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Kultur |


Nachricht vom 05.10.2009    

Kabarett vom Feinsten - ganz ohne Worte

Umwerfend witzig, spannend und gelegentlich musikalisch werden Wortspielereien und "böser Schalk" zu einem abendfüllenden und intelligenten (Papier)Spaß. "Ohne Rolf" waren im Hammer Kulturhaus einfach ohne Worte. Das Schweizer Duo Jonas Anderhub und Chrsitof Wolfsberg teilte einem begeisterten Publikum in eineinhalb Stunden viel mit, ohne es auszusprechen.

Hamm. Seit Emil Steinberger sind Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg alias "Ohne Rolf" sicherlich der größte Schweizer Exportschlager in Sachen Humor und Frohsinn. Auf Einladung des Hammer "KuKuK" mit Unterstützung der Ortsge­mein­de und der Sparkasse machten sich die beiden Spaßmacher auf zu grenznahen Entdeckungen. In dem im "Unterhaus" und auf der Empore vollbesetzten Kulturhaus zeigten die beiden Schweizer Komiker, weshalb sie mit ihrem Programm "Blattrand" zu Recht bereits mehrere Preise abgeräumt haben, darunter den Prix Pantheon 2007. Auf der in schwarz gehaltenen Bühne wurde von dem in schwarz geklei­deten charmanten Duo ein stummes, aber informatives Gespräch in dezenter Lichtführung geboten. Die schnell wechselnde Abfolge der Sätze, Worte, Buchstaben und Zeichen hatte eine immense und durchschlagende Wirkung auf das Publikum, welches stets gebannt auf den nächsten Plakatwechsel wartete. Ohne ein Wort zu sagen, nur mit Hilfe bedruckter Blätter, kommunizieren die beiden Komödianten in rasanter Reihenfolge. Dabei "streiten" die beiden Minimalisten und versöhnen sich wieder, erzählen, flüstern, telefonieren und schreien. Es kommt einem vor, als schüttelten sie die Drucker­schwärze nur so aus dem Handgelenk. Es wäre sicherlich ein stiller Abend geworden, hätte nicht das ständige Lachen der Zuschauer einen Klangteppich unter den lebendigen Comic gelegt. Köstlich der hellwache Humor, wenn "Bruder Jakob" - wie es sich gehört - im Kanon "gesungen" wird, ohne einen Ton abzuge­ben. Und doch hat man die passenden Töne im Ohr. Der Dialog der Schweizer zur Ein­führung: "Schau doch nicht so in der Gegend rum", "Wie sie alle so geordnet in einer Reihe sitzen", "Du meinst, wir sind hier am falschen Platz?", "Aber sie schauen doch alle so freundlich", "Das macht es doch so suspekt", "Was von uns wohl erwartet wird?", "Eine Frage, die sich mir auch schon stellte", "Ach', lass uns ein wenig rekognoszieren". Mit diesen Sätzen begannen die beiden - teilweise Papier essend und vom Buchstabel-Drüsenbren­nen gequält, ihr "vorgedrucktes Leben", führten es mit Sponta­neität bis hin zum Schreibvirus und zur leeren Farbpatrone fort. Nach etwas Tintentrank, einem Picknick am "Blatt-Rand" bleiben Begegnungen mit den Stimmberechtigten und den Wächtern jedoch nur Träumereien. Es reicht zu einem Fantasie-Rap, ein paar röhrenden Hirschen, einer frisch gekochten Stimmbändersuppe bis zur gefundenen Bedienungsanleitung. Und dann war es wieder da, das seltsame Geräusch "Schubidubidu" und die Erkenntnis: "Ein trauriger Arsch lässt keinen fröhlichen Furz". Immer wieder wird das Publikum in das (Papier-)Geschehen mit einbezogen; Gedankenfänger haschen durch den Saal und dann die Entdeckung des Abends - der Herr mit der lustigen Frisur. "Sie sind uns nicht unähnlich", und schon steht Heinz Jenni (Ortsbürger­meister Bernd Niederhausen) mit auf der Bühne und darf sich in das stumme Plakatgespräch mit einklinken. Mit einem begeisternden Applaus wird das "Trio" verabschiedet; die Schweizer sagen mit ihrem letzten Plakat "Danke und auf Wieder­sehen". Es hat einfach Spaß ge­macht, sich auf das Spiel mit Worten, Buchstaben, Gestik und Mimik einzulassen. Einfach herrlich. (rö)
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Ein "abendfüllendes Stück Papier" hatte das Schweizer Duo "Ohne Rolf" mit nach Hamm gebracht. Sie redeten wie gedruckt, aber ohne ihre Stimmen einzusetzen. Fotos: Rolf-Dieter Rötzel



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