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Nachricht vom 13.09.2018 - 08:10 Uhr    

Abschied von Angelika Klostermann: Ein lachendes, ein weinendes Auge

Der Erfolg der Ökumenischen Stadtbücherei Betzdorf ist untrennbar mit ihrem Namen verbunden: Angelika Klostermann wurde nach 18 Jahren als Leiterin der Bücherei in den Ruhestand verabschiedet. Unter anderem würdigten Landrat Michael Lieber und Bürgermeister Bernd Brato ihre Verdienste.

Großer Bahnhof zur Verabschiedung: (von links) Landrat Michael Lieber, Heinz-Günther Brinken, Dorothee Stöcker-Michael, Angelika Klostermann, Bernd Brato,Helmut Mohr und Axel Cherouny. (Foto: by)

Betzdorf. 18 Jahre ist es her, dass die Bibliothekarin der Ökumenischen Stadtbücherei Betzdorf, Angelika Klostermann erstmals nach Betzdorf fuhr, um sich ihren möglichen neuen Arbeitsplatz und auch die Stadt, in der sie vielleicht künftig zeitweise leben würde, anzusehen. Der erste Eindruck war nicht gerade der beste. „Brücken, Straßen und Eisenbahnschienen. Da soll ich wohnen?“ Nach reiflicher Überlegung entschloss sie sich glücklicherweise dazu, die Stelle als Leiterin der Ökumenischen Stadtbücherei anzunehmen. „Nach und nach habe ich Betzdorfs schöne Ecken entdeckt. Heute gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Ruhestand. Ich werde vieles hier vermissen.“ Viele Gäste waren gekommen, um die langjährige Leiterin der Ökumenischen Stadtbücherei zu verabschieden, darunter auch der größte Teil der mittlerweile 33 ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Als Eremit in der Bücherei
Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain, Bernd Brato, eröffnete den Reigen der Grußworte: „Seit 18 Jahren sind sie unermüdlich im Einsatz. Mit der Zusammenlegung der katholischen und evangelischen Bücherei haben sie im Jahre 2000 etwas ganz Großes geleistet.“ Es sollte eine Bibliothek für alle sein, das hätte Angelika Klostermann damals gesagt, und genau das hätte sie mit ihrem permanenten Einsatz geschafft. Der Erfolg der Bücherei habe stetig zugenommen. Zwölf Jahre nach der Eröffnung erfolgte der Umzug von der Wilhelmstraße in die Innenstadt, in die leerstehenden Räume der damaligen Sparkassen-Filiale. Ein Mammutprojekt, bei dem Klostermann gezeigt habe, wie sehr sie für die Bücherei und das Bibliothekswesen brenne. Mit ihrer menschlichen Art habe sie im Laufe der Zeit immer mehr Menschen für die ehrenamtliche Arbeit in der Bücherei begeistern können, die nahezu in allen Aufgabenbereichen unterstützen. Dass die Bücherei eine Institution sei, die nicht mehr aus Betzdorf wegzudenken sei, daran hätten die Ehrenamtlichen maßgeblich mitgearbeitet. „Diese Bücherei ist beseelt von guten Kräften, die sich engagieren“. Das Lieblingszitat der Bibliothekarin sei das des Schriftstellers Elias Canetti: „Er verkaufte all seine Bücher und zog sich als Eremit in eine öffentliche Bücherei zurück.“ „Auch wenn es nicht ganz so weit kommen muss, so sind sie doch nach ihrem Ruhestand ein gern gesehener Gast hier in der ökumenischen Stadtbücherei in Betzdorf“, so der Bürgermeister.

Ein ganz großes Geschenk
Landrat Michael Lieber, der zu den Anfangszeiten der Bücherei noch Bürgermeister in Betzdorf war, erinnerte an das ambitionierte Projekt in den 90er Jahren: „Es war eine gute Entscheidung, die Bibliothekarstelle hauptamtlich zu besetzen. „Sie, Frau Klostermann, haben das Zusammenwirken mit allen ehrenamtlichen Helfern gut hinbekommen. Ihre Nachfolgerin, Frau Dorothee Stöcker-Michael übernimmt eine hervorragend geführte Bibliothek“. Pfarrer Heinz-Günther Brinken von der evangelischen Kirchgemeinde überreichte sowohl der scheidenden als auch der neuen Bibliothekarin eine Bibel und dankte Angelika Klostermann ganz herzlich für ihre geleistete Arbeit. Pfarrer Helmut Mohr sprach in seinem Grußwort den Dank der katholischen Kirchengemeinde aus und bezeichnete die Bücherei als ein ganz großes Geschenk.

Besonderheit der Trierer Insel
Axel Cherouny, der Vorsitzende des Fördervereines der Ökumenischen Stadtbücherei Betzdorf, verwies auf die drei großen Projekte, die von der Leiterin der Bücherei mit Bravour durchgezogen worden seien: Einmal das Engagement für den Lesesommer in Rheinland-Pfalz, als zweites die Herkulesaufgabe des Umzugs und als drittes der Einstieg in die digitale Welt der Bücherei, der bereits zehn Jahre her sei. Cherouny dankte Angelika Klostermann für einen stets objektiven, angenehmen und freundschaftlichen Umgang miteinander. Der Dekanatsreferent Christian Ferdinand sprach ebenfalls ein paar Wort zum Abschied: „Vor zehn Jahren konnten wir die Religionspädagogen-Bibliothek hier platzieren. Wir haben offene Türen eingerannt. Wir haben hier einen Platz gefunden, nicht nur für Bücher, sondern auch um Veranstaltungen durchzuführen. Medienläden im Bistum Trier und die Bibliothek, das ist eine Besonderheit auf der Trierer Insel.“

Und es flossen ein paar Tränen
Der Nachfolgerin von Angelika Klostermann, Dorothee Stöcker-Michael fiel es sichtlich schwer, ihre Vorgängerin zu verabschieden: „Die Größe eines Berufes besteht vielleicht vor allem darin, dass er die Menschen zusammenbringt. Mit Leidenschaft und ungeheurem persönlichen Einsatz hast du diese Bücherei zu dem gemacht was sie heute ist. Ich bin sehr stolz und ich freue mich, dass ich diese Arbeit von dir übernehmen darf. Ich würde gerne noch mit dir weiter arbeiten“. „Ich mit dir auch“, so Angelika Klostermann. Beiden Damen fiel es schwer, bei diesem emotionalen Abschied die Tränen zurückzuhalten. (by)

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