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Nachricht vom 04.05.2018 - 16:25 Uhr    

Caritas-Forum: Vollbeschäftigung hilft Langzeitarbeitslosen nicht

Die Vollbeschäftigung habe bei der Zahl der Langzeitarbeitslosen keinen Effekt, der überwiegende Teil der Betroffenen werde auf subventionierte Maßnahmen angewiesen sein, lange Zeit oder für immer. Das konstatierte Caritasdirektor Eberhard Köhler laut Pressemitteilung beim 19. Forum zum Tag der Arbeit des Caritasverbands Rhein-Wied-Sieg in Betzdorf.

Andrea Steyven, Vorsitzende der Aktion Arbeit im Bistum Trier, und Caritasdirektor Eberhard Köhler beim 19. Forum zum Tag der Arbeit des Caritasverbands Rhein-Wied-Sieg. (Foto: Caritasverband Rhein-Wied-Sieg)

Betzdorf. „Vollbeschäftigung hilft Langzeitarbeitslosen nicht“, hat Caritasdirektor Eberhard Köhler beim 19. Forum zum Tag der Arbeit des Caritasverbands Rhein-Wied-Sieg betont. Unter dem Thema „Langzeitarbeitslos in Zeiten der Vollbeschäftigung“ wurden im Altenzentrum Betzdorf aus Sicht von Landespolitik, Jobcenter und Aktion Arbeit des Bistums Trier die Aspekte von Arbeitsmarktpolitik und Langzeitarbeitslosigkeit erörtert.

Teilhabe ist wesentlich
Die Vollbeschäftigung habe bei der Zahl der Langzeitarbeitslosen keinen Effekt, der überwiegende Teil der Betroffenen werde auf subventionierte Maßnahmen angewiesen sein, lange Zeit oder für immer, befürchtete Köhler. Für ihn stellt Teilhabe etwas Wesentliches dar, und er knüpfte hier an das Konzept „Integrierter Arbeitsmarkt“ der Aktion Arbeit an. Köhler betonte aber auch, dass es wichtig sei, ein Netzwerk und unterschiedliche Partner zu haben, um etwas Gutes für Menschen zu tun: „Arbeit ist etwas ganz Natürliches, wir brauchen Arbeit und manche Menschen benötigen auch eine Zuverdienstarbeit.“

Es sollte etwas Vorrübergehendes sein
Vor 35 Jahren und bei mehr als zwei Millionen Arbeitslosen wurde die Aktion Arbeit vom Trierer Bischof Hermann Josef Spital initiiert. Man habe gedacht, es sei etwas Vorübergehendes, sagte Geschäftsführerin Andrea Steyven: „Dass ich heute noch hier stehe zeigt, dass die Arbeitslosenzahlen immer noch zu hoch sind.“ Die Sockelarbeitslosigkeit sei weiter unverändert. Für die Aktion Arbeit sei es ein Grundanliegen, beim Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit zu helfen und sich bei der Arbeitsmarktpolitik mit Vorschlägen einzubringen. Sie umriss das Konzept „Integrierter Arbeitsmarkt – Ein Weg zur Auflösung der verfestigten Langzeitarbeitslosigkeit“ der Aktion Arbeit. Steyven sprach den Koalitionsvertrag der Großen Koalition an und zitierte die entsprechende Passage, wo es unter anderem heißt: „Mit einem ganzheitlichen Ansatz wollen wir die Qualifizierung, Vermittlung und Reintegration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt vorantreiben.“ Die Freude darüber sei getrübt worden, als man den Entwurf zur Umsetzung erhalten habe. Demnach soll es um diejenigen gehen, die acht und mehr Jahre arbeitslos seien. Für Andrea Steyven „ist das schier unmöglich“, diejenigen, die so lange nicht mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, in einen Job zu bringen. Kein Arbeitgeber des freien Arbeitsmarktes werde diese Menschen einstellen, lautete ihre These.

Es braucht den zweiten Arbeitsmarkt
Es müsse diskutiert werden, wie Langzeitarbeitslosigkeit bekämpft und vermieden werden könne, sagte Jeannette Mischnick, Leiterin der Abteilung Arbeit im Mainzer Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demographie. Die gute Arbeitsmarktlage dürfe nicht verleiten zu sagen: „Es sei alles prima“. Es gelinge nicht allen Menschen, davon zu profitieren; vielen drohe, dauerhaft ausgeschlossen zu sein. Noch nie habe es so viele besetzte sowie so viele unbesetzte Stellen gegeben und trotzdem seien zahlreiche Menschen schon lange ohne Beschäftigung, verdeutlichte Heiner Kölzer, Geschäftsführer des Jobcenters im Landkreis Altenkirchen. Er befürworte ausdrücklich einen zweiten Arbeitsmarkt, der keine Konkurrenz für die Privatwirtschaft darstelle. (PM)

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