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Nachricht vom 09.11.2009 - 18:21 Uhr    

Appell der Ärzte an Innenminister

Mit einem offenen Brief hat sich der Vorsitzende des medizinischen Qualitätsnetzes Hamm-Wissen, Dr. Michael Theis aus Wissen, im Namen der niedergelassenen Ärzte im Raum Wissen/Hamm an Innenminister Karl Peter Bruch gewandt und fordert den Erhalt des Notarztstandortes in Wissen. Die geplante Zusammenlegung der Notarztstandorte Altenkirchen und Wissen stößt auf Protest, da sie zum Nachteil der Bevölkerung in den abgelegenen Randgebieten führe.

Wissen. Mit einem offenen Brief hat sich Dr. Michael Theis aus Wissen direkt an den Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz, Karl Peter Bruch und dringlich appelliert, den Notarztstandort Wissen nicht aufzugeben.
Theis ist nicht nur niedergelassener Arzt und auch Notarzt, er ist auch Vorsitzender des medizinischen Qualitätsnetzes Hamm-Wissen. Theis kennt die Situation im nördlichen Landesteil bestens und warnt vor einem geplanten Standort Bruchertseifen, der für beide Rettungswachen (Wissen und Altenkirchen) zuständig sein würde. Im Gespräch mit dem AK-Kurier macht der Arzt auf die Sorgen aufmerksam, die ihn, wie viele andere Ärzte auch, belasten. "Die Bevölkerung muss umfassend informiert und auch über die Konsequenzen aufgeklärt werden, die eine solche Lösung bedeutet. Das geschieht leider nicht", sagte Theis. "Denn ein Notarztstandort für zwei Rettungswachen wird für die Menschen in Dörfern katastrophal sein, man denke an Birken-Honigsessen, Fensdorf, Selbach, das Mühlenthal, Mittelhof, Hövels oder Elkhausen", ist sich Theis sicher. Theis beschrieb die Situation für die Menschen in der VG Wissen, für die Region Altenkirchen in den äußeren Randgebieten werde sie ähnlich dramatisch werden. Es gehe nicht nur um die schnelle Versorgung von Unfallverletzten, mehr als 80 Prozent aller Notfälle mit Notarzteinsatz seien internistische Notfälle. Theis zählte zur Verdeutlichung akute Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall, Bewusstlosigkeit oder schwere Asthmaanfälle auf. Davon seien auch Kinder und Menschen aller Altersgruppen betroffen.
Die Notarztversorgung im Land wird vom Innenministerium organisiert und dort sitzen Strategen mit dem Zirkel vor der Landkarte. Die Randgebiete bleiben außen vor, wenn aus zwei Notarztstandorten einer gemacht wird. Das Rettungsgesetz in Rheinland-Pfalz wurde fast unbemerkt von der Öffentlichkeit Anfang 2009 geändert. Im Gesetz war die 30-minütige Frist für den Notarzteinsatz noch festgeschrieben, jetzt steht dort nur noch das Wort "schnellstmöglichst". Auch dies macht den Weg frei, in den ländlichen Regionen, wo es ja so gut wie keine Notärzte gibt, die Gebiete noch weiter ins Abseits rutschen zu lassen. Ein Notarzt verdient 18 Euro pro Stunde, egal ob er nachts, Heiligabend, Weihnachten oder montags arbeitet. "Externe Notärzte sind schwer zu bekommen, nach Wissen will kein Arzt", berichtete Theis.
Und da kommt er zum zweiten Punkt, der ihm und den niedergelassenen Ärzten große Sorgen bereitet. Die beabsichtigte Schließung der Inneren Abteilung am Antonius-Krankenhaus Wissen. Dann gibt es keine Intensivstation mehr, die für die Akutversorgung schwerstkranker Patienten unerlässlich ist. "Darüber muss sich jeder im Klaren sein, das fällt dann weg", sagt der Mediziner. Seine Kritik schließt die Informationspolitik des Trägers mit ein, es habe keinerlei Informationen an die Hausärzte gegeben, auch nicht zum Thema, dass die Innere schlecht laufe. "Bei den regelmäßig stattfindenden Treffen, an dem auch die Klinikärzte teilnehmen, gab es keine Vorwarnung zu einer beantragten Schließung der Inneren", berichtete Theis. Er ist sich sicher, dass die Schließung der Inneren Abteilung mit der Intensivstation weitaus schlimmer für die Menschen im Wisserland ist als die vor vielen Jahren erfolgte Schließung der chirurgischen Abteilung.
Die Überalterung in den Hausarztpraxen und die Nachfolgeprobleme werden in den nächsten Jahren die Situation der medizinischen Versorgung für die Menschen hier noch einmal drastisch verändern. Da ist sich der Mediziner sicher und er mahnt alle politischen Parteien zum gemeinsamen Handeln. (hw)

Der Wortlaut des Briefes an den Innenminister:
Sehr geehrter Herr Staatsminister Bruch,
im Namen aller niedergelassenen Ärzte der Verbandsgemeinden Hamm und Wissen möchte ich an Sie appellieren, den Notarztstandort Wissen nicht aufzugeben.
Eine Zusammenlegung der Standorte Altenkirchen und Wissen würde für einige Randbezirke zu unzumutbaren Anfahrtswegen führen. Unsere Patienten würden erhebliche gesundheitliche Nachteile erleiden!
In naher Zukunft wird sich die ärztliche Versorgung hier in dieser ländlichen Region verschlechtern:
1. Evtl. Schließung der Inneren Abteilung des KH Wissen (einschl. Intensivstation)
2. Fehlende Nachbesetzung von Hausarztpraxen
Eine Verlegung des Notarztstandort Wissen würde dann zu katastrophalen Engpässen in der Versorgung von Notfallpatienten führen.
Bitte lassen Sie uns im Norden von Rheinland- Pfalz nicht im Stich.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Michael Theis



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