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Nachricht vom 27.07.2018    

Schluss mit billigen Bananen und Fluchtursachen vor Ort bekämpfen

Der Weltladen Betzdorf startet am Dienstag, 7. August eine Aufklärungskampagne zum Thema giftfreie Bananen und gegen den Einsatz von Umweltgiften wie Pestizide. Die ärmsten Regionen dieser Erde mit riesigen Plantagen werden ausgebeutet, die Menschen leiden unter unsäglichen Arbeitsbedingungen. Auch eine der vielfältigen Fluchtursachen.

Foto: Weltladen Betzdorf

Betzdorf. Bananen sind nach Äpfeln in Deutschland das meistgekaufte Obst. Allerdings sind in konventionellen Bananen eine Menge Pestizide enthalten. Darauf machte das ÖKOTEST-Magazin in der Januar-Ausgabe aufmerksam. Das ist aber nicht nur für uns hier ein Problem, sondern in erheblichem Maß auch für die Anbauländer. Das Versprühen der Pestizide beeinträchtigt die Gesundheit der Menschen im Bananenanbau und schädigt auf Jahrzehnte Böden und Wasser. Schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Bezahlung verstärken noch die Probleme. Hermann Hesse vom Weltladen Betzdorf trug am Beispiel Ecuador Fakten in einer Pressemitteilung zusammen. Den Beitrag veröffentlichen wir ungekürzt.

ÖKOTEST hat in Deutschland Bananen verschiedener Anbieter untersucht und schreibt: „Bei den konventionellen Produkten wurde das Labor durchweg fündig. Fast alle enthalten die besonders bedenklichen Pestizide Imazalil und/oder Bifenthrin.“ Laut dem europäischen Gefahrenstoffrecht gelten beide Substanzen als möglicherweise krebserzeugend.

Die Pestizide werden im konventionellen Bananenanbau oft mithilfe von Flugzeugen versprüht. „Die Flieger kommen fast jede Woche ohne Vorwarnung. Ich versuche dann schnell die Kinder ins Haus zu holen. Zwei haben bereits jetzt schon schlimme Allergien“, so eine Anwohnerin einer Bananenplantage. Aufgrund von Verwehungen gelangen die Spritzmittel so in angrenzende Wohngebiete und reichern sich in der Umwelt an. Dies hat zu einer starken Verseuchung von Wasserreserven, Flüssen, Böden und zu einem starken Verlust an Biodiversität geführt. Manche Orte müssen mit Trinkwasser per Tankwagen versorgt werden, der alle zwei Tage kommt - 12.000 Liter alle zwei Tage für ca. 1000 Familien. Zum Baden und Waschen reicht das nicht.

Die Studie der österreichischen Ärzteorganisation AGU in Wien zeigt, dass vermehrt Erkrankungen der Bananenproduzent/innen und ihrer Familien die Folge ist, da sie dem Einsatz von Chemikalien weitgehend schutzlos ausgesetzt sind. Die Arbeitsmediziner untersuchten Ende 2015 die Gesundheitsgefährdung von Bananenarbeiter/innen in Ecuador. Ihre Ergebnisse sind erschreckend: Arbeiter/innen im konventionellen Bananenanbau haben z.B. sechs- bis achtfach so häufig Magen-Darm-Erkrankungen wie Arbeiter/innen in der ökologischen Landwirtschaft. Auch andere Symptome wie Schwindel, Erbrechen und Durchfall, Augenbrennen und Hautreizungen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit und unregelmäßiger Herzschlag wurden deutlich häufiger festgestellt.

„Wir machen uns große Sorgen, weil wir unter dem Pestizid-Regen arbeiten müssen. Aber wenn man sich beschwert, riskiert man, entlassen zu werden“, so ein Arbeiter beim Produzenten Matías, der unter anderem Lidl beliefert. Nicht nur der mangelhafte Umweltschutz sondern auch die Verletzung von Arbeitsrechten ist also im tropischen Früchtesektor häufig an der Tagesordnung. Wer mit Arbeiter/innen aus ecuadorianischen Bananenplantagen spricht, trifft auf ein Klima der Angst. Nicht ohne Grund: Offene Kritik, betriebsinterne Beschwerden und erst recht der Aufbau einer Gewerkschaft haben allzu oft Entlassungen zur Folge. Unter den Plantagenbesitzern sollen schwarze Listen zirkulieren, die Gewerkschafter/innen und andere „aufmüpfige“ Personen enthalten.



In der Stichprobe auf den Rainforest-Alliance-zertifizierten Plantagen, zu denen auch der Lidl-Lieferant Matías zählt, wurde die Frage, ob das Unternehmen, bei dem sie arbeiten, ihrer Meinung nach die Gründung einer Gewerkschaft zulassen würde von alle Befragten verneint. Auf WWF/Edeka-zertifizierten Plantagen gaben 65 Prozent der Befragten ein Nein zur Antwort. So wurden z.B. beim Produzenten Agrícola Agromonte, der für Aldi, Edeka und Rewe produziert, im Herbst 2015 50 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter/innen entlassen.

Während man sich in Deutschland über Billigpreise freut, kämpfen Arbeiter/innen im Bananenanbau um ihr tägliches Überleben. Trotz vieler geleisteter Überstunden decken die Durchschnittslöhne der Arbeiter/innen sowie die Durchschnittseinkommen der Kleinbäuerinnen und -bauern dabei nicht einmal das Existenzminimum, also das, was Menschen für Essen, Kleidung, ein Dach über dem Kopf, medizinische Versorgung, Schul- und Berufsausbildung sowie notwendige Rücklagen für Alter und Notfälle aufwenden müssen. Dazu muss das Einkommen der Kleinbauern noch die Produktionskosten decken wie Geräte, Neupflanzungen usw. Dank ihrer Marktmacht können die Konzerne Preise und Lieferbedingungen vorgeben, Kosten an Lieferanten durchreichen und Ware entgegen getroffener Vereinbarungen zurückweisen. Unter diesem Preis- und Kostendruck kennen die Hersteller oft nur einen Ausweg: So billig wie möglich zu produzieren, um Kosten zu sparen – vor allem bei den Löhnen.

Auch wenn man in Ecuador per Gesetz einen Mindestpreis für Bananen festlegt, so wird dieser festgelegte Preis mit illegalen Praktiken umgangen, indem Dienstleistungen wie Transport, Verpackung usw. den Produzenten in Rechnung gestellt werden, sodass diese am Ende weniger als den Mindestpreis erhalten.
Bananen sind ein Produkt, dessen Preis so entscheidend für die Konsumenten ist, dass er die Wahl des Supermarktes für den täglichen Einkauf entscheidend beeinflusst.

Aber dürfen wirtschaftliche Ausbeutung, Armut und menschliches Leid Zutaten der Lebensmittel in unseren Supermarktregalen sein? Nein, ebenso wenig wie die Verseuchung von Wasser und Boden über Generationen hinaus. Mit dem Kauf der fair gehandelten Bio-Bananen im Weltladen Betzdorf erhalten die Kunden nicht nur eine gesündere Umwelt und pestizidfreies Obst, sondern beseitigen außerdem Fluchtursachen.

Am Dienstag, 7. August informieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Weltladens Betzdorf mit einer Aufklärungsaktion auf dem Wochenmarkt in Betzdorf.
(Hermann Hesse, Weltladen Betzdorf)


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