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Nachricht vom 06.11.2009 - 10:10 Uhr    

Familienfreundlichkeit hilft Unternehmen

Auf der Regionalkonferenz zum Thema "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" standen die Chancen und Probleme einer familienorientierten Unternehmenspolitik im Vordergrund. Allen voran betonte die rheinlandpfälzische Familien- und Gesundheitsministerin Malu Dreyer, dass angesichts des Fachkräftemangels die Unternehmen auf familienfreundliche Strukturen setzen müssen. Die Wirtschaftskrise soll nun endgültig die Unternehmen zum Umdenken bewegen.

Mammelzen. Nicht ohne Grund hatte die Arbeiterwohlfahrt (Awo) für die Regionalkonferenz unter dem Titel "Chancen und Nutzen familienorientierter Personalpolitik in kleinen und mittelständischen Betrieben" die Firma ATM in Mammelzen als Veranstaltungsort ausgesucht. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen sei hier das Thema "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" schon angekommen. So verwies der Vorsitzende des Awo-Kreisverbandes Altenkirchen, Torsten Wehner (MdL), bei seiner Begrüßung, dass dort schon die ein oder andere familienfreundliche Maßnahme umgesetzt worden sei. Sein Dank galt der Familie Müller, die ihre Räumlichkeiten für die Konferenz zur Verfügung gestellt hatte.
Auch Malu Dreyer, rheinland-pfälzische Ministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Frauen, fand lobende Worte für die Firmenphilosophie von ATM. Mit ihrem Vortrag zur familienorientierten Personalpolitik leitete sie die Konferenz ein und forderte von den Unternehmen, dass sie sich auf familienfreundliche Angebote einstellen. Familienfreundlichkeit sei für die Unternehmen ein "ganz wichtiger Schlüssel" für die Zukunft. Denn aufgrund der demographischen Entwicklung und einer immer älter werdenden Gesellschaft würden familiäre Verpflichtungen durch Pflege und Betreuungen von Angehörigen weiter zunehmen. Hier müssten die Unternehmen reagieren und familienfreundlicher werden, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen. Da biete die derzeitige Wirtschaftskrise die Chance, sich für die Zukunft neu aufzustellen, so die Ministerin. Schon längst sei die Familienfreundlichkeit in Unternehmen kein "weiches Thema" mehr, sondern wichtig wie nie zuvor. Als Unternehmen müsse man die richtige Balance finden zwischen fachlichen Kompetenzen und sozialen Stärken.
Die Familienministerin betonte, dass man durch verschiedene Initiativen in der Familienpolitik einen Schritt nach vorne gemacht habe. Projekte wie die "lokalen Bündnisse für Familien" seien von der Landesregierung angestoßen worden, um bessere Rahmenbedingungen für Familien zu schaffen. Solche Netzwerke würden den Familien nachhaltig helfen, zeigte sich Dreyer überzeugt. In Zusammenarbeit mit Wirtschaftsminister Hendrik Hering wurde nun ein Leitfaden zur "Lebensphasenorientierten Personalpolitik" herausgegeben, in dem den Unternehmen konkrete Hilfestellungen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gegeben werden. Derweil haben bereits 141 Unternehmen aus Rheinland-Pfalz die Auditierung der Initiative "berufundfamilie" durchlaufen und bewiesen, dass sie eine familienbewusste Unternehmenskultur haben. Damit liege man im Vergleich zu den anderen Bundesländern in der Spitzengruppe.
Ein familienfreundlicher Betrieb zu sein, heiße jedoch längst nicht mehr, einen eigenen Betriebskindergarten zu besitzen, betonte Sofie Geisel vom Unternehmensnetzwerk "Erfolgsfaktor Familie" beim Deutschen Industrie-und Handelskammertag (DIHK) Berlin. Gute Betreuung könne es auch außerhalb des Betriebes geben, indem Tagesmütter in der Nähe des Unternehmens die Kinder betreuen. Geisel stellte eine Reihe von Ideen und Modellen für eine familienbewusste Unternehmensführung vor. Insbesondere machte sie darauf aufmerksam, dass sich junge, qualifizierte Fachkräfte zunehmend ihren Arbeitsplatz danach aussuchen, ob das Unternehmen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützt. Dies ist vor allem in der Hinsicht von Bedeutung, dass es trotz der Wirtschaftskrise in den nächsten Jahren weiterhin einen Fachkräftemangel geben wird, der auf die Bildungsstagnation zurückzuführen sei. "Es wird teurer, qualifiziertes Personal zu gewinnen und an sich zu binden", resümierte sie. Dies sei den Unternehmen laut Ministerin Dreyer bewusst, wie die Bereitschaft zur Kurzarbeit zeige. Weiter forderte die Ministerin eine Flexibilisierung der Arbeitsorganisation und Arbeitszeitmodelle.
Einen familienfreundlichen Arbeitgeber zeichnen der Statistik zufolge vor allem flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit von Sonderurlaub bei Krankheit des Kindes, die Hilfe beim Wiedereinstieg in den Beruf sowie die betriebliche Kinderbetreuung aus. Wie Geisel aufzeigte, sind es oft Maßnahmen ohne großen Aufwand, mit denen Unternehmen Familien helfen können. Wichtig sei es, sich als Betrieb vor Augen zu führen, was in der unternehmensspezifischen Situation Sinn mache. So gibt es vom Wäscheservice, über Hausaufgabenbetreuung, bis zum Erinnerungsservice, eine große Bandbreite an Hilfestellungen. Im Falle des Erinnerungsservices führt ein Unternehmen einen Kalender für seine Mitarbeiter und weist seine Ingenieure, die sich rund um die Uhr auf Montage befinden, auf wichtige Termine der Familie hin.
Einen kritischen Blick auf die Personalpolitik in den Unternehmen warf Michaela Plümecke aus Waldesch in einem kabarettistischen Beitrag. "Familienfreundlichkeit fängt beim Chef an", behauptete sie und verwies darauf, dass ein Umdenken in den Unternehmen stattfinden muss. Ebenso gab sie zu bedenken, dass wohl die Realität in den Unternehmen nicht immer der familienfreundlichen Zertifizierung entspreche. Auch das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Zukunft vor gewaltigen Herausforderungen stehe, verschwieg sie nicht. "Die Mädchen werden immer schlauer", zitierte sie den Zukunftsforscher Matthias Horx. Und als hochqualifizierte Frau wolle man seinen Beruf auch weiter ausüben, so die Kabarettistin.
Zum Abschluss stand eine Diskussionsrunde auf dem Programm, die von Ralf Szepanski, Redakteur und Nachrichtensprecher beim ZDF, moderiert wurde. Das Schlusswort gehörte Oliver Gromnitza von den Wirtschaftsjunioren Sieg-Westerwald, der als ideales Leitbild formulierte: "Wir haben Erfolg im Beruf, weil wir eine Familie haben." (Thorben Burbach)
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Der Vorsitzende des Awo-Kreisverbandes Altenkirchen, Torsten Wehner (MdL), hatte für die Regionalkonferenz die rheinland-pfälzische Innenministerin Malu Dreyer als Gastrednerin gewonnen. Fotos: Thorben Burbach



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