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Nachricht vom 04.11.2009    

"Zünftiges Reisen" ist aktuell wie eh und je

Auf der "Walz" sein hieß es früher. Heute nennt man es "zünftige Reise". Auf der befinden sich zurzeit Bine und Synke, die bei der HwK in Koblenz hereinschauten. Auch wenn der Tradition verhaftet, sind die wandernden Gesellinnen und Gesellen von heute alles andere als von gestern.

Region/Koblenz. Bine und Synke sind Handwerksgesellen. Gekleidet mit Cordhosen mit ausgestellten Hosenbeinen, Cordweste mit auffälligen Knöpfen, weißem Hemd und Schlapphut gehen sie wie im Mittelalter zu Fuß los, um Land und Leute kennen zu lernen. Ihren Nachnamen haben die Tischlerin und die Straßenbauerin für die Zeit ihrer Wanderschaft abgelegt und nennen sich "fremd & frei". Auf ihrem Weg gen Norden schauten sie auch bei der Handwerkskammer Koblenz vorbei und erhielten einen kleinen finanziellen Obolus. Die Handwerksgesellinnen sind auf "zünftiger Reise", wie die Walz heute heißt.
Rückständigkeit im Zeitalter von ICEs, Überschallflugzeugen und Schnellbooten? Mitnichten. Die beiden 31-Jährigen sind der Tradition behaftet und Neuem gegenüber aufgeschlossen. Das ist der Grund, warum vor allem für Zimmerergesellen das "zünftige Reisen" aktuell ist wie eh und je. Sie knüpfen Verbindungen zu Betrieben in aller Welt, schließen Freundschaften mit Kollegen und lernen handwerkliche Praxis kennen. Für sie gelten auch heute noch die alten Regeln. "Wenn sie auf Wanderschaft gehen, dürfen sie noch nicht verheiratet sein. Sie sollen während der Wanderzeit ihrer Heimatstadt nicht näher als bis auf 50 Kilometer kommen und müssen mindestens drei Jahre und einen Tag von ihr fern bleiben. Ihre ganze Habe wird in ein 80 mal 80 Zentimeter großes Tuch gerollt, Charlottenburger genannt", hört man von der Vereinigung der rechtschaffenen fremden Zimmerer- und Schieferdeckergesellen Deutschlands.
"Man lernt nicht nur Land und Leute sowie handwerkliche Bräuche kennen, sondern profitiert auch menschlich. Gilt es doch, mit seinen Kameraden in guten und schlechten Zeiten zusammenzuhalten", so Bine und Synke, die noch eine lange Wegstrecke vor sich haben.
Informationen bei der HwK-Koblenz, Telefon 0261/ 398-0, Fax -398, E-Post hwk@hwk-koblenz.de, Internet www.hwk-koblenz.de.
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Bine und Synke ("fremd&frei") pflegen die handwerkliche Tradition der Wanderschaft. Foto: HwK


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