Werbung

Region | - keine Angabe -


Nachricht vom 13.05.2018    

Haften Eltern für fahrradfahrende Kinder?

„Eltern haften für ihre Kinder“. Hinweis-Schilder mit dieser Aufschrift kennt fast jeder. Ist diese Aussage aber pauschal so richtig? Haftet der Aufsichtspflichtige, wenn Kinder beim Fahrradfahren zu dicht an geparkte Autos geraten und Schäden in Höhe von fast 8.000 Euro verursachen? Mit dieser Frage hatte sich die 13. Zivilkammer des Landgerichtes im Rahmen einer Berufung zu befassen. Das Ergebnis verkündet das Landgericht in einer Pressemitteilung.

Symbolfoto

Region. Zwei Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren waren am Schadentag mit ihren Fahrrädern zu einem nahegelegen Spielplatz unterwegs. Dabei fuhren sie auf Anweisung ihrer Eltern auf der wenig befahrenen Straße und nicht auf dem Gehweg. Bei einem Wettrennen zum Spielplatz touchierten sie mehrere parkende Autos, wobei ein Schaden in Höhe von fast 8.000 Euro entstand, weil die Gummiüberzüge an den Griffenden der Fahrräder beziehungsweise defekt waren.

Bei der Klägerin handelt es sich um ein Versicherungsunternehmen, welches die Schäden an den Fahrzeugen ersetzt hatte. Sie nahm nun die Beklagte, die am Schadentag die Aufsicht über die beiden Kinder ausübte, in Regress und reichte wegen des hälftigen Betrages Klage beim Amtsgericht ein. Die Klägerin war der Auffassung, die Beklagte habe ihre Aufsichtspflicht verletzt, da sie die beiden Kinder unbeaufsichtigt Fahrrad habe fahren lassen. Die Kinder seien falsch instruiert worden, weil gemäß § 2 Abs. 5 Straßenverkehrsordnung (StVO) Kinder bis zur Vollendung des achten Lebensjahres mit Fahrrädern zwingend den Gehweg benutzen müssten. Die Fahrräder seien auch nicht ordnungsgemäß mit Gummistopfen ausgestattet gewesen.

Die Beklagte hielt entgegen, den Kindern sei der Weg zum Spielplatz bekannt gewesen, sie seien über die Gefahren des Straßenverkehrs aufgeklärt und darüber informiert worden, wie sie sich zu verhalten hätten. Die Kinder seien auch in regelmäßigen Abständen beobachtet worden.

Das Amtsgericht wies die Klage ab, die Beklagte habe ihrer Aufsichtspflicht genügt. Die Kinder, so das Amtsgericht, hätten sich mit sechs und sieben Jahren in einem Alter befunden, in welchem diese an die Teilnahme am Straßenverkehr hätten herangeführt werden sollen. Die Beweisaufnahme habe bestätigt, dass die Kinder die örtlichen Begebenheiten gekannt hätten und im Rahmen der Verkehrserziehung in Kindergarten und Schule über die richtigen Verhaltensweisen aufgeklärt worden seien. Die Schäden wären auch dann entstanden, wenn die Kinder lediglich den Gehwegbereich befahren hätten. Im Übrigen gehörten, so das Amtsgericht weiter, Gummistopfen an den Lenkerenden nicht zur erforderlichen Ausstattung eines Fahrrades.

Gegen dieses Urteil legte die Klägerin Berufung ein. Ohne Erfolg, so die 13. Zivilkammer des Landgerichts. Das Maß der gebotenen Aufsicht bei Minderjährigen – so der Hinweisbeschluss der Kammer – richte sich unter anderem nach deren Alter, Eigenart und Charakter des Kindes, seinem örtlichen Umfeld, dem Ausmaß der drohenden Gefahren, der Vorhersehbarkeit des schädigenden Verhaltens sowie der Zumutbarkeit für den Aufsichtspflichtigen. Zu berücksichtigen sei dabei, dass Kinder erfahrungsgemäß dazu neigten, Vorschriften und Anordnungen zu missachten und sich unbesonnen zu verhalten, andererseits das Ziel bestehe, sie zu selbständigem und selbstverantwortlichem Handeln zu erziehen.

