Werbung

Nachricht vom 20.08.2018    

„Arbeitsplätze mit Verfallsdatum“: Gewerkschaft fordert bessere Job-Perspektiven

Im Landkreis Altenkirchen können sich derzeit rund 760 Neu-Azubis über eine Lehrstelle freuen. Damit die Karriere auch nach der Abschlussprüfung weitergeht, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nun bessere Job-Perspektiven für Berufseinsteiger. Befristetet Arbeitsplätze sind nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in der Nahrungs- und Genussmittelbranche besonders verbreitet, ebenso in Hotels und Gaststätten.

Für viele Berufseinsteiger tickt mit der Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag bereits die Uhr. (Foto: NGG)

Kreisgebiet. Den Ausbildungsvertrag in der Hand, aber was kommt danach? Im Landkreis Altenkirchen können sich derzeit rund 760 Neu-Azubis über eine Lehrstelle freuen. So viele versorgte Bewerber zählte die Arbeitsagentur zum Start des Ausbildungsjahres. Damit die Karriere auch nach der Abschlussprüfung weitergeht, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nun bessere Job-Perspektiven für Berufseinsteiger. Eine große Hürde nach der Ausbildung, so die NGG, ist jedoch der Trend zum Job auf Zeit – zur Befristung.

Hohe Befristungsquote in der Branche
Solche „Arbeitsplätze mit Verfallsdatum“ sind nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in der Nahrungs- und Genussmittelbranche besonders verbreitet. Hier sind bundesweit knapp 54 Prozent aller Übernahmen befristet. Ähnlich sieht es bei den Neueinstellungen aus: Hier zählt die Branche mit einer Befristungsquote von 73 Prozent zu den Spitzenreitern. Auch in Hotels und Gaststätten sind diese Arbeitsverträge zum Berufsstart gang und gäbe. Dort sind laut IAB 35 Prozent aller Übernahmen befristet.

Roland Henn, Geschäftsführer der NGG-Region Mittelrhein, spricht von einer „Unternehmer-Unsitte“: Es könne nicht sein, dass Betriebe trotz Hochkonjunktur in vielen Branchen so stark auf Befristungen setzten. „Wer als Job-Starter eine Familie gründen oder einen Kredit für die Wohnungseinrichtung bekommen will, der braucht einen sicheren Arbeitsplatz und keinen Zitter-Vertrag“, so Henn. Dass Berufseinsteiger besonders betroffen sind, zeigt auch die amtliche Statistik. So waren in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr 14 Prozent der 20- bis 30-Jährigen befristet beschäftigt – Azubis nicht mitgerechnet. Das geht aus dem aktuellen Mikrozensus hervor. Danach hatten insgesamt 134.000 Rheinland-Pfälzer lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag – das ist immerhin jeder vierzehnte Beschäftigte.




Stellenanzeigen | WesterwaldJobs

Pädagogische Fachkraft (m/w/d) für die Tagesförderstätte

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57537 Mittelhof

pädagogische Fachkraft (m/w/d) in Teilzeit

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57518 Alsdorf

Hauswirtschaftskraft (m/w/d)

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57632 Flammersfeld

Aushilfe im Gruppendienst auf geringfügiger Basis (m/w/d)

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57632 Flammersfeld

Gruppenleitung (m/w/d) in der Werkstatt

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57537 Wissen

Mehr Westerwald Jobs entdecken    |    ⇒ Stellenanzeige schalten


Befristungen sollten die Ausnahme sein
Auf Unternehmer, die darüber klagen, dass sie im Gastgewerbe oder in der Ernährungswirtschaft kaum noch Fachkräfte finden, reagiert Henn mit einem Kopfschütteln: „Wer nach der Ausbildung nur einen Vertrag auf Zeit anbietet, der muss sich nicht wundern, dass sich Schulabgänger woanders umsehen.“ Spezialisten von morgen gewinne man nur mit guten Löhnen, attraktiven Arbeitsbedingungen und klaren Karriereperspektiven, so der Gewerkschafter. Befristungen sollten die Ausnahme und nicht die Regel sein. Zu den wirklich zwingenden Gründen einer Befristung gehörten etwa eine Probezeit oder Schwangerschaftsvertretung.

