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Nachricht vom 24.10.2009    

Ein Blick ins Archiv des SV Wissen

Zurzeit sind umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen am Luftgewehrstand des Wissener Schützenvereins im Gange. Die Überdachung ist in Arbeit und dies veranlasste Schützenoberst Hermann-Josef Dützer und Zeitzeugen, ins Archiv zu schauen. Es gab einmal einen eigenständigen Kleinkaliber-Schützenverein in Wissen mit einer eigenständigen Schießanlage in der Brückhöfe.

Wissen. Die derzeit stattfindende Überdachung sowie der Umbau des Luftgewehrstandes am Wissener Schützenhaus erinnern an die vor etwa 80 Jahren im Ortsteil Brückhöfe erbaute Schießanlage des früher eigenständigen Kleinkaliber-Schützenvereins. Dieser war Mitte der 1930er Jahre aus dem hier seit 1870/71 etablierten "Wissener Kriegerverein" hervorgegangen. Im Gegensatz zum heute noch bestehenden Schützenverein von 1870, der sich seit seiner Gründung der Traditionspflege und dem Feiern des jährlichen Schützenfestes verpflichtet fühlt, war das ausschließliche Ziel des KK-Schützenvereins das Sportschießen mit Gewehren. Dieser Passion gingen die Mitglieder in der Brückhöfe hinter den früher dort angesiedelten Sägewerken und über dem heute noch teilweise vorhandenen „Mühlengraben“ nach. Früher bot das einstöckige Backsteingebäude, etwa 1930 erbaut und eingerichtet, Platz für einen Aufenthaltsraum, der teilweise mittels eines Drahtgitters zu den innenliegenden vier Einzelständen abgetrennt war. In der kalten Jahreszeit wurde die Drahtabtrennung durch eine Holzwand ersetzt, um den Aufenthaltsraum durch einen gusseisernen Ofen wärmen zu können. Diesen Vorzug besaß das abseits freistehende „Toilettenhäuschen“ leider nicht. Die gesamten Schießanlagen, aber auch die Gewehr- und Munitionsverwahrung mittels Stahlschränken galten sicherheitstechnisch im weiten Umkreis als vorbildlich. Mit Kokosläufern belegte, verstellbare Holzpritschen und weitere durchdachte Vorrichtungen gestatteten das Gewehrschießen in den verschiedensten Disziplinen.
Zur 50 Meter entfernten Trefferanlage bestand sogar ein Induktionstelefon, von dem die Schützen dann Gebrauch machten, wenn sie das angezeigte schlechte Ergebnis anzweifelten. Dazu waren in einem betonierten Unterstand mindestens vier jugendliche Schützen eingesetzt. Diese signalisierten mit einem kellenähnlichen Gebilde dem Schützen, wo dessen Schuss auf der Zwölferscheibe sichtbar war – oder auch nicht. Die "Anzeigenjongen" wurden übrigens für zwei Stunden Dienst am Sonntagmorgen mit je 50 Pfennigen entlohnt.
Parallel zu den KK-Schießbahnen war eigens für die heimischen Waidmänner ein 100-Meter-Stand für großkalibrige Gewehre eingerichtet worden. „Dort wurden jährlich mehrere Pflichtschießen veranstaltet“, erinnert sich mit Hans-Hermann Sauerbach, ein Zeitzeuge. Leider wurden dann bald alle sporttreibenden Vereine, so auch der KK-Schützenverein, für die damaligen politischen Machthaber von besonderem Interesse. Deren Faible für Wehrertüchtigung und dem damit verbundenen Willen, schießsportausübende sowie geselligkeitspflegende Vereine zusammenzuführen, musste auch in Wissen Rechnung getragen werden. Am 5. Februar 1938 erfolgte der Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Schützenvereine.
Nach wenigen Jahren jedoch erlosch der Schießbetrieb ganz und der Verein wurde 1945 durch das Kontrollratsgesetz sogar aufgelöst. Das Schießstandgebäude diente dann noch als Notunterkunft für Heimatvertriebene und kurzzeitig der Wissener Kolpingfamilie als Versammlungsstätte, bevor letzte Reste des Mauerwerkes vor wenigen Jahern völlig entfernt wurden.
"Seit dem Jahre 1964", so betont Schützenoberst Hermann-Josef Dützer nicht ohne Stolz, "sind wir im Stadtteil Alserberg wieder im Besitz einer Schießstandanlage, die zu den modernsten im Rheinischen Schützenbund zählt und die noch vor etwa drei Jahren um einen optimal angelegten Bogensportplatz erweitert wurde". Der ehemalige Schießstand am Mühlengraben hat also mit dem heutigen Schützenhaus und dessen Sportanlagen einen Nachfolger gefunden, wo Geselligkeit und Sportsgeist gleichermaßen herrschen und wo sich Schützen aller Altersgruppen und beiderlei Geschlechts gerne treffen. (Hermann-Josef Dützer)
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Die Aufnahme aus dem Archiv des SV Wissen zeigt den ehemaligen Kleinkaliber-Schießstand im Mühlengraben in Wissen.



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