Gemessen daran, so die Kammer weiter, könne der Beklagten vorliegend eine Aufsichtspflichtverletzung nicht vorgeworfen werden. Insoweit sei zu berücksichtigen, dass die beiden Schulkinder eine ihnen bekannte, wenig befahrene Straße zu einem nahegelegenen Spielplatz befahren hätten, eine Verkehrserziehung bereits erfolgt und die Beobachtung durch die Beklagte gewährleistet gewesen sei. Auf § 2 Abs. 5 StVO könne sich die Klägerin nicht berufen, da die Vorschrift nicht bezwecke, Dritte vor Schäden durch Kinder zu bewahren, sondern lediglich dem Schutz fahrradfahrender Kinder vor schnelleren Verkehrsteilnehmern diene. Eine Verpflichtung, nur mit intakten Gummistopfen an den Lenkerenden Fahrrad zu fahren, existiere ebenfalls nicht. Die Schäden beruhten letztlich auf dem eigenmächtigen Entschluss der Kinder, ein „verkehrswidriges“ Wettrennen zu veranstalten. Die Klägerin nahm nach diesen Hinweisen die Berufung zurück. Die Entscheidung des Amtsgerichts ist damit rechtskräftig. (PM Landgericht)



Interessante Artikel




Kommentare zu: Haften Eltern für fahrradfahrende Kinder?

Es sind leider keine Kommentare vorhanden


Aktuelle Artikel aus der Region


Bauern-Demo in Bonn mit tausenden Traktoren hat begonnen

Region. Aus ganz Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind derzeit Traktoren nach Bonn unterwegs. Die Bauern-Demo unter ...

Grube Eupel wird in historischem Film lebendig

Herdorf. Im Bergbaumuseum des Kreises Altenkirchen in Herdorf-Sassenroth stehen zur Zeit die Gruben in und um Hövels im Fokus ...

CVJM lädt zum modernen Gottesdienst für alle Generationen

Betzdorf. Die engagierten jungen Mitglieder des CVJM haben sich mit der Organisation im Vorfeld viel Mühe gegeben. Das Team ...

Premiere der Multivisionsshow „Abenteuer Weltumrundung“

Daaden. Einlass ist ab 18.30 Uhr, die Show beginnt um 19 Uhr. Karten sind im Vorverkauf bei Rewe Schuster, dWS-Com, Büro ...

Ölspur zog sich durch mehrere Orte im Puderbacher Land

Oberdreis. Die Spur zog sich mit Unterbrechungen von Udert nach Neitzert und von dort Richtung Rodenbach. Auch in Oberdreis, ...

Energiespartipp: Typische Wärmebrücken bei Altbauten

Kreis Altenkirchen. Viele Wärmebrücken sind durch die Konstruktion und das Material be-dingt. Außenwandecken sowie Vorsprünge, ...

Weitere Artikel


Vatertagstour des SV Maulsbach

Maulsbach. Die Maulsbacher Schützen wanderten über Kescheid nach Mehren. An Christi Himmelfahrt trafen sich die Maulsbacher ...

JSG Wisserland nimmt einen Punkt aus Heimbach-Weis mit

Heimbach-Weis7Wissen. Gegen den starken Tabellenvierten SSV Heimbach-Weis wurde das Minimalziel erreicht: Die JSG Wisserland ...

Wildes aus Wiesen und Wäldern: Kräutererlebnistag für Familien

Horhausen. Am Sonntag, dem 27. Mai findet von 10 bis 14 Uhr wieder eine Kräuterveranstaltung speziell für Familien mit Kindern ...

Neues Feuerwehrgerätehaus Oberlahr offiziell eingeweiht

Oberlahr. Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Flammersfeld hatte am Samstag, dem 12. Mai, zur offiziellen Übergabe des neuen ...

Die Apotheke im eigenen Garten

Region. Salbei gegen Bauchschmerzen: Schon der Name deutet auf seine Heilkraft hin: Salbei oder Salvia leitet sich vom lateinischen ...

Bauern- und Winzerpräsident für höheren EU-Haushalt

Koblenz. Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, unterstützt das Ziel von EU-Kommissar ...

Werbung