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Nachricht vom 27.09.2009    

Rüddel gewinnt - Bätzing verliert Wahl und auch Tränen

Nach elf Jahren holte die CDU mit ihrem Kandidaten Erwin Rüddel das Direktmandat für den Deutschen Bundestag im Wahlkreis 198 zurück. Das löste Freude und Dankbarkeit bei Rüddel aus. Tränen gab es dagegen bei der nun Ex--Drogenbeauftragten Bätzing in Puderbach, die ihr Direktmandat verlor, aber über die Landesliste der SPD in den Bundestag einzog, ebenso wie Elke Hoff (FDP). Damit ist der Wahlkreis 198 (Neuwied/Altenkirchen) mit drei Abgeordneten in Berlin vertreten.

Region. Erwin Rüddel (CDU) gewinnt das Direktmandat zum Deutschen Bundestag mit 39,2 Prozent vor MdB Sabine Bätzing (SPD), die mit 36,4 % dem Herausforderer der CDU unterlag, aber über die Landesliste ihrer Partei ins Berliner Parlament einzog. "Ich bin sehr erleichtert und glücklich, nach elf Jahren den Wahlkreis im Direktmandat zurückerobert zu haben", sagte Rüddel, der eine konsequente Erststimmenkampagne hingelegt hatte, in einer ersten Stellungnahme am Telefon. Mit Spannung hatte er zu Hause die Wahlergebnisse verfolgt. Ehefrau Renate und die Kinder Alexander und Sarah sowie die engsten Freunden hatten den Wahlkrimi mit verfolgt. "Es war schwer, ich bin sehr froh mich gegen die Herausforderin durchgesetzt zu haben. Mein Dank heute Abend gilt meiner Familie und den CDU-Freunden, die mitgekämpft haben", sagte ein glücklicher Erwin Rüddel, und: "Jetzt wird gefeiert!"
Es war ein spannender Wahlkrimi im Kreis Altenkirchen. Gegen 19 Uhr lag Sabine Bätzing im AK-Land vorne, Erwin Rüddel im Kreis Neuwied. Das Blatt wendete sich, Rüddel lag gegen 19.30 Uhr bereits vorne - wenn auch mit einer hauchdünnen Mehrheit. Gegen 20 Uhr stand fest, Rüddel lag mit rund 1,7 Prozent der Stimmen vor Bätzing. Aber das Zittern dauerte an, Rüddel und Bätzing lagen Kopf an Kopf, es gab nur einen leichten Vorsprung für Rüddel.
Mit jeder Minute wurde es spannender. SPD-Frau Bätzing verlor immer mehr, je mehr sich die Zählung der Wahlkreise dem Ende zuneigte. Gegen 20.22 waren 380 von 385 Stimmbezirken ausgezählt, Rüddel lag bei 38,9 % und Bätzing bei 36,7 %.
Für den erlösenden Moment sorgte die vorläufige endgültige Auszählung aller 385 Stimmbezirke im Wahlkreis 198: Erwin Rüddel (CDU) erhielt 39,2 Prozent der gültigen Stimmen, Sabine Bätzing (SPD) 36,4 Prozent, Elke Hoff (FDP) 10,6 Prozent, die über die Landesliste ihrer Partei in den Bundestag einzog, Olcay Kanmaz (Die Linke) 6,9 Prozent, und Dr. Hildegard Lingnau (Die Grünen) 5,6 Prozent. So das vorläufige Endergebnis des Landeswahlleiters.
In Puderbach kam die Nachricht von der großen Leinwand. Sabine Bätzing hatte, eng umschlungen mit Marco Lichtenthäler, schräg gegenüber gesessen und vernahm fassungslos, dass ihr Rivale Erwin Rüddel von der CDU das Rennen gemacht hatte. Und das, nachdem Bätzing die Nase in den vergangenen Jahren hier immer vorn gehabt hatte. Kurz vor 21 Uhr stand zwar immer noch nicht fest, ob Bätzing wenigstens per Listenplatz Nr. 6 wieder in den Deutschen Bundestag einrücken würde, allerdings fühlte sich die Drogenbeauftragte bereits stark genug, ein kurzes Fernseh-Interview zu geben, nachdem sie einem Freund per Handy gestanden hatte: "Du, es hat nicht gereicht." Gereicht hatte es aber immerhin für die Oppositionsbank im Bundestag.
