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Nachricht vom 07.05.2018    

Brückenbaustelle Betzdorf: Schülerverkehr wechselt auf die Schiene

Die Westerwaldbahn hat einen außergewöhnlichen Ersatzverkehr geschaffen, um die Zeit der Brückenbaustelle in Betzdorf zu überbrücken. Per Bahn pendeln die Schülerinnen und Schüler nun täglich zwischen Gebhardshain-Steinebach und Scheuerfeld, die ansonsten mit dem Bus zwischen dem Gebhardshainer Land und ihren Schulen in Betzdorf verkehren. Bei einem Pressetermin im Zug erläuterten die Beteiligten, wie es zu diesem Schritt kam.

Vom Bus auf die Schiene wird der Schülerverkehr zwischen dem Gebhardshainer Land und den Betzdorfer Schulen für die Zeit der Brückenbaustelle in Betzdorf verlegt. Silke Rutkowski (SPNV Nord), Stefan Pung (örtlicher Betriebsleiter Westerwaldbahn), Stefanie Becker (Betriebsleitung Personenverkehr Westerwaldbahn), Konrad Schwan (Erster Kreisbeigeordneter) und Michael Grüdelbach (Lokführer) erläuterten die Einzelheiten. (Foto: GW)

Steinebach/Scheuerfeld. Das war schon ein wenig Nostalgie, das Erlebnis mit dem VT (Verbrennungs-Triebwagen) 628 die reaktivierte Strecke von Steinebach nach Scheuerfeld zurückzulegen, um einen Eindruck zu gewinnen, wie die Personenbeförderung hier während der Zeit der Betzdorfer Großbaustelle vonstatten geht. Während der rund fünfmonatigen Vollsperrung der Ortsdurchfahrt Betzdorf wegen Sanierungsarbeiten an der Brücke über die Bahnstrecke besteht für LKW und Busse von Hachenburg aus kommend bereits eine Sperrung vor dem Ortseingang Betzdorf. Davon betroffen sind die Buslinien 270 und 271 der Westerwaldbahn. Beide Hauptlinien beginnen und enden in Betzdorf. Die Stadt zählt zu einer der Hauptschulstandorte im Kreis Altenkirchen. Mögliche Umleitungsstrecken für die Busse über Daaden und Wissen wären mit 15 bis 20 Kilometern sehr weiträumig und kostenintensiv, da mehr Busse und Fahrer nötig wären. Dass die Strecke in Scheuerfeld und nicht in Betzdorf endet, das hängt zusammen mit den Zeitfenstern der Deutschen Bundesbahn. Die jetzt eingesetzten Züge hätten zeitmäßig nicht mehr zwischen die Züge der Bahn gepasst. „Es passte einfach nicht, die Kinder aus Betzdorf hätten noch früher aufstehen müssen und die aus Gebhardshain wären zu spät in die Schule gekommen“, so Stefanie Becker, zuständig für die Betriebsleitung Personenverkehr der Westerwaldbahn, beim Pressetermin.

„Die Kinder waren richtig begeistert“
Die Sorge, dass es am ersten Tag der Fahrgastbeförderung auf der reaktivierten alten Bahnstrecke von Gebhardshain-Steinebach nach Scheuerfeld zu einem Chaos kommen könne, war unbegründet. „Die Kinder waren richtig begeistert“, so Stefanie Becker. Ein Lob an die Schulen: die Kinder waren bestens informiert. Täglich müssen etwa 250 Schülerinnen und Schüler von Steinebach-Gebhardshain nach Scheuerfeld und umgekehrt befördert werden. „Wir haben uns natürlich im Vorfeld Gedanken gemacht, wie es mit der Schülerbeförderung klappen soll. Der erste, der sich darüber Gedanken gemacht hatte, das war der Schulleiter der Westerwald-Schule, Ralph Meutsch“, so der Kreisbeigeordnete Konrad Schwan beim Pressegespräch im Zug von Gebhardshain nach Scheuerfeld und zurück. Stefanie Becker von der Westerwaldbahn, die schon lange im Busbereich tätig ist, hatte die gleiche Idee. Es bestand die Überlegung, die Daadetalbahn mit einzubinden, die aber kapazitätsmäßig nicht in der Lage ist, die Schüler zu befördern. Stefanie Becker arbeitete Fahrpläne aus, stellte Überlegungen an, welche Schüler noch per Bus befördert werden können. Das sind jetzt hauptsächlich Grundschüler und Kindergartenkinder aus Dauersberg und vom Alsberg, die man ja nicht mit dem Bus abholen könne, um sie dann über Daaden oder Wissen in das nur 3 Kilometer entfernte Betzdorf zu bringen. Deshalb ist ein Kleinbus eingesetzt worden, der die Höhe und Breite der Absperrung nicht überschreitet. Dann kam die nächste Überlegung: „Woher bekommen wir einen Zug, die vorhandenen Triebwagen sind ja auf der Daadetalbahn eingesetzt?“ Der SPNV-Nord (Zweckverband Schienen-Personennahverkehr Rheinland-Pfalz) kam ins Spiel, erste Gespräche wurden geführt und der SPNV zeigte sich sehr kooperativ. Wie Silke Rutkowski, zuständig für Finanzen und Controlling beim SPNV, erläuterte, hatte der Leiter der SPNV-Nord Koblenz, Dr. Thomas Geyer, Kontakt mit InterRegio aufgenommen. Dort sei man ebenfalls sehr kooperativ gewesen, so Silke Rutkowski. Alles sei in der Kürze der Planungszeit relativ schnell „eingetütet“ worden. Busse, Triebfahrzeugführer und Begleitpersonal stellt die Westerwaldbahn.

