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Nachricht vom 13.10.2018    

Buchtipp: Sarah Wiener kocht Gerichte, die die Welt veränderten

Sarah Wiener, die aus dem Fernsehen bekannte, sympathische Berlinerin führt ein erfolgreiches Catering-Unternehmen, ein Restaurant, eine Bäckerei und ist Miteigentümerin eines Bio-Hofes. Als Köchin und Autorin veröffentlichte sie aktuell eine Sammlung von Gerichten, die wichtigen Persönlichkeiten zu geschichtlichen Zeitpunkten serviert wurden sowie die Geschichten dahinter, versehen mit der Widmung „Für alle Köchinnen und Köche, die durch ihr Kochen die Welt zu einem besseren Ort machen“. Es sind bewusst subjektiv ausgewählte spannende oder ungewöhnliche Episoden aus 2.000 Jahren Ess- und Koch-Kultur.

Sarah Wiener auf dem Sofa, auf dem sich John F. Kennedy vor seiner legendären Rede in Berlin ausruhte und Buchtitel. Foto: Verlag

Region. Jedes Kapitel wird mit einem ganzseitigen Foto eingeleitet. Das erste zeigt die Unterwerfung des Gallier-Häuptlings Vercingetorix unter Caesar. Was servierte der römische Feldherr beim Siegerfest? Richtig: „Caesar befahl: "Wildschweinbraten für alle!“ Das beigelieferte Rezept geht auf einen gewissen Marcus Gavius Apicius zurück. Sarah Wiener korrigiert mit Bezug auf „Asterix und Obelix“ die klischeehafte Vorstellung von den Lebensgewohnheiten der Römer, die durchweg fast fleischlos und gesund lebten. Das wissen auch Kinder, die am Limes, zum Beispiel in der Römerwelt Rheinbrohl, an einem Projekt „Kochen wie die Römer“ teilgenommen haben.

Gab es bei Napoleon Bonapartes Festmahl anlässlich seines Sieges über die österreichischen Truppen in der Schlacht von Marengo ebenfalls Wildschwein? Mitnichten! Die Legende schreibt dem Koch des stets sieges- und essenshungrigen Feldherrn die geniale, aus der Not kreierte Erfindung des Gerichts „Huhn a la Marengo“ zu. Hintergrundwissen zum tatsächlichen Kriegsverlauf und den legendären Wunderkräften des – nach der Schlacht ebenfalls „Marengo“ umbenannten - zierlichen Hengstes Napoleons liefert Wiener mit.

Wissen Sie, was Jesus mit den Aposteln beim letzten Abendmahl aß, außer Brot und Wein? Was aßen die Juden damals beim Passa-Fest? Nachzulesen beim Evangelisten Markus oder launiger bei Sarah Wiener.

Was aß Nelson Mandela am Tag seiner Freilassung nach 27 Jahren Haft? Was aßen John F. Kennedy und Konrad Adenauer bei ihrem Treffen in Berlin? Woraus bestand das Drei-Kaiser-Dinner, das Wilhelm I. zusammen mit Zar Alexander II., dessen Sohn und Otto von Bismarck aß? Was servierte der ägyptische Herrscher Ismael Pascha anlässlich der Eröffnung des Suez-Kanals im Jahr 1869? Aus den dreiwöchigen opulenten Feierlichkeiten des Paschas sind zwei Rezepte abgedruckt.

„Mit gebackenem Rhabarber zum Wahlrecht“ betitelt Sarah Wiener ihr Kapitel zum Kochbuch der Suffragetten, „The Woman Suffrage Cook Book“, mit dem die Frauenrechtlerinnen 1886 in Boston auf sehr weibliche Weise ein politisches Statement setzten und Fundraising betrieben. Erst 1920 erhielten Frauen in den USA flächendeckend das Wahlrecht. Nicht zuletzt aufgrund der Anleitung zum „baked pie plant“, dem gebackenen Rhabarber.

Aus den himmlischen Delikatessen, die der japanische gottgleiche Kaiser Hirohito 1928 bei den 16-tägigen Feierlichkeiten mit Bankett für mehr als 3.000 geladene Gäste anlässlich seiner Thronbesteigung kochen ließ, stellt Wiener zwei vor: „Ochsenfilet mit Gartengemüse“ und „Sellerie in Sauce Moelle“.

Die Hühner-Curry-Suppe „Mulligatawny-Soup“ für Miss Sophie ist für „Dinner for one“-Fans ebenso nachkochbar wie die Rühreier, die die die Beatles zu dem berühmten Song „Yesterday“ animierten.

So unterhaltsam wurden Momente der Geschichte und Geschichten von Leuten noch nie schmackhaft gemacht. In einem aufwändigen Projekt hat Sarah Wiener mit einem Team recherchiert, was historische Persönlichkeiten bei bedeutenden Ereignissen gegessen haben. Jetzt liefert sie in ihrem Buch "Gerichte, die die Welt veränderten" historischen Hintergrund jedes Ereignisses und die Rezepte zum Nachkochen.

Das Buch, in dem sich Sarah Wiener durch 32 Stationen der Weltgeschichte kocht, erscheint mit vielen bisher unbekannten Fakten und historischen Bildern heute, am 13. Oktober beim Verlag „edition a“. Gebundene Ausgabe: 288 Seiten, ISBN: 978-3-99001-279-6, Preis: 24,90 Euro. htv



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