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Nachricht vom 26.07.2007    

Mountainbikepark ist umstritten

Für die einen ein Traum, für die anderen eher ein Alptraum - der geplante "Mountainbikepark Westerwald" wurde am Mittwoch in einer Informationsveranstaltung in der Kreisverwaltung kontrovers diskutiert. Während die geladenen Experten den geladenen Gästen das Projekt schmackhaft machen wollten, blieb Waldbesitzern, Jägern und auch Landwirten der offerierte Bissen eher im Halse stecken. Landrat Michael Liebers Ziel, die 180 Kilometer lange Strecke im Oberkreis schon in einem Jahr freigeben zu können, steht damit noch in den Sternen.

mb park

Kreis Altenkirchen. Die Mountainbike-Lobby war begeistert - eine MTB-Strecke durch den landschaftlich attraktiven Oberkreis schon in einem Jahr. Und die eingeladenen Experten, Karl-Heinz Dunker, Jäger und Förster, aber auch Geschäftsführer des Naturparks Schwarzwald Nord/Mitte mit der längsten Mountainbike-Strecke der Republik, und Dr. Thomas Wöhrstein von der Firma Outdoor-Concepts, die solche Projekte anstößt, versuchten eloquent und mit viel Statistik den heimischen Waldbesitzern und Jägern die Mountainbike-Piste schmackhaft zu machen - und stießen auf breite Ablehnung. Einmal, weil der Westerwald/Siegerland eben nicht der Schwarzwald ist, zum anderen möglicherweise, weil das Anpreisen seitens der Experten ein wenig zu sehr nach Lobbyismus roch.
Landrat Michael Lieber hatte zu Beginn der gut besuchten Veranstaltung noch einmal auf die schlechten Daten in der Prognos-Studie, die offenbar wie ein Menetekel über der Kreispolitik schwebt, hingewiesen. "Sie zeigt einen Zukunftstrend, den wir nicht einfach hinnehmen dürfen", sagte Lieber. Denn nur Regionen, die kreativ und aktiv seien, hätten Zukunftschancen. Dazu zähle neben günstigem Bauland und Arbeitsplätzen auch ein hoher Freizeitwert mit der Möglichkeit, sich aktiv zu betätigen. Touristen wollten, so Lieber, an einem Tag wandern und am nächsten Tag im Wald "biken". Dazu biete die heimische Region im Rahmen eines Kurzurlaubs beste Chancen. Ein Mountainbikepark sei kein Luxus, sondern gehöre mittlerweile zum Standardrepertoire der deutschen Mittelgebirge. Außerdem, so meint Lieber, handele es sich hierbei um eine Form des "sanften Tourismus".
Ein Mountainbikepark müsse in einer Gesamtstrategie von Maßnahmen gesehen werden, sagte der Landrat. Dazu gehöre vor allem auch die Siegtalstrecke. Eine Verbesserung der Schienensituation würde unseren Kreis für die Menschen aus Köln und Bonn zu einem besonders attraktiven Ausflugs- und Kurzurlaubsziel machen.
Ein Mountainbikepark werde nicht Tausende locken. Er nutze bestehende Wege und koste nur den Bruchteil eines konventionellen Radweges. Die hohe Anzahl der bereits bestehenden Parks zeige deutlich, dass man Waldeigentum, Mountainbiken sowie Natur- und Umweltschutz in Einklang bringen könne. Lieber: "Es gibt für mich keinen ersichtlichen Grund, warum wir das hier im Kreis Altenkirchen auch schaffen können." Wichtig sei allerdings, dass man gemeinsam unter Berücksichtigung der Interessen von Landwirtschaft, Waldbesitzern, Jägern, Touristik, Bürgermeistern und Natur- und Umweltschützern einen solchen Park entwickele, warb Lieber für das Projekt.
Auch im Naturpark Schwarzwald Nord/Mitte sei es darum gegangen, den Tourismus anzukurbeln, sagte Karl-Heinz Dunker. Dabei seien die Mountainbiker als eine interessante Zielgruppe ausgemacht worden. Durch eine entsprechende Beschilderung sei es gelungen, die Mountainbiker auf ausgewiesenen Wegen (inzwischen sind es im gesamten Schwarzwald fast 8000 Kilometer) "zu kanalisieren", damit beispielsweise die Balzgebiete des Auerhahns nicht gestört werden. Es sei darum gegangen, die MB-Touristen dort hinzuführen, "wo es nicht wehtut", aber trotzdem attraktive Strecken angeboten werden können. Inzwischen seien die Übernachtungszahlen in der Region wieder gestiegen, berichtete Dunker, ein Effekt, der auch den Mountainbikern zu verdanken sei. Dunker: "Es ist ein Markt da."
Dr. Thomas Wöhrstein wies darauf hin, dass dass der Radtourismus seit Jahren boome. Der Trend gehe weiterhin zu mehr Rad-Kurzurlauben. Insgesamt vier Millionen Mountainbiker (die Zahl stagniert aber laut laut Wöhrstein schon seit Jahren) seien für den Tourismus relevant, zumal es sich meist um eine recht zahlungskräftige Klientel handele. Nicht vergessen dürfe man auch das Interesse am Mountainbiking im Ausland, zum Beispiel in den Niederlanden, wo es keine attraktiven Mittelgebirgslandschaften gebe. An erster Stelle stehe für die meisten Mountainbiker das Naturerleben, wie Umfragen gezeigt hätten. Wöhrstein sieht für einen Erfolg eines Mountainbikeparks im Oberkreis gute Chancen, denn Mountainbiker seien experimentierfreudig und nähmen gerne neue Angebote an.
