Werbung

Nachricht vom 06.09.2018    

Back to the roots: Pop-Geschichte im Altenkirchener Spiegelzelt

Sie waren alle da: John Miles, Paul McCartney, Elvis Presley, Freddy Mercury, Eric Clapton, John Lennon, Keith Richards: im Altenkirchener Spiegelzelt. Werner Köhler, der bekannte SWR 1-Musikexperte, kam mit seiner Band und mit Geschichten rund um die Pop-Szene aus den 60er Jahren nach Altenkirchen - und stieß auf begeisterungsfähige Zuhörer.

Werner Köhler (rechts) und Band tauchten tief in die Pop-Geschichte ein im Altenkirchener Spiegelzelt. (Foto: wear)

Altenkirchen. Im Spiegelzelt in Altenkirchen feierten junggebliebene Menschen die Wiederauferstehung ihrer eigenen Jugend: Im bis auf ganz wenige Plätze ausverkauften Zelt zeichnete sich ein Spiegelbild der 60er-Generation ab. Früher Hippie, Revoluzzer, teils APO-Anhänger, lange Haare, Schnurrbart, Schrecken der Gesellschaft halt – heute im gesetzten Alter, mit sich und der Welt zufrieden, so kann das Publikum beschrieben werden. Aber was war der Grund, dass sie ins Spiegelzelt strömten? Werner Köhler, der bekannte SWR 1-Musikexperte, kam mit seiner Band, und mit Geschichten rund um die Pop-Szene aus den 60er Jahren, nach Altenkirchen.

Da wurde auch ein Tränchen verdrückt
Der Clou bei dieser Veranstaltung war das Drumherum. Die Show von Werner Köhler war in drei Blöcke aufgeteilt, zwischen jeder Unterbrechung wurde ein Drei-Gänge-Menü serviert, das Menü stand dem Anspruch von Werner Köhler in nichts nach. Die Kombination von Musik und Menü war der Erfolgsgarant für die emotionale Reise in „gute, alte Zeiten.“ Bei aufmerksamer Betrachtung der Gäste konnte man schöne Gesten beobachten. Mal nahm sich ein Pärchen in den Arm, mal gab es ein Küsschen, aber auch ein Tränchen wurde verdrückt, wenn plötzlich die Erinnerung bei einem bestimmtem Song so präsent war, als wäre es gerade gestern gewesen. Dieses gemeinsame Feeling verband das gesamte Publikum, noch gesteigert durch Werner Köhlers anschauliche Schilderung der Entstehung des Pops seiner tollen Musiker.

Köhler erklärte den Gästen, dass Musik sein Leben ist, die er tagtäglich in sich aufnimmt und die ihn trägt. Zur Opo-Musik kam er an Heiligabend 1964, als bei seinem Bruder zwei Singles der Beatles, nämlich „Love me do“, „Slow down“ und „I saw her standing there“ unter dem Christbaum lagen. Eine Sensation im Hause Köhler, weil bis dato Nana Mouskouri, Gus Backus und Freddy Quinn angesagt waren und als hip galten. Durch „Slow down“ begann seine Liebe zu Rock’n Roll und zu den Beatles, deren Spuren er Jahre später in Liverpool folgte.

Die Reise nach Memphis
Eröffnet wurde das Pop-Dinner mit „Music“ von John Miles, eines der opulentesten Meisterwerke der Musikgeschichte, gänsehauterzeugend vorgebracht von Werner Grau, dem Solisten der Band, der mit seiner kraftvollen Stimme auch die höheren Oktaven erreichte, ohne dabei zu verzerren. Vervollständigt wurde die Band durch Marc Julien und Tim Kosack an den Drums und der Gitarre. Rauschender Beifall war der Startschuss für das nun folgende Geschehen. Werner Köhler berichtete von seiner Reise nach Memphis, um seinem Idol Elvis nahe zu sein. Er schilderte, dass Gladys, Elvis‘ Muter, zum zehnten Geburtstag von Elvis in ein Warehouse ging, dort konnte er sich ein Geschenk aussuchen. Elvis wollte mit Gewalt eine Rifle haben, was jedoch Gladys und der Ladenbesitzer nicht zuließen. Elvis wurde überredet, eine Gitarre für 7,50 Dollar zu nehmen. Erst widerstrebend, dann immer enthusiastischer, begann Elvis, das Geschenk zu „bearbeiten.“ Köhlers Resümee: „Hätte Elvis das Gewehr bekommen, hätten Generationen ihn nicht als Sänger und Entertainer erleben dürfen.“ Zu „Samba pa ti“ von Carlos Santana konnte sich Köhler nicht die Bemerkung verkneifen, dass ohne diesen Song sicherlich weniger Menschen gezeugt worden wären. Verschämtes Kichern, leichtes Schmunzeln und bestätigendes Nicken waren die Reaktionen im Publikum auf diese Bemerkung. Als Werner Grau den schwierigen Solo-Part von Santana auf seiner Gitarre nahe am Original interpretierte, brachen wahre Jubelstürme im Zelt aus, die Anspannung löste sich in einem Orkan.

