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Nachricht vom 31.10.2009    

Die Legende von Paul und Anne

Ein Jugendlicher findet über die innerdeutsche Grenze hinweg Liebe. Buchautor Arnold Thünker las in Hamm aus seinem Roman "Anne und Paul" - eine deutsch/deutsche Geschichte.

Hamm. Zur Erinnerung an die vor 20 Jahren stattgefundene friedliche deutsch-deutsche Wende fand im Kulturhaus Hamm eine Zeitreise in ein Herz des Widerstandes statt. Eingeladen hatten hierzu das Bildungswerk Marienthal, der Kreisbeirat für Weiterbildung, Altenkirchen, und die Katholische Erwachsenenbildung, Fach­stelle Koblenz. Nach der Begrüßung durch Heinz Müller, Leiter des Bildungswerkes Marienthal, wähnten sich die Zuhörer gleich nach den ersten Sätzen aus Thünkers Roman "Anne und Paul" in der Welt der beiden Kinder Paul und Vera, die von der Mutter im Interzonenzug über die deutsch-deutsche Grenze zur Tante in den Osten geschickt werden. Der Roman schildert mit klarem Blick für atmosphärische Details, wie beklemmend es für ein Kind in den 60er Jahren gewesen sein muss, sich in einer Welt zurechtzufinden, die von eckigen, mürrischen Erwach­senen regiert wurde. Die kuriosen Regeln des sozialistischen Alltags mit unverständlichen Ritualen stellen die beiden Kinder vor immer neue Herausforderungen. Diese beginnen schon am Grenzübergang: Wachtürme, Flutlichtanlagen, Uniformierte mit Schäferhunden und die Baracke, in der Kontrollen durchgeführt werden. Dann endlich das mehrfache Krachen des Stempels in den Papieren und Ausweisen. Bis die Tante die beiden aus dem Westen in Empfang nehmen kann, erleben diese neben Willkür auch Gleichgültig­keit.
In hervorragender Weise versteht es Arnold Thünker, Orginalitäten von Lebensräumen zu schildern. Hier die Tante, die streng wie eine Oberlehrerin sein kann, und die absolute Dunkelheit in dem in der Nähe von Wittenberg gelegenen Dorf, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Auf der anderen Seite Pauls Liebe zu dem im Rollstuhl sitzenden Mädchen Anne, der erste gemeinsame Landausflug, der erste Kuss und die Begegnung mit einer Schrankenwärterin, deren kleiner Sohn auf den Bahngleisen zu Tode gekommen ist. Zwischen Paul und Anne entwickelt sich etwas Besonderes - eine Liebesgeschichte. Rasch und zielgenau folgen die Sätze aufeinander, zeichnen Szenen von scharfem Realismus und atmen dann doch wieder eine Sehnsucht aus, die sich vom Konkreten löst und über die Geschichte hinaus wirkt. Mit einem Brief aus dem Pflegeheim, in dem die junge Anne von damals jetzt als Seniorin lebt, beginnt das Buch. Der Brief fällt dem ebenfalls in die Jahre gekommenen Paul durch Zufall wieder in die Hände und er begibt sich auf eine Zeitreise zur Tante, zum Dorf, zu Anne, in seine Jugendzeit. "Wie es weitergeht und endet", so Arnold Thünker mit einem Augenzwinkern, "erfährt man in meinem Buch." (Rolf-Dieter Rötzel)
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In seinem Buch "Anne und Paul" erzählt Arnold Thünker vom Alltag in der ehemaligen DDR, dem Aufbegehren im Dorf gegen die sozialistische Herrschaft und einer Liebesgeschichte. Foto: Rolf-Dieter Rötzel



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