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Nachricht vom 01.04.2018 - 07:47 Uhr    

Vorhofflimmern: Moderne Verfahren für mehr Lebensqualität

Allein in Deutschland leiden etwa eine Million Menschen an Vorhofflimmern. Im gesunden Zustand schlagen die Herzvorhöfe im gleichen Takt wie die Kammern. So pumpt das Herz kontinuierlich Blut durch den Körper und die Organe werden ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Dieser Prozess ist bei Vorhofflimmern gestört. In Siegen informeirten Experten über aktuelle Therapiemöglichkeiten.

Informierten im Siegener Kulturhaus Lÿz über moderne Therapiemethoden bei Vorhofflimmern (von links): Die Elektrophysiologen Privatdozent Dr. Damir Erkapic, Dr. Korkut Sözener und Dr. Ersan Akkaya (rechts) vom Diakonie Klinikum Jung-Stilling sowie Herzchirurg Dr. Peter Roth vom Uniklinikum Gießen. (Foto: PR)

Siegen. Vorhofflimmern gezielt und je nach Patientensituation so behandeln, dass Betroffene mehr Lebensqualität erhalten – das stand im Fokus eines Symposiums, zu dem das Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen eingeladen hatte. Vier Experten informierten Mediziner aus Siegen und Umgebung im Kulturhaus Lÿz über moderne Therapiemethoden und aktuelle Studiendaten.

Allein in Deutschland leiden etwa eine Million Menschen an Vorhofflimmern. Im gesunden Zustand schlagen die Herzvorhöfe im gleichen Takt wie die Kammern. So pumpt das Herz kontinuierlich Blut durch den Körper und die Organe werden ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Dieser Prozess ist bei Vorhofflimmern gestört. Manche Betroffene verspüren zunächst keine Beschwerden, bei anderen tritt Herzrasen ein oder sie erschöpfen nach wenigen Treppenstufen. Unbehandelt kann sich ein Blutgerinnsel bilden, welches ein Gefäß verstopfen und schlimmstenfalls einen Schlaganfall auslösen kann. Zur Risikogruppe zählen unter anderem Menschen mit Bluthochdruck, nächtlichen Atemaussetzern (Schlafapnoe) und Übergewicht. Festgestellt wird Vorhofflimmern mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG).

Störende Impulse in den Lungenvenen
„Für Vorhofflimmern sind meist störende Impulse in den Lungenvenen ursächlich“, sagte Dr. Korkut Sözener, Oberarzt der Elektrophysiologie im Diakonie Klinikum Jung-Stilling. Helfen Maßnahmen wie Medikamente sowie eine akute Behandlung per Elektroschocks nicht, bieten sich moderne alternative Methoden an. Die elektrische Lungenvenenisolation ist ein minimalinvasives Verfahren, das unter örtlicher Betäubung per Herzkatheter durchgeführt wird. Mit Hochfrequenzstrom veröden Ärzte dabei die Muskulatur der Lungenvenen im Herzen, wodurch störende Leitbahnen zum linken Vorhof unterbrochen werden.

Ist ein Patient aufgrund von Begleitkrankheiten des Herzens ein Fall für den Herzchirurgen, gibt es auch für diesen Bereich Möglichkeiten. „Zusätzlich zu einem chirurgischen Eingriff wie einer Bypass- oder Herzklappen-Operation, können bei Vorhofflimmern die Lungenvenen behandelt werden“, erklärte Gastreferent Dr. Peter Roth, stellvertretender Direktor der Herz-, Kinderherz- und Gefäßchirurgischen Klinik am Uniklinikum Gießen.

Hochfrequenzstrom und Kältetechnik
Neben der Therapie mittels Hochfrequenzstrom hat sich in den vergangenen Jahren eine Methode mittels Kältetechnik etabliert. Die Elektrophysiologen nutzen dafür einen sogenannten Kryoballon. Dies ist ein spezieller Katheter, der über eine Leistenvene zum Herzen geführt wird. An dem Katheter ist ein Ballon befestigt, der an der Lungenvenenöffnung platziert, aufgeblasen und mit gasförmigem Kühlmittel gefüllt wird. Dieses entzieht dem umliegenden Herz- und Lungenvenen-Gewebe Wärme, wodurch sich eine Narbe bildet, die die Lungenvenen vom Vorhof trennt. „So wird effektiv verhindert, dass elektrisch störende Impulse in die Herzvorhöfe gelangen und Vorhofflimmern entsteht“, so Elektrophysiologe Dr. Ersan Akkaya.

Welche Methode letztendlich in welchem Fall zum Einsatz kommt, schließt unterschiedliche Faktoren wie das Alter, Vor- und Begleitkrankheiten mit ein. „Ist bei einem Patienten der linke Vorhof aufgrund einer Rhythmusstörung zu stark geweitet, sollte primär ein Herzchirurg behandeln“, verdeutlichte Privatdozent Dr. Damir Erkapic, Leiter der Elektrophysiologie im Diakonie Klinikum Jung-Stilling. Weiter erklärte der Experte, dass durch frühes Eingreifen in den chronischen Verlauf der Krankheit große Erfolgsaussichten auf Heilung bestehen. (PM)


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