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Nachricht vom 12.05.2018    

Ausstellung in Wissen: Peter Wellers Biografie vereint Industrie und Kultur

Von Andreas Schultheis

Es waren nicht einmal zwei Jahrzehnte, in denen Peter Weller neben seinem Hauptberuf fotografisch tätig war. Aber es war genügend Zeit, sich einen Platz in der Fotografie-Geschichte zu erobern. Die Werke des ehemaligen Haldenjungen und fotografischen Autodidakten schafften es bis zur „documenta“. Im „walzWERKwissen“ läuft bis Ende Mai die von der Wissener Eigenart organisierte Weller-Ausstellung „Der klare Blick“.

Dr. Peter Lindlein (rechts) ist Kenner des Werkes von Peter Weller und hat mit eigenen Exponaten und vielen Informationen zur Wissener Ausstellung beigetragen. Organisator Winfried Möller-Rosenbaum (links) von der Wissener Eigenart wünscht sich für die Ausstellung Strahlkraft über das Wisserland hinaus. Im Hintergrund ist die Marienhütte in Niederschelden zu erkennen. (Foto: as)

Wissen. Blickt man aus den Räumen des „walzWERKwissen“ – dem ehemaligen Laborgebäude des früheren Wissener Walzwerks – in Richtung Europakreisel, dann sieht man ziemlich genau den Standort von Peter Weller bei der Aufnahme der Wissener Alfredhütte. Dr. Peter Lindlein aus Betzdorf, profunder Kenner von Leben und Werk Peter Wellers, Sammler und selbst Fotograf, versetzte die Besucher der Vernissage zur Ausstellung „Der klare Blick“ gute 100 Jahre zurück. Neben der Alfredhütte entstanden in Wissen unter anderem Aufnahmen der Brauerei, von Schloss Schönstein, dem Hof Auen oder der Winterschule. „Weller war nicht nur Schöpfer all der 71 Aufnahmen, die die Ausstellung zeigt. Er verkörperte auch in seiner eigenen Biografie das Doppelthema Industrie und Kultur“, so Lindlein. Die Kurzform: vom Haldenjungen zum Kaufmann im Krupp-Konzern, vom autodidaktischen Postkartenfotografen zur Weltkunstmesse „documenta“.

Vom Autodidakten zur „documenta“
Geboren 1868 in Malberg-Hommelsberg, arbeitete er zunächst als Haldenjunge, bevor er die Möglichkeit hatte, in die Verwaltung der Grube Bindweide zu wechseln. Bis 1919 arbeitete er in verschiedenen Betrieben und Tätigkeiten für den Krupp-Konzern. „So lag es nahe, den Bergbau in der Region zum Motiv seiner Arbeiten zu machen“, erklärte Lindlein. Gruben, Hütten, Häuser und Siedlungen der Bergbaubetriebe der Region, Landwirtschaft und Haubergswirtschaft, Motive aus den für die Region typischen und eng verzahnten Wirtschaftsbereichen, die Menschen, die hier lebten und arbeiteten, wurden zum wesentlichen Teil von Wellers Werk. Er hat laut Lindlein „versucht, seine Welt komplett abzubilden.“ Seine Fotos sind eindrucksvolle Zeitdokumente und Belege der industriellen Arbeit in einer Zeit großer politischer und wirtschaftlicher Umbrüche, sie zeigen zudem die massiven Eingriffe in Natur und Umwelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Immer wieder erkennt man beim Betrachten der Exponate in der Ausstellung, wie Weller die Personen arrangiert, gezielt in Pose gesetzt haben muss, um ihre vielfältigen Arbeitsgänge dokumentieren zu können. Der Schwerpunkt seiner nebenberuflichen fotografischen Arbeit fällt in die Zeit von 1900 bis 1917.

Kurze Fotografen-Karriere
Anleihen in der Darstellung seiner Motive nahm er in der Kunst, beispielsweise beim französischen Realismus-Maler Jean-François Millet. Zudem hatte er den Vorteil, dass der Krupp-Konzern schon damals über eine eigene fotografische Abteilung verfügte, deren Arbeiten ihm als Anschauungsmaterial diente. Der Erste Weltkrieg machte der Fotografen-Kariere Wellers ein jähes Ende: Beim Fotografieren eines Bahnhofs soll er 1917 unter Spionageverdacht verhaftet worden sein. Danach fotografierte er offensichtlich nicht mehr, zog mit seiner Familie nach Lüdenscheid, später nach Düsseldorf, wo er 1940 verstarb.

