb haben wir einen mobilen Kühlraum nur für Wild“, fügte Wirths erklärend hinzu, damit das komplizierte System für Laien verständlich wird. Lebensmittelsicherheit und Qualität, aber auch die Rückverfolgung eines Produktes sind in den „gläsernen“ Betrieben möglich. Jeder Betrieb hat eine eigenen Fleischbeschaunummer erhalten, sie ist auf den Produkten vermerkt. Wenn in Spanien ein Schinken mit der Nummer DE RP 01 auftaucht, steht bei einer Überprüfung in kurzer Zeit fest: Der kommt vom Wirths aus Wissen. (hw)
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Metzgermeister Jörg Wirths freut sich, er hält als erster Betrieb im Landkreis Altenkirchen die EU-Zulassung für den Schlachtbetrieb in Händen. Fotos: Helga Wienand


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