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Nachricht vom 28.09.2009    

Literaturtage haben Zukunft im Kulturwerk Wissen

Das Kulturwerk Wissen hatte einen guten Griff getan. Erstmals fanden die Westerwälder Literaturtage im Walzwerk statt, wo Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil auch für die Zukunft eine neue Heimat für die Westerwälder Literaten sieht. Am zweiten Veranstaltungstag hatten meldeten sich dann die Dialektforscher und Heimatdichter zu Wort. Der "Literarische Salon" hatte zur "schüenen Wäller-Sprooch" geladen - eben für "die Jöngeren, die noch oos kummen". Und am dritten Tag gab es dann literarische Kultur in Reinformat: Hanns-Josef Ortheil las aus seinem neuen Buch “Die Erfindung des Lebens”.

Wissen. Eigentlich ist es schon eine Untertreibung, von Ortheils "neuestem Buch" zu sprechen. Denn, bedenkt man Anfang und Ende, ist es nicht das neueste Werk des Westerwälder Literaten. Schon weil er noch zwei weitere (über das Lesen; literarischer Reiseführer durch Rom) in diesem Jahr herausgebracht hat - und weil die Wurzeln von "Die Erfindung des Lebens" bereits zwölf Jahre alt sind.
Damals dachte Hanns-Josef Ortheil angestrengt darüber nach, wie er seine eigene Kindheit literarisch verarbeiten könne. Herauskam die Geschichte des kleinen Johannes, der später als Schriftsteller nach Rom geht, um von hier Abstand vom Deutschland der 50-er-Jahre zu finden.
Freilich, das ist Ortheil gelungen. Abstand ja, Verständnis für sich selbst allenthalben. Hier spricht etwas vom "skurrilen Autismus" eine begabten Kindes, was einfach nicht reden kann. Da mag der kleine Oscar Matzerath aus der "Blechtrommel" vielleicht ein wenig Pate gestanden haben. Gleichwohl wäre es ungerecht, Ortheil an Grass zu messen. Denn schließlich: Ortheil kann schreiben…
Nachgerade gepflegt reiht sich da Satz an Satz. Wirkt verständig, intellektuell, aber so verpackt, dass selbst der Dümmste lesen kann, was Ortheil schreibt.
Das Verstehen kommt dann von selbst. Die Geschichte eines Kindes, das in der Schule in der Ecke sitzen muss, weil es nicht reden kann und von den Lehrern schlichtweg am Fenster geparkt wird. Bis zur Sonderschule…
Es ist eine Welt ohne Fernsehen, eine Welt, "in der man sich noch bemühen musste, Geräusche entstehen zu lassen". Berichtet wird über ein "sich selbst überlassenes Kind". Und das in einer Zeit, in "welcher noch nicht fünf Therapeuten um einen versammelt waren…"
Missverständnisse beherrschten natürlich auch damals das Bild. Da ist die Mutter, unfähig das Kind zu fördern. Und da der Vater, der es schafft, durch die Plastizität der Natur seinen Sohn so zu fördern, dass dieser schließlich das Unmögliche schafft und seine Mutter nur so erschreckt: Rein sprachlich.
Was bleibt, ist ein normales Kind, das nicht mehr herumwandelt wie ein Phantom und sich schließlich dazu durchringt, dass "es Tage ohne Traurigkeit gibt und man sich nicht das Leben nehmen muss".
So manch einer im Wissener Walzwerk mag beim Zuhören eine Gänsehaut bekommen haben. Kindheitserlebnisse sind austauschbar. So austauschbar wie Bücher oder Autoren. Das zu beweisen gilt es auch im nächsten Jahr. Denn Hanns-Josef Ortheil ließ wissen: Die neuen Literaturtage im kommenden Jahr stehen bevor. Und dann gibt es wieder ein (fast) familiäres Treffen im Walzwerk. (Werner Wenzel)
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Professor Hanns-Josef Ortheil signierte nach der Lesung aus seinem neuen Roman "Die Erfindung des Lebens" zahlreiche Bücher. Fotos: Werner Wenzel



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