Dann schilderte Köhler seine Spurensuche nach den Beatles, dazu bereiste er natürlich Liverpool, am Mersey River gelegen. Der Besuch im „Cavern Club“, wo die Beatles über 300 Mal aufgetreten waren, und das Elternhaus von Paul McCartney in der Forthlin Road, durften bei seinem Exkurs nicht fehlen. Köhler durfte sich sogar auf das Bett setzen, in dem Paul als Kind und Jugendlicher geschlafen hatte. Es folgte die Schilderung, wie der Welthit „Yesterday“ entstanden ist, geschrieben ganz alleine von McCartney. Im weiteren Verlauf befasste sich Köhler mit „Linnard Skinnard“ und Don McLean, dessen Song „American Pie“ wieder Beifallsstürme erzeugte.

Apropos erzeugen: Mit „A whiter shade of pale“ von Procul Harum kamen wieder viele positive Gedanken an schöne Stunden im Publikum auf. Zur Musik von „4 No Blondes“ und ihrem Superhit „What’s up“ stand das Publikum und sang lautstark den Refrain mit. Einige Insiderkenntnisse brachte Werner Köhler ans Tageslicht, beispielsweise hieß Freddy Mercury vor seiner Karriere bei „Queen“ Larry Lurex. Und George Harrison und Eric Clapton tauschten eine Frau aus. Pattie Boyd war zunächst mit Harrison verheiratet, ließ sich scheiden und heiratete dann Clapton, von dem sie übrigens auch wieder geschieden ist. Der Freundschaft zwischen Harrison und Clapton hatte dieses Wechselspiel tatsächlich nicht geschadet. Sie haben sich sicherlich sehr schnell anderweitig getröstet.

Den Aufnahmeknopf gedrückt
Interessant war die Story, wie einer der größten Hits der Popgeschichte entstand: „Satisfaction“ von den Rolling Stones. Die Stones tourten 1965 durch die USA und spielten am 7 Mai 1965 auch in Clearwater in Florida. Keith Richards, kein Kostverächter vor dem Herrn, kippte sich nach dem Konzert einige Whiskeys hinter die Binde, ging in das Fort Harrison Hotel, um zu schlafen. Er hatte einen tragbaren Aufnahmerekorder bei sich. Weil er nicht einschlafen konnte, summte er vor sich den genialen Eingangsriff von „Satisfaction“ hin, hatte dabei aus Versehen den Rekorder eingeschaltet. Am nächsten Morgen hörte er das Band ab, darauf waren die berühmten Anfangstöne des Welthits, der Rest war Schnarchen. Ohne den Rekorder wäre „Satisfaction“ möglicherweise nie entstanden, denn am Morgen konnte sich Richards nicht mehr an den Riff erinnern.

„Imagine“, das Antikriegslied von John Lennon und Yoko Ono, beendete ein fast dreistündiges Spezial für Augen, Ohren und Gaumen. Doch es folgte noch eine stürmisch geforderte Zugabe: Oh Wunder, es war „Hey Jude“ von den Beatles. Alle standen und sangen das berühmte „Nanananananana, Hey Jude“. Standing Ovations, und ein für Altenkirchner Verhältnisse geradezu ekstatischer Jubel, begleiteten Werner Köhler und seine Band von der Bühne. Anzumerken ist noch das musikalische Talent von Werner Köhler, der bei fast jedem Song die Band mit Keyboard oder Piano unterstützte. Die Veranstaltung hatte in dem verzaubernden Flair des Spiegelzeltes tief beeindruckte Besucher hinterlassen. (wear)


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Altenkirchen-Flammersfeld auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       
       


Kommentare zu: Back to the roots: Pop-Geschichte im Altenkirchener Spiegelzelt

Es sind bisher keine Kommentare vorhanden

Beliebte Artikel beim AK-Kurier


Corona-Pandemie: Wieder eine Neuinfektion im Kreis

Die Zahl der positiv auf Covid-19 getesteten Personen im Kreis Altenkirchen liegt am Montag, 25. Mai, bei 163. Den Anstieg um einen Fall verzeichnet das Kreisgesundheitsamt in der Verbandsgemeinde Kirchen. Von den seit Beginn der Pandemie im Kreis positiv getesteten Personen sind 141 geheilt.