Verständlich, dass die anwesenden Mountainbiker die Ausführungen freudig zustimmend aufnahmen. So auch Volker Höhne, Vorsitzender des Vereins "Ski und Freizeit Betzdorf", der sich dem Mountainbiking verschrieben hat. "Die Idee ist toll", sagte Höhne, "mussten wir doch bisher immer in andere Gegenden fahren." Mountainbiker seien Naturliebhaber, so Höhne weiter. Wichtig sei auch seinem Verein, mit Waldbesitzern, Jägern und Natürschützern Einvernehmen zu erreichen. "Wir fahren nicht wild durch die Landschaft", sagte Höhne.
Unterstützt wird das Projekt auch vom Sportkreisvorsitzenden Georg Brass. Brass sagte, die Trendsportart Mountainbiking habe auch im Kreis Altenkirchen Fuß gefasst. Dem müsse man Rechnung tragen. Ein Unterfangen wie ein Mountainbikepark könne den Kreis nur atraktiver machen, sagte Brass, erfordere aber auch Disziplin von seinen Nutzern.
Dass es mit dieser Disziplin aber offenbar schon jetzt nicht allzu weit her ist, darüber berichtete beispielsweise Haubergsvorsteher Hubert Schaller (Steineroth). Er habe hier einschlägige Erfahrungen gemacht, berichtete Schaller. So seien Spaziergänger von Mountainbikern massiv belästigt worden. Auch der Jagdpächter trage sich schon mit dem Gedanken, abzuspringen. Dabei sei die Jagdpacht die Haupteinnahmequelle der Haubergsgenossenschaften und anderer Waldbesitzer. Auch bei Holzfällarbeiten habe es massive Schwierigkeiten gegeben. Schaller glaubt nicht, dass mit der Mountainbikestrecke das Radfahren im Walde erfolgreich kanalisiert werden kann.
Nicolaus Graf Hatzfeldt äußerte sich zum wirtschaftlichen Aspekt des MTB-Parks. Er wies darauf hin, dass heimische Waldbauern von einer Mountainbike-Strecke nicht viel hätten. Wer habe denn von ihnen schon eine Gasdtwirtschaft, um touristisch profitieren zu können.
Gerhard Pfeiffer, Landwirt und Jadpächter aus Elkenroth sieht bei Verwirklichung der Pläne überwiegend Verlierer. Es werde schwierig sein, dann die Jagd noch vernünftig zu gewährleisten.
Dunker meinte zu diesen Bedenken allerdings, jeder freilaufende Hund tue ihm weher als ein disziplinierter Mountainbiker. Und: Die Mountainbiker seien schließlich auch jetzt schon da. "Die kriegen Sie nicht weg", sagte Dunker. Also müsse es darum gehen, ihre Aktivitäten in vernünftige Bahnen zu lenken. "Das Nebeneinander funktioniert", ist sich Dunker sicher, denn "die meisten Mountainbiker wissen sich zu benehmen."
Was die rechtliche Seite eines Mountainbikeparks betrifft, so sieht Landrat Lieber keine Probleme. Haftungsfragen seinen beispielsweise bundeseinheitlich geregelt. "Das ist wasserdicht zu machen", ist sich der Landrat sicher. Zwar versteht Lieber die weitverbreitete Skepsis, "aber letztlich wird es nur Gewinner geben."
Auch Berno Neuhoff von der Stabsstelle Regionalentwicklung bei der Kreisverwaltung versuchte zu beruhigen. Zwar führe der Weg auch durch Naturschutzgebiete, aber man werde darauf achten, dass kein Graureiher oder Uhu gestört werde, "das können wir steuern." Allerdings nehme man die Bedenken sehr ernst. Neuhoff schlug vor, die Strecke erst einmal eine Zeitlang zu testen und dann eine endgültige Entscheidung zu treffen.
Reinhard Lindlein, Vorsitzender des Kreiswaldbauvereins, betonte, man stehe allem, was der Kreis zur Verbesserung der Infrastruktur unternehme, grundsätzlich positiv gegenüber. Die Waldbesitzer hätten schließlich schon einiges für den Freizeittourismus getan. In der nächsten Vorstandssitzung, kündigte Lindlein an, werde man über das Thema noch einmal reden, zumal es nun neue Erkenntnisse gebe. Man werde auf jeden Fall mit dem Kreis im Gespräch bleiben, sagte Lindlein.
Karl-Heinz Dunker wies noch darauf hin, dass bei der Realisierung eines Mountainbikeparks erfahrungsgemäß lediglich mit etwa zehn Prozent mehr Mountainbikern als vorher gerechnet werden könne. Aber die seien "touristisch signifikant".
Landrat Lieber kündigte die Installierung einer Arbeitsgruppe an, in der alle Betroffenen vertreten sein werden. Dort werde man sich um eine "konsensuale Regelung" bemühen. Lieber: "Wir wollen das gemeinsam versuchen." Sein Ziel sei es, den Mountainbikepark in einem Jahr zu realisieren. Aber auch der optimistische Landrat verkennt nicht, dass dazu noch die eine oder andere Schwelle überwunden werden müsste. Es wird sich zeigen, wie hoch diese Schwellen sind. (rs)
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Mountainbikepark Westerwald (bzw. Siegerland/Bergisches Land!) im Oberkreis: So könnte die Linienführung aussehen.



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