Bahnsteige mussten hergerichtet werden
Viele Vorarbeiten waren nötig, technische Maßnahmen mussten getroffen werden. Behelfsmäßige Bahnsteige wurden gebaut, der Bahnsteig in Scheuerfeld verlängert. Die Kosten für die Bahnsteige und Instandsetzungsarbeiten belaufen sich auf maximal rund 20.000 Euro. Die größte Maßnahme in diesem Bereich war die Herrichtung des bestehenden Bahnsteigs in Steinebach-Gebhardshain, wo der Bahnsteig auf 66 Meter Länge aufgeschüttet und befestigt wurde. Die Bahnsteige sind so konzipiert, dass die verwendeten Materialien beim Rückbau noch anderweitig verbaut werden können. „Auch rechtlich war mit der Aufsichtsbehörde einiges zu klären“, erzählt Stefan Pung, der örtliche Betriebsleiter der Westerwaldbahn. Unter anderem musste ein Alarmierungs- und Rettungsplan für den Tunnel erarbeitet werden.

Knappes Zeitfenster
Trotzdem bestand immer noch Ungewissheit, ob alles wie geplant stattfinden könne, da vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) nur Sachstandinformationen gekommen seien. „Der LBM wusste erst im April“, so Konrad Schwan, „ob die Maßnahme überhaupt umgesetzt werden kann. Zurzeit besteht ein Fachkräftemangel, die Baufirmen reißen sich nicht um die Aufträge“. „Knapp zwei Wochen hatten wir Zeit“, so Stefanie Becker. „Dank guter Zuarbeit aller Akteure, die wir mit ins Boot geholt haben, hat alles geklappt“. Hauptlokführer Michael Grüdelbach und sein Kollege Kristopher Aurand fahren zweimal am Tag die Strecke von rund sechs Kilometern hin und zurück. Morgens fährt der Zug mit 250 bis 270 Kindern ab Gebhardshain um 7 Uhr Richtung Betzdorf und nimmt ab Scheuerfeld um 7.35 Uhr die Kinder, die in Gebhardshain zur Schule gehen, mit zurück. Mittags um 13.35 Uhr geht es andersherum. Rund 180 Schüler aus der Realschule plus in Gebhardshain werden Richtung Betzdorf befördert. Die Schüler aus dem Gebhardshainer Land werden mit Bussen größtenteils zum Bahnhof Steinebach-Gebhardshain gebracht. Von Scheuerfeld aus erfolgt die Verteilung auf die einzelnen Schulstandorte wiederum mit Bussen der Westerwaldbahn. Die Bahnverbindung kann neben Schülern auch von allen anderen Fahrgästen genutzt werden. Es gilt der Tarif des VRM. (GW)

Über ihre Ersatzfahrpläne für die Zeit der Brückenbaustelle in Betzdorf informiert die Westerwaldbahn online: www.westerwaldbahn.de



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Kommentare zu: Brückenbaustelle Betzdorf: Schülerverkehr wechselt auf die Schiene

1 Kommentar
Liebe Westerwaldbahn und alle anderen Beteiligten ,. das haben Sie Wirklich gut gemacht ! Es tut gut in dieser rein Automobil veranlagten Zeit von einer so guten
Pro-Eisenbahnaktioon zu hören. Wo anders zerstört der Straßenbau (Straßen -NRW)Bahnlinien (Oleftalbahn Kall-Hellental)werend SIE ohne Zuhilfenahme von irgendwelchen Trägern öffentlicher Bedenken einfach mal los machen und mal eben den Personenverkehr auf der Westerwaldbahn wieder einführen ! SUPERGUT!! So etwas müsste bei uns im Raum Kassel auch geschehen z.b. Wiedereinführung des Personenverkehres auf der Kassel-Naumburger Eisenbahn (HLB)als Regiotramlinie.

Herzliche Grüße Ihr Arend von Gersdorff
#1 von Arend von Gersdorff, am 09.05.2018 um 12:48 Uhr

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