Erstes Fazit: Gastronomie erholt sich kaum von Corona-Krise

Die Gastronomie ist unter Auflagen wieder geöffnet. Das Fazit nach wenigen Tagen fällt ernüchternd aus. Die Umsätze pendeln sich auf niedrigem Niveau ein und reichen so gut wie nicht aus, die Kosten zu decken. Die während des Corona-Lockdown vielfach geäußerte Sympathie von Kunden "Wenn wir wieder in Dein Restaurant kommen können, sind wir da" bleibt auf der Strecke. Ein erstes erschreckendes Fazit wurde am Freitag (22. Mai) in Marienthal gezogen: Die Branche nagt (noch) am Hungertuch.


Region, Artikel vom 25.05.2020

Neue Chirurgin im MVZ Betzdorf-Kirchen

Neue Chirurgin im MVZ Betzdorf-Kirchen

Psychiatrie, Orthopädie, Dermatologie, Chirurgie, Anästhesie, Frauenheilkunde und Kardiologie: Viele Fachbereiche eint das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Betzdorf-Kirchen unter einem Dach. Das Team erhält nun Unterstützung. Ute Pfennig, Fachärztin für Chirurgie, hat nun ihren Dienst an der Betzdorfer Friedrichstraße aufgenommen.


Zwei hochwertige BMW gestohlen – Täter nutzen Keyless Go

In der Nacht von Sonntag, 24. Mai, auf Montag, 25. Mai, wurden von bislang noch nicht bekannten Tätern zwei hochwertige Pkw in Betzdorf entwendet. Bei mindestens einem der Fahrzeuge nutzten sie die Keyless-Go-Funktion aus. Die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung.


Bewohnerin im Haus St. Klara in Friesenhagen positiv getestet

Das Altenkirchener Kreisgesundheitsamt informiert am Sonntag über einen Covid-19-Fall in der Friesenhagener Wohn- und Pflegeeinrichtung Haus St. Klara: Eine Seniorin, die mit Hauptwohnsitz im Kreis Siegen-Wittgenstein gemeldet ist und deshalb in der dortigen Corona-Statistik geführt wird, ist hier Mitte Mai eingezogen.




Aktuelle Artikel aus Kultur


Klara trotzt Corona, XXIX. Folge

Kölbingen. Klara trotzt Corona, 29. Folge vom 21. Mai
Ein lautes, polterndes Geräusch ließ Klara aus dem Schlaf schrecken. ...

Bach-Chor: Kantatengottesdienst zu Pfingsten in der Martinikirche

Siegen. Im Zentrum steht die Bachkantate BWV 74 „Wer mich liebet, der wird mein Wort halten". Zu Gast ist Pfarrerin Annette ...

Der Umweltkompass 2020 ist da

Dierdorf. Der Umweltkompass für die gesamte Region Westerwald erfreut sich jährlich einer großen Nachfrage. „Er bietet einen ...

Freudentag in Enspel: Der Stöffel-Park ist endlich wieder geöffnet

Enspel. Die Wiedereröffnung hat sich anscheinend auch im weiteren Umfeld des Westerwaldes herumgesprochen, denn einige Autokennzeichen ...

Buchtipp: „Eifeljugend im Speckmantel“ von Wolfgang Süß

Norderstedt/Dierdorf. Es ist erstaunlich, wie viele Synonyme Heranwachsende in der Eifel für Penis und Masturbation kennen. ...

„Waterloo – The ABBA Show“ kommt in die Stadthalle Betzdorf

Betzdorf. ABBA Review ist, wie der Name sagt, genauso ein Rückblick auf die musikalischen Meilensteine der Weltkarriere des ...

Weitere Artikel


Mittelständler beschäftigten sich mit Psychologie im Betrieb

Siegen-Geisweid. „Ob Sie es wollen oder nicht, Sie beschäftigen sich täglich mit Psychologie, weil Sie ständig mit Menschen ...

Matthias Ludwig wird als Prädikant ordiniert

Gieleroth. Das erste Treffen beim Prädikantenkonvent – hier kommen die rund 20 aktiven Prädikanten des Evangelischen Kirchenkreises ...

Tanzstudio Balé mit 80 Akteuren beim Westerwälder Bauernmarkt

Wissen. Nicht nur für die Stadt Wissen ist der Westerwälder Bauernmarkt am kommenden Samstag, 8. September, eine Premiere, ...

Inspiration Stöffel-Park: Kunterbunt und grau wie Basalt

Enspel. Eine sensationell gute Atmosphäre war bei der Eröffnung der jüngsten Ausstellung im Stöffel-Park zu erleben. „Kunterbunt... ...

Wolderter gewinnt Renault Clio bei den Freunden der Kinderkrebshilfe

Gieleroth. Die Freunde der Kinderkrebshilfe Gieleroth hatten zur Übergabe des Preises nach Gieleroth eingeladen. Der Renault ...

Der Countdown läuft: Nur noch wenige Tage bis zur ABOM

Altenkirchen. Am 12. und 13. September ist es wieder soweit: Die Ausbildungs- und Berufsorientierungsmesse ABOM im Landkreis ...

Werbung