„In den Betrieben haben wir es aber immer häufiger mit Befristungen nach dem 08/15-Prinzip zu tun. Jobs auf Zeit werden zur gängigen Praxis“, betont Henn. Das Bundesarbeitsministerium plane zwar, solche Arbeitsverhältnisse einzudämmen. Befristungen ohne Sachgrund sollen danach auf 18 Monate begrenzt werden und maximal 2,5 Prozent der Belegschaft betreffen. Allerdings wären nach aktuellem Stand Betriebe mit weniger als 75 Beschäftigten vom Gesetz ausgenommen.

Aufwertung der Berufsausbildung nötig
„Ein Großteil der Beschäftigten im Gastgewerbe und im Lebensmittelhandwerk hätte davon praktisch nichts“, kritisiert die Gewerkschaft und fordert daher ein vollständiges Verbot der sachgrundlosen Befristung. Dieses soll unabhängig von der Betriebsgröße gelten. Darüber hinaus fordert die NGG eine Aufwertung der Berufsausbildung. „Es sollte auch mit dem Gesellenbrief möglich sein, an der Hochschule zu studieren“, sagt Henn. Bisher gibt es die Hochschulreife nur mit dem Abitur. „Viele Branchen wandeln sich mit der Digitalisierung rasant. Das bringt ganz neue Anforderungen an Fachkräfte. Ein Studium nach der Lehre kann enorm helfen, sich für die Wirtschaft 4.0 zu wappnen“, so der Gewerkschafter. (PM)


Lokales: Altenkirchen & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.



Aktuelle Artikel aus Wirtschaft


Gewerkschaften in Koblenz: Widerstand gegen Sozialabbau

In Koblenz versammelten sich über 100 Gewerkschaftsmitglieder, um gegen die geplanten Reformen der Bundesregierung ...

Wirtschaft und Politik im Dialog: IHK-Sommerabend in Koblenz

Am 27. August 2026 versammelten sich rund 700 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum ...

Wechsel im Jobcenter Altenkirchen: Neue Leitung übernimmt

Im Kreis Altenkirchen gibt es einen turnusmäßigen Wechsel in der Führung des Jobcenters. Josip Jagatic ...

Erfolgsgeschichte aus Eichelhardt: GeSo Metallbau beliefert Deutsche Bahn

Aus einer Scheune in Obererbach entwickelte sich ein gefragter Spezialist für den bundesweiten Stahlbau. ...

2. Nacht der Technik: TraForce öffnet Standort in Wissen für Technikfans

ANZEIGE | Am Freitag, 18. September 2026, von 18 bis 24 Uhr verwandelt sich das ehemalige DALEX-Gelände ...

Wirtschaftsgespräch in Herdorf: Chancen für Unternehmen durch Wärmepumpen und Energiebeschaffung

In Altenkirchen stehen Unternehmen vor der Herausforderung hoher Energiekosten. Das Wirtschaftsgespräch ...

Weitere Artikel


„Kreativität in ihrer Vielfalt“: Neue Werkschau bei der Kreisvolkshochschule

Bis Ende September zeigt die Kreisvolkshochschule in Altenkirchen die neue Ausstellung „Kreativität in ...

Hammer SPD feierte bei Sonnenschein traditionelles Grillfest

Das hat Tradition bei der Hammer SPD: das jährliche Grillfest an der Grillhütte in Opsen. Bei Sonnenschein ...

Tour der Blicke: Kultur- und Verkehrsverein Limbach lädt zur Sonntagswanderung

Für kommenden Sonntag, den 26. August, lädt der Kultur- und Verkehrsverein (KuV) Limbach zur nächsten ...

Horhausener Kultur-AG feierte zehnten Geburtstag

Zum zehnten Geburtstag kam die A-Capella-Gruppe Schnüss: Die Kultur-AG der Ortsgemeinde Horhausen feierte ...

Thomas Rössler-Schaake ist jetzt Schulpfarrer an der BBS in Wissen

Pfarrer Thomas-Rössler-Schaake ist der Nachfolger von Pfarrerin Nicola Löser-Rott als Schulpfarrer an ...

Goldener Saisonstart für die Sportschützen Grindel

Die Landesmeisterschaft des Bundes Deutscher Schützen (BDS) ist der erste überregionale Wettkampf des ...

Werbung