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Nachricht vom 13.04.2018 - 12:42 Uhr    

Vernissage im Kreishaus: Die Region hat Raiffeisen viel zu verdanken

Die Kreisverwaltung hatte am Donnerstag, 12. April, in das Foyer des Kreishauses geladen. Anlass war die Vernissage der Wanderausstellung „Das Beispiel nützt allein“, die dem Leben und Wirken von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gewidmet ist. Zahlreiche Besucher aus Politik und Wirtschaft drängten sich im Foyer des Kreishauses. Landrat Michael Lieber eröffnete die Veranstaltung.

Josef Zolk von der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft, Bildhauer Arnold Morkramer und Landrat Michael Lieber (von links) bei der Vernissage im Kreishaus. (Foto: kkö)

Altenkirchen. Am Donnerstag, 12. April, eröffnete Landrat Lieber im Beisein zahlreicher Gäste die Wanderausstellung „Das Beispiel nützt allein“. Diese Ausstellung wurde vom Institut für geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. erarbeitet. Hierbei wurde das Institut durch die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft unterstützt. Die Ausstellung zeigt auf zehn Tafeln (Roll Ups) die Bedeutung von Raiffeisen, sein Wirken und die Aktualität seiner Ideen. Weiter sind in der Ausstellung, teilweise bereits auf dem Weg ins Foyer, Bilderaus dem Kreisarchiv, des Pressebüros der Stadt Neuwied, vom Deutschen Raiffeisenmuseum Hamm und dem Raiffeisenhaus Flammersfeld zu sehen. Außerdem wird eine Bronze-Skulptur des heimischen Künstlers Arnold Morkramer aus Bruchertseifen gezeigt.

Raiffeisen: Ein Mann der Tat
Lieber ging in seiner Eröffnung auf das Leben und Wirken von Raiffeisen ein. „Zeit seines Lebens setzte er sich unermüdlich für das Wohl der Gemeinschaft ein“, so Lieber. Er beschrieb Raiffeisen als „Mann der Tat“, einen Macher, der die Eigenverantwortung gerade der armen ländlichen Bevölkerung förderte. So sei sein Handeln von einem tiefen christlichen Glauben und der Idee der Nächstenliebe geprägt gewesen. Dies war, so Lieber, wohl einer der Beweggründe, das Raiffeisen den Gedanken der Hilfe zur Selbsthilfe und der Genossenschaft entwickelte. Gemeinsam könne man auch heute für die Region und die Menschen, die hier leben, vieles bewegen - getreu Raiffeisens Motto: „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele.“ Heute sind allein in Deutschland rund 22,6 Millionen Menschen Mitglied einer Genossenschaft.

Raiffeisens Augenmerk galt auch der Bildung
Josef Zolk, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Friedrich-Raiffeisen-Gesellschaft, begrüßte ebenfalls die Gäste. Er ging auf die einzelnen Stationen in Raiffeisens Leben ein. So musste Raiffeisen, aus gesundheitlichen Gründen, den Militärdienst verlassen und wurde in den Staatsdienst übernommen. Seine erste Wirkungsstätte als Bürgermeister war dann Weyerbusch. Hier gründete er den Brodverein, der es sich zur Aufgabe machte, die arme Landbevölkerung zu unterstützen. Zolk wies darauf hin, dass Raiffeisen nicht mit finanziellen Mitteln unterstützen wollte, sondern mit Saatgut und auch Mehl, um Brot backen zu können. Ferner setzte sich Raiffeisen auch für die Verbesserung der Infrastruktur ein. Die Genossenschaftsidee war den damals Herrschenden zunächst „ein Dorn im Auge“, so Zolk weiter. Bismarck konnte sich zu Anfang gar nicht mit dieser Idee von Raiffeisen oder Schulze-Delitsch anfreunden, da er dadurch das „System“ gefährdet sah. Letztlich, so Zolk weiter, wurde aber diese Idee auch von der herrschenden Klasse erkannt und für gut befunden. Raiffeisens Augenmerk galt ebenso der Bildung: Viele kleine Schulen in der Region, so Zolk, legen Zeugnis ab vom Wirken Raiffeisens. Bis zu dieser Zeit gab es den „Wanderlehrer“, der teilweise in den Häusern, in denen er unterrichtete, auch beköstigt werden musste und übernachtete.

Aufgrund der zunehmenden Erblindung musste Raiffesien bereit mit nur 42 Jahren erstmals um seine Entlassung ersuchen. Mit 45 Jahren schied er dann aus dem Staatsdienst aus. Zolk: „Unsere Region hat dem Reformer Raiffeisen viel zu verdanken. Aber auch die weit über die Grenzen des Westerwald hinausreichende Umsetzung seiner Ideen, seiner Ideale zeigt, dass es den Menschen damals wie heute viel Positives gebracht hat.“

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Musikerinnen der Kreismusikschule. Lieber und Zolk bedankten sich besonders bei Arnold Morkramer für das zur Verfügungstellen der Skulptur, die anlässlich der Fusion der niederländischen Rabobanken entstanden war. Dies zeige auch die internationale Wirkung von Raiffeisens Gedanken. (kkö)

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