Klarer Blick für Objekt und die Verhältnisse
Rund 800 Aufnahmen Wellers sind heute bekannt. Laut Lindlein müsste es allerdings noch mehr geben, insbesondere aus Wellers engerer Gebhardshainer Heimat. Der Fotograf selbst „blieb allerdings Jahrzehnte lang unsichtbar hinter seinem Werk.“ Erst mit der „documenta 6“ 1977 und durch Initiative des renommierten Fotografen-Ehepaars Bernd und Hilla Becher findet sein Werk auch in der Fotografie-Geschichte einen angemessenen Platz. Wellers Arbeiten wurden damals im Bereich „Industrie und Fotografie“ aus 150 Jahren Fotografie-Geschichte präsentiert. Dabei war er einer von lediglich fünf ausgewählten Fotografen. Lindleins Resümee: „Wellers Fotos zeigen den klaren Blick für das Objekt und die Verhältnisse. Seine Aufnahmen erfassen dabei in der Totalen die Industrieanlagen, in und mit der durch sie veränderten Landschaft, sie ordnen das Hauptmotiv in ihren Wechselwirkungen mit der Umwelt ein.“ Und eine Empfehlung gab er den Gästen mit: „Lassen Sie sich Zeit beim Betrachten der Fotos, damit diese zu Bildern werden. Dafür werden Sie belohnt.“ Welcher Detailreichtum sich in seinen Werken verbirgt, machte Lindlein durch Vergrößerungen deutlich – ein Vorteil, den die seinerzeit verwendeten großformatigen Glasplattennegative mit sich bringen.

Ausstellung soll Strahlkraft über Wissen hinaus entwickeln
Winfried Möller-Rosenbaum vom Veranstalter Wissener Eigenart, dem Arbeitskreis Kultur der Zukunftsschmiede, hatte die Federführung bei den Vorbereitungen der Ausstellung übernommen. Er bedankte sich vor allem beim Altenkirchener Kreisarchiv und dem Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein für die vielfältigen Kooperationen – und eben bei Dr. Peter Lindlein, der vor einigen Jahren aus Zufall zu 86 Originalabzügen Wellers gekommen ist, die dieser selber beschriftet hatte. Zur Vernissage hatte Lindlein Originalaufnahme mitgebracht, für die Dauer der Ausstellung bis zum 27. Mai werden allerdings lediglich Kopien hiervon gezeigt. Winfried Möller-Rosenbaum wünscht sich, dass die Ausstellung über Wissen hinaus Strahlkraft entwickelt“ und dass sich insbesondere Schulklassen dem Werk Wellers widmen.

Was sonst noch wichtig ist
• Die Ausstellung „Der klare Blick“ läuft bis zum 27. Mai im „walzWERKWissen“ (Walzwerkstraße 24a) und kann samstags und sonntags jeweils von 12 bis 18 Uhr kostenfrei besucht werden – also auch anlässlich des Wissener Maimarktes am 13. Mai. Für Gruppen, beispielsweise Schulklassen, sind gesonderte Öffnungen möglich (Kontakt: Jochen Stentenbach, Verbandsgemeindeverwaltung Wissen, Tel. 02742 – 939159; E-Mail: jochen.stentenbach@rathaus-wissen.de).

• In einem Begleitheft zur Ausstellung haben die Macher der Wissener Eigenart umfangreiche Informationen zusammengetragen. Darin stellen sie die Aufnahmen Peter Wellers in den Kontext der Zeit großer politischer und wirtschaftlicher Umbrüche, beschreiben die Land- und Haubergswirtschaft sowie Hüttenwesen und Bergbau an der Sieg zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

• Zur Ausstellung in Wissen zählt auch der großformatige Bildband „Mit Peter Weller im Kreis Altenkirchen vor 100 Jahren“, herausgegeben von Peter Lindlein in Zusammenarbeit mit dem Kreisarchiv Altenkirchen und dem Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein.

• Am 2. Juni 2018 jährt sich Peter Wellers Geburtstag zum 150. Mal. Am Vormittag dieses Tages wird eine weitere Ausstellung mit Werken von Peter Weller eröffnet, und zwar um 11 Uhr im Gebhardshainer Rathaus. Der Titel: „Hui Weller! 150 Jahre Peter Weller – Photograph unserer Heimat!“ Gezeigt werden 60 Aufnahmen aus dem Besitz von Dr. Peter Lindlein – überwiegend Ortsansichten, Natur- und Landschaftaufnahmen, die bisher wenig oder gar nicht in Ausstellungen zu sehen waren und die die Eindrücke und Erfahrungen der Wissener Ausstellung nur erweitern können. (as)


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