Kurz nachdem ihre Niederlage und die ihrer Partei feststeht, wieder kämpferischer Willen der 34-Jährigen, wenn es darum geht, das Wahlkampfdesaster zumindest erklärlich zu machen. "Wir haben alles gegeben" - da ist sich Sabine Bätzing sicher. Der Wahlkampf, das steht fest, "hat Spaß gemacht" und die Drogenbeauftragte bedankt sich bei ihrem Team für die liebevolle Unterstützung.
"Wir lassen uns nicht unterkriegen", bekundet Bätzing. Das ist von Wehmut begleitet, denn "das tut weh". Allerdings muss die Sozialdemokratin das Ergebnis schon der Demokratie halber schlucken. Dabei bemerkt Bätzing, sie habe immer gesagt, sie könne mit jedem Ergebnis leben, immer vorausgesetzt, dass alle alles gegeben hätten.
Wollte man ihrer Wahlkampfmanagerin Eva Frömgen Glauben schenken, so hat die junge Wahlkämpferin noch mehr getan. 7000 Hausbesuche waren es, welche Sabine Bätzing in den Kreisen Altenkirchen und Neuwied absolviert hatte. Und das verdient im alten Bahnhof in Puderbach, wo die SPD eigentlich feiern wollte, ein "nicht so dickes Geschenk" der Wahlleiterin. Diese ist nämlich der Meinung, dass 7000 Hausbesuche nicht nur "an die Substanz gehen", sondern der Berliner Abgeordneten auch neue Schuhe sichern müssten. Gesagt, getan, ein Gutschein für ein Neuwieder Schuhhaus war Sabine Bätzing sicher.
Nach Gründen fragt im alten Bahnhof an diesem traurigen Abend für die SPD niemand, allenfalls hinter vorgehaltener Hand. Im Fernsehen wird die Frage aufgeworfen, ob Müntefering "jetzt gehen muss". Sabine Bätzing ist sich sicher: "Das nutzt auch nichts..."
Vielleicht hat sie damit Recht. Vielleicht hat aber auch ihre Wahlkampfmanagerin Eva Frömgen die Nase vorn. Die nämlich meint, dass "es an der Sabine nicht gelegen hat". Dann muss es wohl die Stimmung auf Bundesebene sein, die der jungen Frau aus Weyerbusch, die einst bei der Verbandsgemeinde Altenkirchen gearbeitet hat, den Wind ins Gesicht schlagen ließ. Aber Sabine Bätzing hält nach wie vor an ihren Gönnern im Berliner Reichstagsgebäude fest. Dann eben keine Änderungen, zumindest personell.
Und vorerst keine Analysen. Ein richtiges "Arbeitstier" schaut nach vorn und sagt: "Ab morgen geht der Kampf weiter". Derweil ihre Wahlkampfleiterin in weiser Voraussicht weiß: "Wir müssen uns regenerieren." (hw/Werner Wenzel)
xxx
Erwin Rüddel und Familie am Sonntagabend: Freude über den grandiosen Sieg. Das Foto zeigt von links: Josef Rüddel (Vater von Erwin Rüddel und Ortsbürgermeister von Windhagen), Tochter Sarah Rüddel, Erwin Rüddel, Ehefrau Renate Rüddel und Sohn Alexander Rüddel vor jubelnden, Fähnchen schwingenden Parteimitgliedern und Gratulanten. Foto: reva



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